Verwirrung um Grenzwert von 50 Neuinfektionen

Entwarnung für Rosenheim - Grenze für "Corona-Notbremse" unterschritten

Lockerung der Corona-Maßnahmen: Ab 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Rosenheim betroffen?
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Lockerungen unter bestimmten Auflagen: In Rosenheim gab es kurzzeitig Verunsicherung bei den Zahlen

Rosenheim - Die Corona-Regeln wurden am Mittwoch. 6. Mai erneut gelockert. Doch die Lockerungen sollen dann zurückgenommen werden, wenn die Zahl der Neuinfektionen in einem Landkreis binnen sieben Tagen die Zahl von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner übersteigt. Ist die Stadt Rosenheim jetzt betroffen oder nicht? 

Jetzt scheint es offiziell: In der Stadt Rosenheim müssen die Beschränkungen nicht wieder verschärft werden. Die Zahl der Neuinfektionen liegt unter dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sind es am 7. Mai, Stand 10 Uhr, 33. Eine Corona-Notbremse ist damit nicht nötig

Auf dem Gipfel zwischen Bund und Ländern wurde laut Markus Söder eine solche „Notbremse“ beschlossen. Sollte es in einem Landkreis mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten sieben Tage geben, wird sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt. Die kreisfreie Stadt Rosenheim lag mit einem Wert von 52,1 (Stand: 5. Mai, 24 Uhr) knapp über dem Limit. Das geht aus den Zahlen des Robert Koch-Instituts hervor.

Lockerungen auch in Rosenheim

Über diese Zahl herrschte in der Stadt Rosenheim am Mittwoch größere Unsicherheit. Denn das staatliche Gesundheitsamt rechnet anders. Laut der Behörde am Mittwoch liege die 7-Tage-Inzidenz für die Stadt Rosenheim derzeit bei 35 Fällen pro 100.000 Einwohnern und damit weit unter 50er Marke. Das Amt teilte hierzu mit: 

"Die positiv getesteten Personen in Asylbewerberunterkünften der Stadt sollen, wie heute von der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten beschlossen, aus der statistischen Berechnung herausgerechnet werden, weil sie sich derzeit in Quarantäne befinden und daher nicht in Kontakt mit der Bevölkerung der Stadt kommen können." Das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim sieht daher keinen Grund, im Zuge der sogenannten Lokalisierung oder Regionalisierung des Infektionsgeschehens („Containment“) die angekündigten Lockerungen in Rosenheim auszusetzen bzw. die bereits zulässigen Erleichterungen wieder zurückzunehmen.

Auch die Stadt selber sieht keine Gefahr eines absehbaren neuerliche Lockdowns. "Rosenheim ist auf einem deutlichen Weg der Besserung",  sagte der Pressesprecher der Stadt, Thomas Bugl, auf Anfrage von rosenheim24.de am Donnerstag. "Die Zahl geht kontinuierlich nach unten. Das liegt daran, dass die drei Asylbewerberheime die Hotspots sind."

Zahl liegt weiterhin darunter

Nützliche Links zu Corona:

Am Donnerstag, 7. Mai 10 Uhr lag die Zahl gemäß Robert Koch-Institut bei 33 und im Landkreis Rosenheim bei 37, wie uns das LGL auf Nachfrage von rosenheim24.de mitteilte. Es bestehe laut LGL daher kein akuter Handlungsbedarf. Gleichwohl werde die Situation aufmerksam durch die Gesundheitsbehörden beobachtet und es werden Maßnahmen des Infektionsschutzes umgesetzt. 

Die Behörde teilt aber auch mit: "Die 7-Tages-Inzidenz entspricht der Anzahl der in den letzten sieben Tagen neu gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner. Die 7-Tages-Inzidenzen werden am LGL und am RKI anhand der täglich übermittelten und nach den Falldefinitionen veröffentlichten Fällen berechnet. Es werden keine Fälle aus dieser Berechnung, z.B. aufgrund des Asylstatus, am LGL ausgeschlossen."

Die Rosenheimer Zahlen der vergangenen 10 Tage: 

Um das Infektionsgeschehen in der kreisfreien Stadt besser darstellen zu können, haben wir uns vom Gesundheitsamt die Neuinfektionen der letzten 10 Tage vor dem Gebot der 7-Tage-Inzidenz geben lassen. Das stellt sich wie folgt dar: 

Tag:

Neuanmeldungen COVID-19:

27. April

0

28. April

7

29. April

8

30. April

7

1. Mai

9

2. Mai

0

3. Mai

1

4. Mai

5

5. Mai

0

6. Mai

0

Strengere Maßnahmen möglich?

Bei der Debatte um die Zahl 50, stellt sich auch die Frage, 'was passiert, wenn eine Kommune immer um den Wert 50 herum kreist, also an einem Tag darunter liegt, den anderen Tag wieder drüber. Werden die Maßnahmen dann an einem Tag gelockert, an dem anderen wieder verschärft?' "Mit dieser hypothetischen Frage 'was wäre, wenn'beschäftigen wir uns in Rosenheim gar nicht, weil wir weit unter dem Wert liegen", sagte Bugl gegenüber rosenheim24.de. 

Ursachen müssen ermittelt werden

Katrin Grimmer, Pressesprecherin des LGL erklärte gegenüber rosenheim24.de: "Grundsätzlich gilt: Wenn bei der 7-Tages-Inzidenz ein Wert von 50 in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt überschritten wird, müssen zunächst die Ursachen dafür ermittelt werden: handelt es sich um einzelne, definierte, örtlich begrenzte Ausbrüche oder liegt ein generell erhöhtes Infektionsgeschehen zugrunde. Wenn zum Beispiel ein Pflegeheim oder eine Asylbewerber-Unterkunft mit zahlreichen Infektionsfällen der Grund ist, können dort gezielt Maßnahmen eingeleitet werden, um die Infektionsketten zu unterbrechen."

Das LGL spiegle den Gesundheitsämtern in täglichen Berichten die Ergebnisse der Auswertung der bayerischen COVID-19 Meldedaten zurück. Auch hierzu zählen bereits jetzt schon die Angaben der 7-Tages-Inzidenzen. Sofern erforderlich, werde das LGL zukünftig in diesen epidemiologischen Berichten noch gezieltere Hinweise für diejenigen Landkreise und kreisfreien Städte bereitstellen, deren 7-Tages-Inzidenz sich dem Wert 50 annähert oder diesen überschreitet. "Das LGL plant außerdem, einen „Frühwarnwert“ von 35 Fällen/100.000 Einwohner zu etablieren, damit die betroffenen Gesundheitsämter und die zuständigen Regierungen bereits frühzeitig informiert sind und die Möglichkeit haben, die Gründe für die erhöhte Inzidenz zu ermitteln, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und regional gegenzusteuern", so Grimm abschließend.

jb

Asylbewerber


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