Grüne und ÖDP sorgen sich

Nahversorgung in Rosenheim: Aggressivität der Kunden nimmt zu

Der Edeka-Markt in der Austraße 46 in Rosenheim. Dieser soll Mitte September 2020 schließen. Anwohner wollen sich mit einer Unterschriftenliste für den Erhalt des Supermarkt-Standorts einsetzen.
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Der Edeka-Markt in der Austraße 46 in Rosenheim hat Mitte September 2020 geschloßen. Anwohner wollen sich mit einer Unterschriftenliste für den Erhalt des Supermarkt-Standorts einsetzen.

Rosenheim - Die Stadt hat nach Ansicht der Grünen und ÖDP Nachholbedarf bei der Nahversorgung. Supermarktbetreiber berichten in dem Zusammenhang von der Zunahme der Agressivität gegenüber ihren Mitarbeitern.

„In unserer Stadt ist noch niemand verdurstet oder verhungert“, sagte Oberbürgermeister Andreas März in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus. Rosenheim sei weit von einer Unterversorgung entfernt. „Trotz allem ist es aber die Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass die Bürger ausreichend und bequem versorgt werden“, so März weiter. Wer in der Rosenheimer Innenstadt wohnt, hat wohl auch kein Problem mit der Nahversorgung, doch in anderen Stadtteilen sieht das schon ein wenig anders aus.

Nahversorgung in Rosenheim soll verbessert werden

Die Grünen und die ÖDP sehen in Sachen Nahversorgung für einige Stadtteile Nachholbedarf. „Im Norden haben wir ein Versorgungsproblem“, sagte Stadtrat Horst Halser (ÖDP) in der Sitzung. Er sprach von überfüllten Supermärkten und langen Fußwegen für die Kunden. Auch in der Erlenau und in der Kastenau sei die Versorgung schlecht. In der Kastenau gibt es nur einen Bäcker und in der Erlenau hat erst im September der Edeka-Markt geschlossen.

Die Grünen und die ÖDP forderten daher die Verwaltung auf, eine Liste von allen kleinen Lebensmittelnahversorgern in den verschiedenen Stadtteilen zu erstellen. Außerdem sollte mit den jeweiligen Geschäftsführern gesprochen werden, um über eventuelle existenzielle Probleme zu beraten und diese präventiv im Vorfeld zu erkennen.

Mitarbeiter werden teils aufs Übelste beschimpft

Daraufhin hat die Verwaltung Betreiber in Happing, in der Küpferlingstraße sowie der Innenstadt befragt mit dem Ergebnis, dass die Unternehmer mit der wirtschaftlichen Lage zufrieden seien. Während der Pandemie seien laut Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl fast alle Umsätze gestiegen. Wie die Betreiber jedoch der Verwaltung mitteilten, sei es schwierig Mitarbeiter zu finden, vor allem 450-Euro-Kräfte. Das liege vor allem daran, dass sich viele nicht dem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen wollten. Auch die Aggressivität der Kunden habe in den vergangenen Monaten zugenommen. So hätten die Mitarbeiter berichtet, dass sie teils „aufs Übelste beschimpft werden“, wenn sie die Kunden an die Hygiene-Regeln erinnern.

Dennoch überwiegt das Positive. Peter Rutz, der Fraktionsvorsitzende der Grünen merkt hierzu an: „Es ist schön, zu sehen, dass wir gut dastehen.“ Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht (SPD) schlug vor, die Corona-Krise zu nutzen, um die vorhandenen Angebote zu überdenken, man könne beispielsweise einen Lieferservice anbieten. „Da kann man auch verschmerzen, wenn der Fußweg zum nächsten Supermarkt mehr als zwei Kilometer ist“, so Leicht. Stadträtin Maria Bichler (CSU) regte an, vor allem auf regionale Produkte zu setzen und diese besser zu vermarkten, was die Stadt mit der Onlineplattform „ThinkLocal Now“ bereits tut. Einzelhändler, Restaurants und Dienstleistungsanbieter können hier ihre Angebote digital präsentieren.

jb

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