Modelnde Wissenschaftlerin

Miss-Germany-Teilnehmerin Nanette Willberg (28) aus Rosenheim will Stereotype aufbrechen

Freundinnen statt Konkurrentinnen: Nanette Willberg (links) freut sich darüber, dass Katharina Wohlrab eine Runde weitergekommen ist.
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Freundinnen statt Konkurrentinnen: Nanette Willberg (links) freut sich darüber, dass Katharina Wohlrab eine Runde weitergekommen ist.

Die gebürtige Rosenheimerin Nanette Willberg will mit typischen Rollenbildern aufräumen – und hat dazu am diesjährigen Wettbewerb „Miss Germany“ teilgenommen. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen spricht die 28-Jährige über Leitfiguren, Wertewandel und einen „richtig krassen Abgang“.

Rosenheim – Der Model-Wettbewerb „Miss Germany“ setzt seit zwei Jahren nicht mehr auf Modelmaße, sondern auf Persönlichkeit. Als Kandidatin aus Bayern trat die 28-jährige Nanette Willberg beim Finale im Europa-Park in Rust bei Freiburg an. Durchgesetzt hatte sich dort letztlich die 33-jährige Anja Kallenbach aus Thüringen. Wie die gebürtige Rosenheimerin Willberg, eine ambitionierte Wissenschaftlerin, die sich in ihrer Freizeit sozial engagiert und nebenbei noch modelt, den Wettbewerb erlebt hat, schildert sie im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Die Finalistinnen, die dieses Jahr zur Miss-Germany- Wahl antraten, bildeten ein 16-köpfiges Team aus richtigen Powerfrauen. Jede setzt sich auf ihre Art für ein besseres Morgen ein. Gab es für Sie Momente im Leben, in denen Sie sich solche Leitfiguren gewünscht haben?

Nanette Willberg: „Für mein jüngeres Ich hätte ich mir schon ein weibliches Vorbild gewünscht – eine Person, die vorlebt, dass wir Frauen uns nicht gegenseitig ausstechen müssen. Die Stereotype aufbricht. In gewisser Weise war das meine Schwester für mich. Weil die so ein Mensch ist, der sich überhaupt nichts sagen lässt und einfach ihr Ding macht. Ich dagegen habe lange versucht, mich anzupassen. Als ich älter wurde, wurde mir klar: Wir sind in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der man einem bestimmten Schönheitsideal hinterherläuft. Und Medien fördern den Eindruck, dass man nicht reicht. Das war der Punkt, an dem ich gesagt habe, Modeln ist eigentlich nicht meine Welt. Deshalb habe ich für mich beschlossen, dass ich einen Job machen möchte, der anderen etwas gibt. Ich bin letztendlich in der Lehre gelandet. Meine Arbeit als Dozentin erfüllt mich, weil ich junge Menschen, insbesondere Frauen dabei unterstützen kann, zu selbstbewussten, eigenständigen Individuen heranzuwachsen.“

Nanette Willberg

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Sie haben also der Model-Welt als junge Frau zunächst den Rücken gekehrt. „Miss Germany“ will nun mit Rollenbildern aufräumen und diverser werden. „Empowering Authentic Women“ lautet das neue Motto. Wie haben Sie diesen Wertewandel empfunden?

Willberg: „Natürlich kann man die tiefen Strukturen des Wettbewerbs, die über Jahrzehnte hinweg gewachsen sind, nicht von heute auf morgen aufbrechen. „Miss Germany“ befindet sich noch mitten im Wandel. Aber das ist normal. Diskussion fördert Innovation. Und jede von uns Kandidatinnen konnte einen Fußabdruck hinterlassen.“

Anja Kallenbach ist die neue „Miss Germany“. Ist sie das weibliche Vorbild, das Sie sich gewünscht haben?

Willberg: „Anja ist einfach eine super coole Mum – deshalb ist sie eine Heldin für mich. Ich mag es auch, dass sie so unkonventionell ist. Sie erinnert mich ein bisschen an meine Schwester. Sie ist Mountainbikerin – meine Schwester fährt Motorrad. Beide sind rockig. Außerdem ist Anja gelassen. Weil ich lange Zeit darunter gelitten habe, dass es unter Frauen oft um einen Kampf geht, finde ich es schön, dass gerade sie, die solch eine Ruhe ausstrahlt, zur „Miss Germany“ gewählt wurde.“

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Haben Sie ein Lieblingsfoto aus dem Wettbewerb?

Willberg: „Ja, da gibt es eins. Wir wussten ja, dass wir im Finale immer zu zweit vorgehen würden und dann eine der beiden Kandidatinnen in die weitere Runde gewählt werden würde. Ich bin mit Katharina Wohlrab, meiner Zimmernachbarin und guten Freundin, nach vorne gegangen. Schon davor hatten wir gewitzelt, dass ich, wenn sie weitergewählt wird, einen richtig krassen Abgang für sie gebe. Weil ich wusste, dass sie weiterkommen muss. Damit sie ihre Message weitergeben kann.“

Welche Message ist das?

Willberg: „Katie macht sich stark für Überlebende von sexualisierter Gewalt (Plus-Artikel OVB-Online) und kämpft gegen Homophobie. Als sie dann im Finale tatsächlich weitergewählt wurde, habe ich mein Versprechen wahr gemacht. Da gibt es ein Bild davon und das ist richtig schön. Der Moment passt gut zu dem, was die Boxerin Zeina Nassar, die auch Teil der Jury war, gesagt hat: „Im Kampf geht es nicht darum zu gewinnen oder zu verlieren, sondern es geht darum zu lernen.“ Und das spiegelt mein Innerstes wider.“

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