Minderwertige "Blüten"

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Rosenheim - War es Kommissar Zufall oder waren es Erfahrung und sechster Sinn der Beamten? Jedenfalls hatte die Zivilstreife den richtigen Riecher, als sie ein Fahrzeug in der Nähe des Inntaldreiecks näher unter die Lupe nahm.

Die Polizisten erklärten vor Gericht, ihnen sei bei der verdachtsunabhängigen Fahrzeugkontrolle eine gewisse Nervosität der Insassen, zweier Tunesier, aufgefallen. Bei einer ersten oberflächlichen Durchsuchung des Autos mit deutschem Kennzeichen und seiner beiden Insassen fanden die Beamten zwar nicht das vermutete Rauschgift, dafür aber in der Jackentasche des Beifahrers zwei gefälschte Geldscheine vor: einen 100- und einen 50-Euro-Schein. Die Qualität der "Blüten", so die Beamten, sei von minderwertiger Qualität gewesen, so dass sie auch im spärlichen Nachlicht als Offset-Falsifikate zu erkennen gewesen seien.

In der Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler erzählte der Angeklagte, er und sein Freund hätten einen Ausflug nach Italien unternommen, in Neapel zu Mittag gegessen und die Rechnung mit einem 200-Euro-Schein beglichen. Als Wechselgeld, so der Angeklagte, habe er, ohne es zu bemerken, wohl die beiden "Blüten" erhalten.

In der Beweisaufnahme während der Verhandlung konnte diese Geschichte zwar mangels Beweisen nicht widerlegt werden, aber die Vorstrafenliste und "Knasterfahrung" des Angeklagten ließen berechtigte Zweifel an dessen Darstellung zu. So listete der Vorstrafennachweis eine länger zurückliegende, verbüßte dreijährige Freiheitsstrafe auf, ebenso Vorstrafen wegen Hehlerei und gefährlicher Körperverletzung in Verbindung mit Raub. Vieles sprach also gegen die vom Angeklagten aufgetischte Version.

Laut Strafgesetzbuch wird Geldfälschung mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr, in schweren Fällen bis zu fünf Jahren geahndet; gleiches trifft für denjenigen zu, der falsches Geld als echtes in den Umlauf bringt. Um eine zeit- und kostenaufwändige Beweisaufnahme entsprechend den Möglichkeiten der Strafprozessordnung zu vermeiden, schlug das Schöffengericht dem Angeklagten und dessen Verteidiger vor, sich zum eigenen Vorteil zu einem Geständnis durchzuringen.

Nach kurzer Unterbrechung der Hauptverhandlung und Rücksprache mit seinem Rechtsbeistand legte der Angeklagte ein umfangreiches Geständnis ab und gab zu, sich das Falschgeld verschafft zu haben, um damit zu bezahlen. Laut Strafgesetzbuch ist allerdings auch der Versuch strafbar.

Allein das Geständnis und der Umstand, dass das Falschgeld noch nicht asugegeben worden war, bewahrte den Angeklagten vor einem längeren Aufenthalt hinter Gittern. Die 22-monatige Freiheitsstrafe wurde trotz "einiger Bauchschmerzen" auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. je

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