Prozess um Maskenbetrug

Geschädigter sei aus Angst und Scham nicht zur Polizei gegangen

Prozess gegen 22-Jährigen wegen versuchten Mordes nach einem Weinfest in Bruckmühl/Högling
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Prozess gegen 24-Jährigen wegen besonders schwerer räuberischen Erpressung in Tatmehrheit mit vier Fällen des Betrugs im besonders schweren Fall verantworten.

Traunstein - Am 25. Februar muss sich ein 24-Jähriger aus Bielefeld wegen zahlreicher Delikte, die er unter anderem auch in der Region begangen haben soll vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. **rosenheim24.de berichtet von vor Ort.**

Update, 17 Uhr - Geschädigter ging nicht zur Polizei

Der 50-jährige Geschädigte sagt aus, dass er einer Prostituierten Geld geschuldet und das über Western Union nach Bulgarien überwiesen habe, was nicht funktionierte. Die Überweisung habe er dann rückabgewickelt. „Da gabs dann Druck und dann kam der Angeklagte“, so der Geschädigte.

Der Angeklagte sei im Auftrag des Zuhälters bei dem Geschädigten aufgetaucht und habe das Geld abgeholt. Im weiteren Verlauf sei dann eine Facebook-Seite erschienen, auf der das Bild von ihm in Damenunterwäsche und beim Drogenkonsum und ein Bild seiner Eltern zu sehen war.

„Das war ein Schock für mich“, sagt der Geschädigte. Dann habe er einen Anruf vom Bruder des Angeklagten bekommen, der Geld von ihm wollte, damit die Facebook-Seite wieder verschwindet. Aus Scham, Angst und wegen eines möglichen Immobiliengeschäftes mit der Polizei Bielefeld sei der Geschädigte nicht zur Polizei gegangen.

Der Bruder des Angeklagten habe immer mehr von ihm gefordert, bis der Angeklagte ihn eines Nachts aufgesucht und ihn genötigt habe, zu ihm ins Auto zu steigen. „Da hat er mir dann eine gepfeffert. Das war die schlimmste Autofahrt meines Lebens“, so der Geschädigte. Der Angeklagte sei nach Aussage des Geschädigten aber nur Handlanger seines Bruders gewesen. Aufgrund der ständigen Drohungen habe der Geschädigte auch bei der Maskenbetrügerei mitgemacht.

Die Verhandlung wird am Montag, 1. März fortgesetzt

Update, 15.06 Uhr - Klinikum Rosenheim um fast 100.000 Euro betrogen

Nachdem sich die Verfahrensbeteiligten zu einem Rechtsgespräch zurückgezogen hatten, verkündet Vorsitzender Richter Erich Fuchs, dass die Anklage bezüglich der Erpressung nur durch umfangreiche Beweise zu ermitteln sei, weswegen nach der Vernehmung des Geschädigten erst weitere Rechtsgespräche möglich seien.

Laut der Einkäuferin am RoMed Klinikum, die die nicht gelieferten Masken bestellt hat, sei sie zu Beginn der Pandemie mit einer Vielzahl von Maskenangeboten verschiedener Firmen konfrontiert gewesen und habe dann Kontakt zur Betrügerfirma aufgenommen, da diese vermeintlich qualitativ sehr gute Masken angeboten habe.

Nach einer Anzahlung von 12.000 Euro sei keine Lieferung erfolgt, weswegen man ausgemacht habe, dass das Klinikum das Geld wieder zurücküberwiesen bekomme. „Es sind dann Rechnungen über einmal über rund 47.000 Euro und noch eine über rund 33.000 Euro gekommen.“ Das Geld wurde überwiesen, die Masken kamen jedoch nie an und die Firma war nicht mehr erreichbar. Daraufhin habe die Klinik bei der Polizei Anzeige erstattet.

Knapp 45.000 Euro seien während der Ermittlungen beim Angeklagten gepfändet worden. Beim Geschädigten seien es rund 80.000 Euro gewesen, so ein Ermittlungsbeamte.

Update, 14 Uhr - Angeklagter belastet Bruder und Geschädigten

„Die Geschichte mit der Erpressung stimmt nicht“, sagt Verteidiger Peter Weitzdörfer vor Gericht. Es sei geplant gewesen, dass der Geschädigte die Firmen freiwillig gründete. Für den Fall, dass der Betrug aufkomme, soll dann die Geschichte mit der Erpressung erfunden worden sein, so der Verteidiger im Namen seines Mandanten. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum ich da mit reingezogen wurde. Der Geschädigte hat immer gesagt, ich wäre sein Schoßhund“, sagt der Angeklagte.

Zu der Betrügerei mit den Masken sagt Verteidiger Weitzdörfer, dass der Geschädigte rund 80.000 Euro vom RoMed Klinikum und dem Klinikum in Deggendorf rund 15.000 Euro sowie noch einige tausend Euro von verschiedenen Firmen bekommen habe. Das Geld soll dann an verschiedene Personen verteilt worden sein. „Wo sind denn eigentlich Feststellungen, was der Angeklagte bekommen hat?“, fragt der Rechtsanwalt. „Der Angeklagte ist hier ehrlich und gibt zu, in die Sache involviert gewesen zu sein, aber nicht in dieser Höhe.“ „Ich habe erst später erfahren, dass mein Bruder da auch mit drin hängt, als es Probleme gab, weil die Masken nicht geliefert wurden“, ergänzt der Angeklagte.

