Parkplätze: Nächste Runde

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Wo links der BMW verbotenerweise parkt, ist eine Ladefläche ausgewiesen. Dort wollte ein Gastronom Tische und Stühle aufstellen. Eine kneppe Mehrheit im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats lehnte dies ab.

Rosenheim - Eine knappe Mehrheit lehnte jetzt im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats eine weitere Gastronomiefläche im Freien in der Altstadt ab.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus der Samstagsausgabe des Oberbayerischen Volksblatts:

Parkplätze: Nächste Runde

Rosenheim - Manche haben es noch gar nicht wahrgenommen, aber Rosenheim hat eine richtige Altstadt mit Flair.

Nach vielen Jahren, in denen Baumaschinen das Bild an allen Ecken bestimmten, Straßen aufgerissen, Kanäle neu gebaut und Pflastersteine verlegt wurden, fügt sich alles zu einem harmonischen Bild. Einige Rosenheimer spazieren höchst verblüfft durch die Wein- und die Adlzreiterstraße. Das ist Rosenheim und nicht Regensburg oder vielleicht Passau? Die auswärtigen Besucher der Landesgartenschau, die über den Ludwigsplatz, durch das Färberviertel und hintenherum an der Burgermühle vorbei zum Mühlbachbogen geführt werden, ahnen nicht, wie es hier vorher ausgesehen hat: Enge, asphaltierte Straßen, zugeparkt, im Anschluss triste Industriebauten. Niemand wäre auf die Idee gekommen, hier einfach so spazieren zu gehen.

Schönheit weckt aber auch Begehrlichkeiten. Alle Gastronomen wollen jetzt Stühle und Tische nach draußen stellen. In endlosen Sitzungen haben sich die Stadträte schon mit dem Thema beschäftigt. Die einen kämpften um den Erhalt möglichst vieler Parkplätze, die anderen dagegen. Man traf sich etwa in der Mitte. Von 19 Parkplätzen fielen in der Wein- und Adlzreiterstraße 9 weg. Aber es kommen wieder neue Wünsche. Deshalb musste der Haupt- und Finanzausschuss erneut diskutieren.

Der Hofbräukomplex hat eine ansprechende Fassade. Davor gibt es, an der Einmündung zur Kaiserstraße, eine Ladezone. Sie ist besonders wichtig für Veranstalter, die den Hofbräusaal nutzen. Manchmal steht dort stundenlang ein Lastwagen. Der Blick ist dann versperrt, von innen für die Gäste eines Lokals, von draußen auf die attraktive Fassade. Der Gastronom, der das Lokal betreibt, hat beantragt, die Ladezone weiter nach hinten zu verlegen, dann könnte er auf der freiwerdenden Fläche Tische und Stühle aufstellen und Gäste bewirten. Drei Parkplätze würden dafür wegfallen.

OB traut sich nicht, wieder gegen eigene Fraktion zu stimmen

Protest kommt aus den Reihen der CSU: Der Fraktionsvorsitzende Herbert Borrmann befürchtet zusätzlichen Lärm im Quartier, wo Parkplatzsuchende und fröhliche Nachtlichter den Anwohnern schon jetzt die Ruhe rauben, und er befürchtet die schleichende Einführung einer Fußgängerzone. Sein "Nein" und das seiner CSU-Kollegen war so eindeutig, dass sich die Oberbürgermeisterin nicht mehr traute, für die neue Gastronomiefläche zu stimmen, obwohl sie es gern getan hätte. Gabriele Bauer bekundete überaus große Sympathie dafür. Doch sie hatte erst erst kürzlich, als es um die Einführung von Tempo 30 in der Hochfellnstraße ging, der eigenen Fraktion eine Niederlage bereitet. "Ich würde gern", signalisierte sie Richtung SPD, Grüne und WIR. Doch sie wahrte Fraktionsdisziplin.

Die SPD habe den Altstadtbereich immer schon parkplatzfrei haben wollen, betonte Andreas Lakowski. Bärbl Thum von der WIR beklagte, solange neben den Anliegerparkplätzen auch nur ein einziger Parkplatz für die Allgemeinheit angeboten werde, würden Autofahrer genau diesen ansteuern, um zu schauen, ob er frei ist und sinnlos endlose Runden drehen. Peter Rutz von den Grünen rühmte das "fast schon italienische Flair" der Altstadt. Nur die Autos würden stören.

Wie die Gastronomiefläche in der kühlen Jahreszeit genutzt werden solle, wenn niemand draußen sitzen mag, wollte Dezernent Hermann Koch als Verwaltungsmann wissen. Zum ständigen Parken könne man die Fläche nicht freigeben. Der Bereich sei zu eng, die Fußgänger würden auf die Straße gedrängt. Wenn kein Ladebetrieb herrscht, wird dort allerdings auch jetzt schon verbotenerweise geparkt. Kochs Frage musste jedoch gar nicht mehr beantwortet werden. Der Ausschuss stimmte mit 5:4 Stimmen gegen das Verlegen der Ladezone.

Die Diskussion ist noch nicht zu Ende

Versenkbare Poller, so meinte Gabriele Bauer, könnten vielleicht helfen, das Gebiet grundsätzlich nachts zu beruhigen und den Anliegern und Rettungsdiensten dennoch die Zufahrt zu gewährleisten. Damit, so versicherte Herbert Borrmann, könne er sich eventuell anfreunden. Ihm gehe es vorrangig um den Schutz der Anwohner, denen man versprochen habe, eine weitere Ausbreitung der Gastronomie in ihrem Viertel nicht zuzulassen. Wenn Poller dazu führen, dass nächtlicher Parksuchverkehr unterbleibt, sei dies eine Überlegung wert. Die Diskussion wird also weitergehen.

Oberbayerisches Volksblatt

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