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Anhaltende Trockenheit setzt Fischen teils heftig zu

Lage teils „kritisch“ - So sehen Experten die Situation von Flüssen und Seen

Fischsterben
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Ein toter Blei in der Oder. - Wir haben uns erkundigt, wie die Lage sich derzeit in den Gewässern der Region darstellt.

Angesichts der Berichte über regionale wie überregionale Probleme mit durch die aktuelle Wetterlage bedingte niedrige Wasserstände in Gewässern und damit teils einhergehende Geschehnisse wie dem teilweisen Sterben von Fischen haben wir uns bei den Wasserwirtschaftsämtern der Region erkundigt, wie diese die Situation einschätzen.

Rosenheim/Traunstein - „Derzeit sind zumeist weiterhin sinkende Pegelstände zu verzeichnen, insbesondere in den Gewässern des Alpenvorlands und nördlich davon. Einige Gewässer nähern sich dem niedrigsten aufgezeichneten Wasserstand beziehungsweise haben diesen schon erreicht, etwa die Isen oder der Waginger See. Die Flüsse, die ihren Ursprung im inneralpinen Bereich haben, zum Beispiel Saalach und Salzach, weisen normale bis niedrige Wasserstände auf, da es dort in den vergangenen Wochen immer mal wieder geregnet hat“, berichtet Inga Grote vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein, welches, unter anderem, für die Landkreise Traunstein, Altötting und Berchtesgadener Land zuständig ist.

„Derzeit gibt es noch sinkende Wasserstände, mit den angekündigten Niederschlägen am Wochenende wird sich die Situation zumindest vorübergehend entspannen“, so wiederum Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, dessen Zuständigkeitsbereich, unter anderem, Stadt und Landkreis Rosenheim sowie den Landkreis Mühldorf am Inn umfasst. Ob sich die Situation langfristig entspannt, oder ob es nach dem Wochenende wieder über längere Zeit trocken bleibt, wird sich zeigen“, ergänzt Grote.

Drohen Probleme für Gewässer der Region durch die anhaltende Trockenheit?

Das massive Fischsterben in der Oder sorgt derzeit für Schlagzeilen und Besorgnis. Die Niedrigwassersituation spitzt sich unterdessen auch in Bayern weiter zu, wie das Oberbayerische Volksblatt berichtet. Einige Pegel kleinerer Flüsse haben neue Rekord-Niedrigstwerte, so etwa die Altmühl bei Treuchtlingen oder die Rott bei Ruhstorf in Niederbayern. Bedrohlich sieht es stellenweise auch an der Amper aus – bei Fürstenfeldbruck hat sie stellenweise nur 30 Zentimeter Wasser. Der Abfluss beträgt derzeit 7,4 Kubikmeter je Sekunde – vor zwei Wochen war es noch fast doppelt so viel. Auch unmittelbar aus der Region kommen teils drastische Berichte. „Die Lage ist dramatisch“, beschreibt Jürgen Halder, Fischereiaufseher des Anglerbundes Rosenheim, die Situation an Mangfall und Werkskanal in Kolbermoor gegenüber der Zeitung. Das Fischsterben hat dort begonnen. Doch wie sieht die Lage insgesamt in der Region aus?

„Die gewässerökologische Situation in unseren Fließgewässern wird maßgeblich durch das Zusammenspiel von Wassertemperatur, Sauerstoff und Abfluss bzw. Wasserstand und Strömung bestimmt. Viele Fließgewässer haben sich durch die anhaltende Hitze deutlich erwärmt. Eine gewässerökologisch ernste Situation ist bei den Abflüssen in den Fließgewässern festzustellen. Nahezu alle Gewässer weisen niedrige bis sehr niedrige Abflüsse auf. Die Lebensräume und Wanderungsmöglichkeiten für die Gewässerorganismen sind daher eingeschränkt. Einzelne kleine Fließgewässer sind bereits trocken gefallen“, erklärt Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. „Für die Fische ist die Situation weiterhin angespannt. Mit steigenden Wassertemperaturen, der damit verbundenen niedrigeren Sauerstoffgehalten und geringen Abflüssen sind gerade kälteliebende Fischarten wie beispielsweise die heimische Bachforelle, Äsche oder auch das Bachneunauge zunehmend gestresst. Zusätzliche Störungen, beispielsweise auch im Rahmen nicht zwingend nötiger Freizeitaktivitäten an Gewässern, sollten derzeit möglichst vermieden werden.“

Lage bei Gewässertemperatur hat sich teils entspannt

„Bei allen Bächen und Flüssen, die augenblicklich sehr niedrige Wasserstände aufweisen, ist die Lage kritisch. Durch die geringe Wassertiefe ist der Lebensraum für Gewässerorganismen und Fische stark eingeschränkt. Oberläufe von Bächen sind bereits ausgetrocknet. Zum Teil sind die Wasserstände so niedrig, dass sich Fische und Kleinlebewesen nur noch in Gumpen aufhalten können. Über den trocken gefallenen Rettenbach bei Kammer und die Rettung von Flusskrebsen war bereits Anfang August in der Presse berichtet worden“, fährt Inga Grote vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein fort. „Hinsichtlich der Gewässertemperatur hat sich die Lage gegenüber Ende Juli und Anfang August etwas entspannt, insbesondere aufgrund der kühleren Nächte der vergangenen Woche. Von einem größeren Fischsterben aufgrund der aktuellen Situation haben wir keine Kenntnis.“

„Bereits in den 90iger Jahren wurde mit dem Überleitungsprojekt von Donauwasser ins Maineinzugsgebiet ein Niedrigwasserausgleich zwischen Süd- und Nordbayern hergestellt. Ein weiteres Beispiel ist die Niedrigwasseraufhöhung der Isar über den Sylvensteinspeicher. Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim renaturiert seit Jahren die staatlichen Gewässer. Durch den Umbau von Abstürzen beispielsweise in der Mangfall und die Einbau von Strukturelementen werden Bereiche geschaffen, in denen höhere Fließgeschwindigkeiten und tiefere Gewässerstellen vorhanden sind. Diese Bereiche stellen bei den aktuellen Verhältnissen wichtige Rückzugsmöglichkeiten für Gewässerorganismen dar. Die Umbauarbeiten werden laufend fortgesetzt“, schließt Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. „Neben der Störung der Fische durch Badebetrieb verschärfen auch Wasserentnahmen die Situation für die Gewässerlebewesen, insbesondere bei kleinen Flüssen und Bächen. Bürger sollten daher in der aktuellen Niedrigwassersituation auf Wasserentnahmen aus den Bächen und kleinen Flüssen verzichten“, rät wiederum seine Traunsteiner Kollegin Inga Grote abschließend.

hs

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