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Schaukämpfe im Verein

Mittelalter als Hobby: Zwei Rosenheimer sehen das Schöne in den dunklen Zeiten

Die Rosenheimer Sandra Schwabbauer und Georg Hagemeister versetzen sich in ihrer Freizeit in die Zeit des Mittelalters. privat
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Die Rosenheimer Sandra Schwabbauer und Georg Hagemeister versetzen sich in ihrer Freizeit in die Zeit des Mittelalters. privat

Das Rosenheimer Paar Sandra Schwabbauer und Georg Hagemeister widmet sich dem Mittelalter. Als Schaukämpfer des Vereins „Claymore“ ziehen sie eigentlich auf Märkte um mit ihren Mitstreitern aufzutreten. Sie versuchen, dieser Epoche voller Seuchen und Aberglaube doch noch Gutes abzugewinnen.

Rosenheim – Die schönste Epoche der Menschheitsgeschichte war es freilich nicht: das Mittelalter. Seuchen, Völkerwanderungen und nicht zuletzt die Inquisition. Und dennoch lässt sich dieser Zeit offenbar Schönes abgewinnen. Anders gesagt: Einige finden, nicht alles war schlecht an dieser vermeintlich dunklen Zeit.

In der gleichen Denke bewegen sich Sandra Schwabbauer und Georg Hagemeister.

Das Positive herausstellen

Das Paar aus Rosenheim frönt der Zeit, die gemeinhin mit Burgen und Rittern in Verbindung gebracht wird, in einer spielerischen Form: dem Schaukampf. „Wir haben den schönen Luxus, wir leben nicht im Mittelalter, wir leben das Mittelalter“, sagt Schwabbauer.

Man wolle das Positive einer Zeit herausstellen, von der man doch so viel Negatives höre. Und das „publikumstauglich“. Dazu gehöre neben der zeitgemäßen Gewandung, auch das Bogenschießen, die Küche der damaligen Zeit und die Waffenkunde. Wichtig ist der Schaukampftruppe zudem, die geschichtlichen Hintergründe möglichst authentisch darzustellen.

Recherchereise nach England

Das braucht Recherche, die ihre Mitglieder bereits nach England führte. Denn der Verein konzentriert sich auf das Jahr 1066, dem Jahr der Schlacht bei Hastings und damit auf den ersten militärischen Erfolg der französischen Normannen bei ihrem Eroberungsfeldzug durch England. In der Rolle und den Gewändern eben jenes Volksstammes traten und treten „Claymore“ auf Mittelaltermärkten auf.

Diese Epoche habe einen Vorteil, verraten Schwabbauer und Hagemeister: Man befinde sich geschichtlich gerade erst am Beginn des Rittertums, wie man es sich gemeinhin vorstellt. Schwere Rüstungen aus Metall waren in diesen Tagen noch nicht angesagt.

Das mache das Hobby auch merklich günstiger, zumindest in der Grundausstattung, also bei der geschichtlich korrekten Kleidung. Hier liege man bei rund 80 Euro. „Der Start ist nicht teuer, und wenn man für diese Sache brennt, ist Geld auch nicht das Problem“, meint die 43-Jährige. Günstige Gewandungen machten irgendwann einfach keine Freude mehr.

Gründung in Freising

2003 bildete sich die Gruppe „Claymore“ in einer Freisinger Kneipe. Ein loser Zusammenschluss Mittelalterbegeisterter aus einem bunten Haufen unterschiedlicher Couleur: Studenten, Schulabsolventen, Mechatroniker.

Am Schauspiel teilnehmen

In passender Gewandung zogen sie zunächst auf Mittelaltermärkte. Um dort jenseits der touristischen Besucher auch am eigentlichen Schauspiel teilnehmen zu können, braucht es jedoch einen Verein, wie Sandra Schwabbauer schildert. „Damit die Veranstalter einen engagieren können“, sagt sie.

Im Verein ein Paar geworden

Als Verein können die Gruppen dort ihr Lager aufschlagen und so leben, wie es in der Epoche vor Beginn der Neuzeit üblich war. „Der Schaukampf entwickelte sich schließlich nach und nach daraus“, berichtet die 43-Jährige aus München.

Junge und alte Freunde vergangener Zeiten Seit an Seit: Die Schaukampftruppe „Claymore“, der sich Sandra Schwabbauer und Georg Hagemeister angeschlossen haben.

Im „richtigen Leben“ arbeitet sie in der Verwaltung des Münchner Aquariums „Sea Life“. Ihr Partner Georg Hagemeister verdient sein Geld als Braumeister in Rosenheim. Zusammengeführt hat die beiden – eben das Mittelalter. Oder zumindest die Lust daran, sich in dieser Epoche zu bewegen.

Körperliche Herausforderung

Die Leidenschaft zum Schaukampf bei den Mitgliedern entwickelten sich erst im Lauf der Jahre. Und die hätten es körperlich in sich: „Man trägt Schutzausrüstung, um vor allem die Haupttrefferpunkte zu sichern“, sagt der Braumeister.

Schon allein das Gewicht der Kettenhemden treibe bei ausreichend Bewegung, die ein oder anderen Schweißperle auf die Stirn. Entsprechende kurz seien die Einzelkämpfe: zwischen einer und drei Minuten.

Falltraining tut not

Eine Show, sagt der 39-jährige, dauere insgesamt 25 bis 45 Minuten. Im Training erarbeiten sich die Schaukämpfer ihre Choreografien. Die eingeübten Bewegungen dienen nicht nur der Schau an sich.

Sie sollen obendrein verhindern, dass sich die Kämpfer aus Versehen tatsächlich etwas antun. Hinzu komme ein Falltraining. „Und wir können uns echt auf die Schulter klopfen: In 15 Jahren Schaukampf wurde noch niemand ernstlich verletzt.“

Magnet für neue Mitglieder fehlt

In diesen Pandemiezeiten ist es natürlich Essig mit Mittelaltermärkten und Kämpfen. Damit fehlt mitunter auch ein Magnet für neue Mitglieder, die sich die Gruppe wünscht. Stattdessen planen die Mitglieder von „Claymore“ in diesem Jahr ein eigenes Lager bei München aufzuschlagen.

Um zu trainieren, um zu feiern, aber natürlich auch, um die eigene Ausrüstung zu prüfen, damit auch künftig sichergestellt ist, das niemand wirklich verletzt wird.

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