Gegenseitige Rücksichtnahme eine Illusion? 

Rosenheims Radfahrer bekommen neue Schutzstreifen

Rosenheim - In der Inn-, Ebersberger- und Kaiserstraße soll die Sicherheit für Radfahrer verbessert werden. Das beschlossen die Stadträte am Dienstag.

Letztlich stimmten sämtliche Stadträte im Verkehrsausschuss für die Maßnahmen - wenn auch nicht ohne Bauchschmerzen. 

Antrag der Grünen für die Innstraße zugestimmt

Auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen ist eine neue Radverkehrsführung ab der Abzweigung "Am Innreit" bis zum Kreisverkehr am Ludwigsplatz vorgesehen. Konkret: Es wird ein Schutzstreifen auf die Fahrbahn eingerichtet. Zudem sollen werden neue Rad-Abstellmöglichkeiten entstehen. 

Es sei der Rückstau vom Kreisel, der vor allem auch für die Schulkinder auf dem Rad in der Innstraße gefährlich ist, so Franz Opperer von den Grünen. Die Konsequenz: "Viele Radfahrer weichen dann auf den schmalen Gehweg aus."

Lösung für die Kaiser- und Ebersbergerstraße gefunden

Größere Diskussionen gab es über den Schutzstreifen in der Kaiser- und Ebersbergerstraße zwischen Ellmaier- und Hofmillerstraße. Ein Ortstermin der Stadträte konnte die Christsozialen von der Notwendigkeit eines Schutzstreifens für Radfahrer überzeugen. 

"Bedauerlich" sei das, so CSU-Fraktionschef Herbert Borrmann. Es sei eigentlich irrwitzig, dass man nun breite Gehwege baue und die Radfahrer auf die Straße zwinge. Er habe "Bauchgrummeln" dabei, wenn dass die Radpolitik der Zukunft in Rosenheim sei. 

Ähnlich sieht es sein Fraktionskollege Dr. Thomas Huber. Zwar könne er sich mit der Lösung hier anfreunden, Bedenken gegen Schutzstreifen aber würden bleiben. Er wundere sich außerdem, dass Verkehrsexperten hierzulande so für Schutzstreifen werben. "Bei einem Urlaub in der Radmetropole Amsterdam im Herbst war ich ganz verwundert: Da gibt es viele neugebaute, befestigte Radwege. Offenbar haben die dort andere Experten..."

SPD-Stadtrat Abuzar Erdogan hielt dagegen: Auch die Rosenheimer Polizei warne vor einem direkten Übergang von einem Radweg auf die Straße. Genau das seien doch die Gefahrenpunkte, an denen Unfälle passieren. Er erinnerte an den schweren Unfall auf der Kufsteiner Straße Ende August.

Auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer warb für die Lösung Schutzstreifen: "Wir haben in Rosenheim viele enge Straßen, wo wir Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer und den Busverkehr unterbringen müssen." 

Dr. Huber (CSU): Rücksichtnahme eine Illusion

Vielleicht aber sollte man ein ganz neues Verkehrszeichen erfinden, so Bauer augenzwinkernd. Mit dem man an eine bessere Rücksichtnahme füreinander erinnere. Für Dr. Huber ist das aber Illusion. Er erlebe jeden Tag als Radfahrer Situationen, in denen er von Autofahrern übersehen werde. Bauordnungsamtleiter Michael Kettenstock ließ dieses Argument nicht gelten: "Das kann uns als Stadt doch nicht davon abhalten, regelkonforme Verkehrsführungen zu planen." 

Das zwar nicht, so der CSU-Stadtrat, aber das Gebot müsse sei, Verkehrsteilnehmer bestmöglich zu schützen. Für Grünen-Stadtrat Opperer ist deshalb die Reduzierung von Parkplätzen direkt an der Straße ein wichtiger Punkt. Aufgestoßene Autotüren seien für Radfahrer schließlich eine erhebliche Gefahr. Dezernent Herbert Hoch gab daraufhin zu bedenken, dass Radfahrer keine hindernisfreie Fahrt erwarten dürfen und ebenfalls umsichtig fahren müssen, etwa wenn ein Autofahrer ein- oder ausparken wolle.  

Die Verwaltung wird nun noch auf Anfrage von Erdogan prüfen, ob die Busbucht an der Ausfahrt zur Loretowiese zurückgebaut werden könne. Diese Haltestelle werde aus Sicht des Sozialdemokraten wenig genutzt. Es wäre somit ein Hindernis, das für die Radfahrer aus dem Weg geräumt werden könnte.

mg

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