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Verein hat mittlerweile 300 Mitglieder

„Schicksale berühren mich“: Was den Rosenheimer Jonah Werner von „Athletes for Ukraine“ antreibt

Jonah Werner.
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Jonah Werner.

Rosenheim/Prien – Vor sieben Wochen hat der frühere Biathlon-Olympiasieger Jens Steinigen aus Traunstein zusammen mit weiteren prominenten Sportlern den Verein „Athletes for Ukraine“ gegründet. Der Verein hat inzwischen 300 Mitglieder aus der ganzen Welt – darunter auch Sprecher Jonah Werner aus Rosenheim. Ein Gespräch über Frieden, Solidarität und wie Sport die Menschen verbindet.

Jonah Werner: Manchmal fühlt es sich tatsächlich an wie ein Traum. Tobias Angerer gehört beispielsweise zu meinen absoluten Vorbildern. Auf der anderen Seite verfolgen wir auch alle das gleiche Ziel und setzen uns gemeinsam dafür ein.

Den Menschen in der Ukraine zu helfen?

Werner:Wir wollen Frieden und Solidarität für die Ukraine. Der Verein will weltweit ein Zeichen für Frieden setzen. Wir organisieren aber auch Hilfstransporte an die ukrainische Grenze, sind bei Veranstaltungen dabei und setzen uns dafür ein, dass die Vereine in den jeweiligen Regionen, die Sportler aus der Ukraine integrieren. In Prien haben wir zudem erst kürzlich zu einem sportlichen Nachmittag für Kinder eingeladen, in Rosenheim findet jetzt ein ähnliches Angebot in der Luitpoldhalle statt.

In den vergangenen Monaten sind Sie immer wieder in die Ukraine gefahren.

Werner:Unsere letzte Fahrt war erst am Karfreitag. Wir waren mit 44 Fahrern und 22 Bussen unterwegs, haben einen 40 Tonner mit Hilfsgütern an die Grenze gebracht und Ukrainer mit zurück nach Deutschland genommen. Insgesamt hat der Verein bereits 200 Menschen bei der Flucht geholfen. Mit dabei sind auch immer wieder prominente Sportler wie beispielsweise Rennrodler Felix Loch.

Wie ist der Kontakt zu den Menschen in der Ukraine entstanden?

Werner:Zum Teil haben uns Sportler aus der Ukraine über die sozialen Medien angeschrieben und um Hilfe gebeten. Wir haben aber auch oft direkt vor Ort geschaut, wer Unterstützung braucht. Von Menschen, die im Rollstuhl sitzen über Studenten und Journalisten, bis hin zu Sportlern hatten wir schon alles dabei.

Der Verein „Athletes for Ukraine“ ist vor einigen Tagen mit 22 Bussen und 44 Fahrern an die ukrainische Grenze gefahren, um dort Hilfsgüter abzuladen und Menschen zurück nach Deutschland zu nehmen.

Wie ist die Stimmung während der Fahrten?

Werner:Es wird nicht einfacher. Die Anspannung ist auf jeden Fall weniger geworden. Auch die Angst, das einem selbst etwas passieren könnte. Was nach wie vor nicht leichter wird, ist es die Schicksale der einzelnen Menschen zu hören. Das berührt mich nach wie vor sehr. Und natürlich ist es ein Riesenaufwand, den wir betreiben, um die Menschen aus der Ukraine zu holen. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass diese Menschen zum Teil seit Wochen auf der Flucht sind, so gut wie nicht schlafen und alles zurückgelassen haben. Das relativiert vieles.

Ist es manchmal nicht auch frustrierend zu wissen, dass Sie und die Mitglieder des Vereins nicht allen Menschen helfen können?

Werner:Ja. Und natürlich ist das, was wir machen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es ist einfach wichtig, etwas zu tun. Und wenn wir nur ein bisschen Hoffnung und Sicherheit vermitteln können, haben wir schon viel erreicht.

Bleibt der Kontakt zu denjenigen, die Sie bei der Flucht unterstützt haben, bestehen?

Werner:Ich stehe noch mit einigen in Kontakt. Eine junge Frau aus der Ukraine leitet beispielsweise das Sportangebot in der Luitpoldhalle, eine andere ist in München gerade in ihre eigene Wohnung gezogen und hat einen Job gefunden.

Ebbt die Hilfsbereitschaft langsam ab?

Werner:Nein, auf keinen Fall. Die Spendenbereitschaft ist nach wie vor da. Große Unterstützer sind beispielsweise „Art of living“ und die „International Association for Human Values“. Wenn überhaupt würde ich sagen, dass alles rund um den Ukraine-Krieg in den Medien an Aufmerksamkeit verliert. Auch da wollen wir gegensteuern.

Was hat der Verein für die Zukunft geplant?

Werner:Wir wollen uns weiterhin für Frieden und Solidarität in der Ukraine einsetzen. Zudem hoffen wir, dass wir noch mehr Menschen ins Boot holen können, die uns bei unserem Vorhaben unterstützen, ukrainische Sportler in den heimischen Vereinen unterzubringen. Dafür sind wir deutschlandweit mit den Stützpunkten in Kontakt. Wir haben beispielsweise eine kleine Nachwuchs-Leichtathletikgruppe aus Charkiw an den Leichtathletik-Club nach Wolfratshausen vermittelt. Die nächsten größeren Aktionen, die von Seiten des Vereins geplant sind, sind ein Benefizkonzert für die Ukraine in Stephanskirchen, eine Mai-Party in Siegsdorf und der Burgfeldlauf in Aising, bei dem alle Ukrainer einen kostenlosen Startplatz erhalten. Der ehemalige Radrennfahrer Marcus Burghardt wird an dieser Veranstaltung ebenfalls teilnehmen.

Sie haben außerdem Kontakt zu dem ukrainischen Biathlon-Olympiasieger Dimitro Pidruschni.

Werner:Ja, er kämpft gerade mit anderen Biathleten im Krieg. Hin und wieder schickt er uns Fotos und Videos zu.

Können eigentlich nur Sportler Mitglied im Verein werden?

Werner:Nein. Jeder kann bei uns mitmachen. Wir haben auch Mitglieder aus Norwegen, der USA oder der Ukraine.