"Krankmachende Situation"

Rosenheim - "Ich möchte mit Ihnen anstehende Probleme erörtern und Ihre Anregungen entgegennehmen", begrüßte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer die Besucher der Bürgerversammlung für den Stadtbereich Mitte im "Mail-Keller".

Die Tatsache, dass heuer nur knapp 100 Bürger kamen, könnte daran liegen, dass es in diesem Stadtbereich derzeit kaum größere Probleme gibt.

Nur im Sauseschritt streifte die Rathauschefin die kommunale Finanzlage sowie Investitionen, da diese Punkte bereits in den vorangegangenen Versammlungen ausführlich angesprochen und publiziert worden waren.

Kein Diskussionspunkt mehr war "Deutschlands kleinster Verkehrskreisel" am Ludwigsplatz. Vermutlich haben sich die Kraftfahrer daran gewöhnt, langsamer zu fahren, wodurch sich die Fußgänger nun leichter tun, die Fahrbahn zu überqueren. Die vor drei Jahren ausgebrochene "Veränderungseuphorie" dank der Finanzspritzen des Freistaates für die Landesgartenschau 2010, von zahlreichen Skeptikern kritisch begleitet, zeigt nun erfreuliche Ergebnisse.

Die städtebauliche Konzeption mit den Schwerpunkten Ludwigsplatz, Kreisel, Kirchvorplatz, Öffnung und Freilegung des Stadt- und Mühlbaches mit Blick in den umgestalteten Riedergarten werden nun von den Bürgern als wohltuend empfunden, selbst wenn das Betongerinne im vorderen Teil des Riedergartens öfters an Wassermangel leidet.

Weniger Klagen aus Vergnügungsviertel

Wenngleich noch nicht alle Wünsche und Vorstellungen für die Bewohner und Anlieger im "Vergnügungs- und Kneipenviertel" Adlzreiterstraße, Weinstraße, Hofbräukomplex und Salzstadel zufriedenstellend gelöst werden konnten und teilweise noch über Ruhestörungen geklagt wird, habe sich hier doch einiges zum Positiven gewandelt, so die überwiegende Meinung in der Versammlung.

Nicht nur die zur Verschönerung beitragenden Baumaßnahmen - "für Stöckelschuhe ungeeignet", so der Zwischenruf einer Besucherin - sondern auch bürgerfreundliche Maßnahmen wie eine verlängerte Sperrstundenregelung für den Innenstadtbereich, Ausweisungen von Fußgängerbereichen wie am Grünen Markt und Geschwindigkeitsbeschränkungen hätten, so übereinstimmend die Oberbürgermeisterin und Anwohner, dazu beigetragen, dass Rosenheim ein attraktives Flair unter dem Motto "leben und leben lassen" entwickelt habe.

Auch der früher als "Glasscherbenviertel" abgewertete Salzstadel findet mit seinem "fast mediterranen Forum" zwischenzeitlich viel Anerkennung. Seitdem dort die Parkplätze reduziert wurden, sei es viel ruhiger geworden, bestätigte ein Anwohner und meinte, dass die Zeiten von "Out of law" für den Platz hoffentlich der Vergangenheit angehörten. Noch im Herbst, so ergänzte die Oberbürgermeisterin, sollen dort Bäume gepflanzt werden; die endgültige Fertigstellung sei für 2011 vorgesehen.

Richtig zur Sache ging es dann, als "die nicht mehr tragbare, krankmachende Situation" in der Hubertusstraße thematisiert wurde, die sich allerdings kaum als mittelfristig lösbares Problem darstellt. Selbst das bereits in der Bürgerversammlung 2008 zugesagte "Abfräsen der Huckel und ein teilweises Sanieren", eine drastische Geschwindigkeitsbeschränkung und eine nächtliche Ampelabschaltung mit Vorfahrt für den Durchgangsverkehr bringe nach Ansicht der Fachleute wegen des schlechten Straßenunterbaues wenig. Nur ein Vollausbau könne wirkungsvolle Abhilfe schaffen. Dieser müsse aber sinnvollerweise bis zur Fertigstellung der Westtangente und der damit verbundenen Verkehrsentlastung warten.

Hubertusstraße und Bahnhof vorrangig

Auf wenig Gegenliebe, weil derzeit nicht zu finanzieren, stieß Ludwig Weinbergers Antrag, sich des "vergessenen" Roßackers anzunehmen. Bauer erklärte, dass die Maßnahmen am Bahnhof und in der Hubertusstraße Vorrang hätten, versprach aber, dem Stadtrat das "Problem Roßacker" vorzulegen.

je/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © dpa

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