„Warum muss man denn Leute finden, die ihr Konto zur Verfügung stellen, wenn man denn glaubt, dass der Bruder in der Türkei die Masken liefern kann“, will Vorsitzender Richter Erich Fuchs wissen. Er habe das nicht weiter hinterfragt, erwidert der Angeklagte. „Ob die Masken dann geliefert werden oder nicht, damit habe ich nichts zu tun und hab mir dazu auch keine Gedanken gemacht.“ Der Angeklagte gab an, nur Mittelsmann gewesen zu sein und dafür Geld bekommen zu haben. Der Vorsitzende weist den Angeklagten drauf hin, zu überdenken, ob ein Geständnis nicht angebracht wäre.

Nach langer Befragung durch den Vorsitzenden Richter und die Staatsanwaltschaft räumt der Angeklagte ein: „Von der ganzen Sache habe ich etwa 24.000 Euro bekommen. Das war eine Lektion fürs Leben, mein Bruder ist für mich gestorben, ich möchte Ihnen alles sagen, wo er lebt in der Türkei, alles, was Sie wissen wollen“, sagt er unter Tränen.

Update, 10.56 Uhr - „Diese Kugel ist für dich, wenn du nicht morgen bezahlst“ - Drohungen per Whatsapp?

Die Anklageschrift, verlesen von Staatsanwältin Lisa Österle und Oberstaatsanwalt Dr. Martin Freudling, führt eine ganze Litanei an Delikten auf.

Der Angeklagte aus Bielefeld soll zusammen mit seinem Bruder einen Mann massiv erpresst haben. Unter anderem damit, ein Bild zu veröffentlichen, das diesen in Damenunterwäsche und beim Drogenkonsum in einem Bordell zeigt. Das Opfer soll daraufhin im Mai 2019 mindestens 5000 Euro an den Angeklagten gezahlt haben.

Mittels massiver Drohungen habe der Angeklagte weitere Forderungen gestellt und als Mittäter den Geschädigten dazu gebracht, sein Auto zu verkaufen, wobei er einen Teil des Erlöses an sich genommen haben soll.

In Whatsapp-Nachrichten soll der Angeklagte damit gedroht haben, dass der Geschädigte ein Messer in den Rücken bekommen könnte, dass sein „Leben vergewaltigt“ werde und dass es auch mit einer „Kugel enden“ könnte. Außerdem wurde ihm ein Bild einer Pistole mit Kugeln übermittelt mit dem Zusatz: „Diese Kugel ist für dich, wenn du nicht morgen bezahlst“.

In einem weiteren Tatplan soll der Angeklagte den Geschädigten gezwungen haben, seine Personalien für Firmengründungen zur Verfügung zu stellen. Zweck der Firmengründungen war alleine, Dritte zu Kaufpreiszahlungen für vermeintliche Coronamasken zu veranlassen, deren Lieferung von vorne herein nicht vorgesehen war.

Mittels dieser Firma soll der Angeklagte zwei Firmen aus Furth im Wald und Wiesenbach und verschiedene Kliniken, darunter auch das Klinikum Rosenheim betrogen haben. Die Krankenhäuser haben dort FFP3-Masken bestellt und Anzahlungen im insgesamt hohen fünfstelligen Bereich getätigt. Geliefert wurden die Masken nie.

Vorbericht - Maskenbetrug am Klinikum Rosenheim, Drohung und Erpressung? - 24-Jähriger vor Gericht

Drohung, Erpressung, Betrug - die Liste der Delikte, die die Staatsanwaltschaft Traunstein einem 24-Jährigen aus Bielefeld vorwirft, ist lang. Der sitzt dafür am 25. Februar ab 9 Uhr am Landgericht Traunstein auf der Anklagebank. Er soll unter anderem zusammen mit seinem Halbbruder einen Mann mit anzüglichen Fotos erpresst haben. 5.000 Euro soll er von dem Opfer gefordert haben, dass er die Bilder nicht veröffentlicht. Er soll dem Geschädigten sogar gedroht haben ihn umzubringen, wenn er nicht bezahlt.

Zudem soll der Angeklagte den Geschädigten genötigt haben, seine Personalien für Firmengründungen zur Verfügung zu stellen. Zweck der Firmengründungen war alleine, Dritte zu Kaufpreiszahlungen für vermeintliche Coronamasken zu veranlassen, deren Lieferung von vorne herein nicht vorgesehen war. Der Geschädigte habe dann die eingehenden Gelder entweder in Bar abheben und sofort an den Angeschuldigten übergeben oder an weitere Geldwäscher weiter überweisen müssen.

Klinikum Rosenheim von Betrugsmasche betroffen

Mittels dieser Firma soll auch das Klinikum Rosenheim betrogen worden sein. Das Krankenhaus soll dort FFP3-Masken in großer Stückzahl bestellt und bereits Anzahlungen getätigt haben. Geliefert wurden die Masken jedoch nie. Der Angeklagte muss sich daher wegen besonders schwerer räuberischen Erpressung in Tatmehrheit mit vier Fällen des Betrugs im besonders schweren Fall beides in Mittäterschaft verantworten.

jb

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