Neue Krippenstandorte geplant

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Rosenheim - Viele Städte schrumpfen, Rosenheim wächst hingegen und lockt junge Familien an. Der Bau von Kinderkrippen hinkt dieser Entwicklung hinterher, aber: Neue Krippenstandorte sind geplant!

Dass für ein Drittel der Kinder ab 2013 ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz besteht, bringt die Stadt in gewaltige Nöte. Jetzt werden neue Standorte diskutiert. Es sollen mindestens zehn Gruppen mit 120 Plätzen neu entstehen.


Für 171 Kinder unter drei Jahren lässt sich nach derzeitigem Stand im Herbst der Wunsch auf einen Betreuungsplatz nicht erfüllen. Die Erfahrung zeigt zwar, dass etwa die Hälfte der Eltern einen Rückzieher macht, wenn es wirklich soweit ist. Aber auch dann würden 86 Plätze fehlen.

Den Eltern und Kindern, die jetzt betroffen sind, nützt es nichts, dass die Stadt in den letzten zehn Jahren enorme Anstrengungen unternommen hat. 1999 standen gerade einmal 24 Plätze zur Verfügung, vor allem für die Beschäftigten im Klinikum. Inzwischen gibt es 198 Betreuungsplätze für die Kleinsten, in Kinderkrippen, Kindergärten und bei Tagesmüttern. Allein seit 2007 sind 60 Krippenplätze hinzugekommen.


Noch selten war die Atmosphäre im Jugendhilfeausschuss so angespannt wie bei dieser Diskussion. Vertreter der SPD, der Grünen und der WIR warfen der Oberbürgermeisterin vor, viel zu spät zu reagieren. WIR-Stadträtin Bärbl Thum hielt der Stadt vor, sie habe sich beispielsweise beim Entstehen des Baugebiets Mitterfeld um einen Kindergarten- und Krippenstandort gedrückt, mit Hinweis auf die Einrichtungen in der Gluck- und der Hailerstraße: „Und heute ist da alles belegt. Die jungen Familien in Mitterfeld wissen nicht, wohin mit den Kindern.“

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer verteidigte das Vorgehen der Stadt. Niemand habe die gesellschaftliche Entwicklung voraussehen können: „Jahrelang kam doch zum Ausdruck, dass Kinder unter drei Jahren zu den Eltern gehören. Dies war das gängige Familienbild.“ Natürlich bringe das im September 2008 unter der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen erlassene Betreuungsgesetz die Stadt in Bedrängnis. Es besagt, dass ab 2013 für ein Drittel der Kleinkinder ein Krippenplatz garantiert sein muss. Die Kommunen würden so etwas einfach vorgesetzt bekommen und müssten es durchführen.

Genau im Auge behalten will Bauer, wie Kindergärten mit der Möglichkeit umgehen, Kinder unter drei Jahren aufzunehmen. Für diese Kinder gibt es mehr Geld als für die normalen Kindergartenkinder, was nicht dazu führen dürfe, dass Kinder im üblichen Kindergartenalter zurückstehen müssen, warnte die OB.

SPD-Stadträtin Elisabeth Jordan warf nicht nur der Staatsregierung vor, Mittel, die für Krippen vorgesehen waren, zurückgehalten zu haben. Auch die Stadt habe im Haushalt 2009 einen für Krippen eingestellten Posten von 100.000 Euro gestrichen.

„Wohnortnah und so rasch wie möglich“

Zudem erklärte der evangelische Pfarrer Michael Markus, als die Gemeinde der Apostelkirche sich im letzten Jahr bereiterklärte, eine neue Krippengruppe einzurichten, habe es geheißen: „Kein Bedarf“. So etwas lässt sich nach Bauers Worten leicht erklären. Bei Krippen sei es besonders wichtig, dass sie wohnortnah eingerichtet werden. Es könne also durchaus sein, dass die Zahl der Kinder in einem Stadtteil abnehme, während in einem anderen dringender Bedarf an Krippenplätzen herrsche: „Und dann gehören diese Plätze eben auch genau dorthin.“

CSU-Stadträtin Ursula Meishammer brach angesichts dieser Vorwürfe eine Lanze für die Verwaltung. Die Rosenheimer Jugendhilfeplanung gelte als exzellent, das erfahre sie immer wieder, wenn sie Kontakte zu anderen Städten habe.

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern des Stadtrats, der freien Träger und der Verwaltung, wird sich nun des Themas annehmen, um die Planungen so rasch wie möglich umzusetzen. „Im Rahmen der Möglichkeiten“, fügte die OB mit Blick auf die städtischen Finanzen an.

Neue Krippenstandorte geplant

In den nächsten Jahren will die Stadt mindestens zehn neue Krippengruppen schaffen. Eine Planungsgruppe wird sich mit den Details beschäftigen. Über folgende Standorte wird diskutiert, ohne dass die Realisierung schon feststeht.

  • 2010/11: Krippe Klinikum mit zusätzlichen Gruppen.
  • 2010/11: Krippe an der Gaborhalle mit vier neuen Gruppen. Hiermit soll vor allem der Betreuungsbedarf in der ganzen Innenstadt gedeckt werden. Zudem wird der Bestand des Standorts Frühlingstraße geprüft.
  • 2010/11: Weiterhin geplant ist die Umwandlung einer Hortgruppe in eine Krippengruppe in der Endorferau/ Villa Kunterbunt durch Umsiedlung einer Hortgruppe in die Räume der ehemaligen Stütz- und Förderklasse.
  • 2011/12: Zwei Krippengruppen im Kinderheim Schöne Aussicht. Eine neue Kindergartengruppe und zwei Krippengruppen im Neubaugebiet Mitterfeld. In dieser Region sind bisher keinerlei Krippenplätze vorhanden. Erste Gespräche mit der GRWS über die Integration eines Krippen-/ Kindergartengebäudes im Baugebiet Mitterfeld haben bereits stattgefunden.
  • 2011/12: Mindestens zwei neue Krippengruppen im Bereich um die Finsterwalderstraße, dies auch vor dem Hintergrund der Neubebauung durch die GRWS. Weiterhin möglich wäre ein Krippenprojekt aus Sicht des Fachamtes der Stadt in der Pürstlingstraße im Bereich der Tennisplätze, alternativ im Kinderheim Schöne Aussicht. Hiermit würde dann der gesamte Einzugsbereich rund um St. Michael, Christkönig, Unterfürstätt mitversorgt werden können.
  • Nach 2013: Grundsätzlich wird ein städtisches Grundstück am Kiebitzweg als geeignet angesehen.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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