Einzelhandel in der Coronakrise

Bald noch mehr Leerstand in der Innenstadt? Gerüchte um Sutor-Filiale in Rosenheim

Die 1400 Quadratmeter große Sutor-Filiale in der Münchener Straße schließt – voraussichtlich bereits im Frühjahr. Ein Nachfolger ist bis jetzt noch nicht bekannt.
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Die 1400 Quadratmeter große Sutor-Filiale in der Münchener Straße schließt – voraussichtlich bereits im Frühjahr. Ein Nachfolger ist bis jetzt noch nicht bekannt.

Viele Einzelhändler in Rosenheim haben während der Corona-Krise massiv zu kämpfen. Nachdem in den vergangenen Wochen unter anderem die Schließung des Strick-Geschäfts „Filati“ sowie des Modegeschäfts „bellezza“ bekannt wurde, droht jetzt die nächste Hiobsbotschaft.

Rosenheim – Bereits seit Tagen wird die Sutor-Filiale in der Münchener Straße 27 auf dem Portal „ImmoScout24“ angeboten. In der Stadt hält sich seit Veröffentlichung der Anzeige hartnäckig das Gerücht, dass das Geschäft bald schließen könnte.

Thomas Wüstenfeld, Geschäftsführer des Gewerbespezialisten Felder, kümmert sich darum, einen Nachmieter zu finden. Eine Aufgabe, die aufgrund der momentanen Situation alles andere als einfach ist. „Die Nachfrage nach Handelsimmobilien läuft zur Zeit gegen Null. Wir müssen davon ausgehen, dass es viele Monate dauern wird, bis sich die Leerstände reduzieren“, sagt Wüstenfeld. So würden die meisten Einzelhändler abwarten, wie sich die Pandemie entwickelt. „Einige Kontakte suchender Ladenbetreiber liegen uns vor. Die bringen sich in eine gute Position, um bei Öffnung des Einzelhandels sofort handlungsfähig zu sein.“ Bis es soweit ist, erwartet der Makler allerdings noch weitere Ladenschließungen: „Entsprechende Signale liegen uns vor“, sagt er.

Die Rosenheimer Innenstadt hofft auf neue Frequenzbringer

Wie schwierig die momentane Situation in der Innenstadt ist, weiß auch Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl. Er beruft sich auf den Handelsverband Deutschland und erinnert an dessen Befürchtung, dass im Zusammenhang mit dem coronabedingten Lockdown bis zu 50.000 Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland schließen werden. „Von diesem Trend wird sich keine Stadt abkoppeln können“, sagt Bugl. Auch weil die direkten Möglichkeiten der Stadt, solchen strukturellen wirtschaftspolitischen Entwicklungen gegenzusteuern, begrenzt seien.

Sie reichen – laut Bugl – von Gewerbesteuerstundungen, dem Erlass von Sondernutzungsgebühren bis hin zur Unterstützung bei der Inanspruchnahme von staatlichen Fördermitteln. „Wichtig ist auch, zwischen Immobilieneigentümern und Ladenbetreibern bei der Höhe des Mietpreises zu vermitteln.“ Eine Aufgabe, die Oberbürgermeister Andreas März (CSU) zur Chefsache gemacht hat. Außerdem liege ein Augenmerk auf all den Dingen, die Frequenz in die Innenstadt bringen. Bugl nennt hier als Beispiel die Veranstaltung „Sommer in Rosenheim“.

Kommunale Einrichtungen in Leerstände: Eine Lösung auch für Rosenheim?

Dass es auch andere Wege gibt, um das Leben zurück in die Innenstadt zu bringen, zeigt die Stadt Gera im Osten Thüringens. Oberbürgermeister Julian Vonarb (parteilos) hatte hier die Idee, Leerstände zu nutzen, um dort kommunale Einrichtungen unterzubringen. So sollen beispielsweise im alten Hertie-Kaufhaus sowohl die Stadtbibliothek, als auch die Führerscheinstelle untergebracht werden. Lösungsmöglichkeiten, über die auch die Stadt Rosenheim nachdenkt.

Allerdings haben sowohl die Stadtbibliothek, als auch die Volkshochschule bereits ihren Standort mitten in der Stadt. „Derartige Lösungen sind im Vergleich zu einem attraktiven Einzelhandel und einer gut geführten Gastronomie immer nur zweitbeste Wahl“, sagt Bugl.

„Es wird ein immenser Kraftakt, die Leerstände wieder interessant zu besetzen“

Sabrina Obermoser, Geschäftsführerin des City-Managements Rosenheim

Doch attraktive neue Mieter zu finden, scheint im Moment alles andere als einfach. „Es wird ein immenser Kraftakt, die Leerstände wieder interessant zu besetzen“, sagt Sabrina Obermoser, Geschäftsführerin des City-Managements. Bedenklich seien vor allem die altersbedingten Schließungen von Geschäften, deren Betreiber keine Nachfolger gefunden haben. „Tatsächliche Corona-Insolvenzen sind kaum dabei“, so Obermoser. Ob nun corona- oder altersbedingt: Leerstand bleibt Leerstand. „Die Innenstadt wird ihr Gesicht verändern. Aber wir werden nicht durch eine Geisterstadt wandeln“, ist sich Obermoser sicher.

Helfen könnte auch – wie immer wieder diskutiert, – leerstehende Ladenflächen in Büro- und Praxisflächen umzuwandeln. „Der Büroimmobilienmarkt kann als durchaus robust bezeichnet werden und findet auch in diesen Zeiten Abnehmer“, sagt Wüstenfeld. Ob die Gerüchte stimmen und das Geschäft in der Münchner Straße 27 schließt, dazu wollte sich der Sutor-Geschäftsführer nicht äußern.

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