Kaufen ist oft Nebensache

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Brasilianische Sambaklänge drangen aus der Landkreishalle auf der Messe Rosenheim, heiße Rhythmen auf brasilianischen Trommeln brachten die Halle in kürzester Zeit akustisch zum Kochen. Am Tourismusstand Alpenland-Chiemsee ging es musikalisch hoch her. 85 Schüler und acht Formationen nutzten die Plattform für die Generalprobe vor Publikum für das große Frühlingskonzert am Sonntag um 18 Uhr im Kuko.

Rosenheim - Bummeln, schauen und Brotzeit machen: Die Atmosphäre auf der Messe Rosenheim macht auf den ersten Blick einen eher weniger geschäftigen Eindruck.

Information ist den meisten Besuchern wichtiger als der Einkauf. Diese Tatsache gefällt nicht allen Ausstellern, es gibt aber auch viele positive Stimmen.

Mit Eröffnung der Rosenheimer Messe kam das hochsommerliche Wetter und hielt die ganze Woche an. "Regen oder durchwachsenes Wetter hätte uns viel mehr Besucher beschert", meint Franz Reger. Der Schreiner der Firma "Teakon-Möbel" zeigte sich gestern über den Messe-Verlauf dennoch nicht ganz unzufrieden: "Das Interesse an unseren Produkten ist hoch. Wir können viele Prospekte verteilen."

Ähnlich beurteilen fast alle Aussteller die Messe 2012. Für viele sind die Verkaufszahlen Nebensache. Ihnen geht es mehr um die Präsentation. Für Christoph Klobeck vom gleichnamigen Bettenfachgeschäft ist es darum eine Selbstverständlichkeit, seinen Stand selbst zu betreuen: "Das Schöne an so einer Veranstaltung ist, man trifft viele seiner alten Kunden." Auf einer Messe müsse man anders auftreten als im normalen Arbeitsleben: "Das ist eine andere Art des Verkaufens, hier muss man sich schon einiges einfallen lassen, um wahrgenommen zu werden."

An einem anderen Stand in einer benachbarten Halle lautet die Philosophie dazu - möglichst viele Brillen putzen. Geworben wird damit für ein Putzmittel. Die beiden Verkäufer können nicht mehr zählen, wie vielen Besuchern sie mit diesem "Service" schon zu klarerer Sicht verholfen haben. Als leicht empfinden sie ihre Arbeit auf der Messe nicht: "Man muss viele Leute ansprechen, bevor jemand stehen bleibt und sich die Brille putzen lässt."

Viel zu tun gibt es auch am Stand der Deutschen Bundesbank. Verkaufen spielt dort überhaupt keine Rolle. "Wir sind nur hier, um die Menschen zu informieren", so Norbert Unrecht. Er vertrat die Bundesbank schon öfter auf Messen: "Das ist immer eine tolle Aufgabe. Man kommt mit vielen Menschen ins Gespräch und kann über Falschgeld aufklären".

Christina Koller und ihr Lebensgefährte Simon Eismann gehören zu denen, die einen triftigen Grund hatten, die Messe zu besuchen. Die beiden wollen im Herbst ein Haus bauen. "Die Messe ist für uns der ideale Ort, um konzentriert auf einem Platz alle wichtigen Gewerke kennenzulernen und Ideen zu sammeln", freut sich Simon Eismann, der heuer erstmals in die Messe-Hallen kam. Für Marianne Vohla aus Kolbermoor dagegen ist das schon Routine. "Ich bin jedes Mal hier", erzählt die 76-Jährige. Manchmal habe sie sich auch schon etwas gekauft: "Beispielsweise ein Haushaltsgerät." 2012 war aber nur "Bummeln und Schauen" geplant.

Die einjährige Franziska besuchte die Messe zusammen mit ihren Eltern. "Der Kleinen gefällt es hier gut. Sie bekommt ja Süßigkeiten geschenkt", berichtete ihre Mutter gestern. Sie gehört ebenfalls zu den "Stammkunden". "Ich finde es hier gemütlich", so die 38-jährige Kiefersfeldenerin. Kaufen wollte auch sie nicht gleich: "Ein Bett oder einen Whirlpool kauft man nicht einfach mal so."

Ein Profiteur des schönen Wetters war in den vergangenen Tagen eindeutig Jürgen Rapper. Seine hierzulande neuartige Eisspezialität "Hawaiian Ice" ließ sich gut verkaufen, besonders bei Kindern und Jugendlichen. "Das schmeckt toll", schwärmten nicht nur Chiara und Jessica. Die beiden elfjährigen Mädchen waren zusammen mit ihrer ganzen Klasse zu Gast auf der Messe. Ihr Resümee: "Hier ist es toll. Wir durften sogar auf einem Polizeimotorrad sitzen."

Nach den Frühsommertagen erwarten die Aussteller für dieses Wochenende den heiß ersehnten Besucheransturm, es soll deutlich kühler werden.

Wer am Sonntag kommt, kann sogar Unterschriftskarten der "Rosenheim-Cops" ergattern. Auch deren Besuch hat schon Tradition. Joseph Hannesschläger, Max Müller und die Kollegen von der beliebten ZDF-Vorabendserie geben von 14 bis 15 Uhr in Halle 14 auf der Aktionsfläche des Chiemsee-Alpenland-Tourismus Autogramme.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

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