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Viele Menschen bei Infoveranstaltung im Kuko

Angst vor einem erneuten Hochwasser bleibt: Oberwöhrer hinterfragen geplante Bebauung

Im Jahr 2013 waren viele Häuser und Straßen im Rosenheimer Stadtteil Oberwöhr überflutet.
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Im Jahr 2013 wurden viele Häuser und Straßen im Rosenheimer Stadtteil Oberwöhr überflutet.

Die verheerenden Bilder vom Hochwasser in Westdeutschland, spülen auch bei den Oberwöhrern Erinnerungen hoch. Bei der Infoveranstaltung im Kultur- und Kongresszentrum haben viele Bürger die geplante Bebauung an der Krainstraße kritisiert. Aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Rosenheim – Überschwemmte Häuser, voll gelaufene Keller und Menschen in Lebensgefahr: Das verheerende Hochwasser im Westen Deutschlands geht auch an vielen Rosenheimern nicht spurlos vorbei. „Die Angst treibt uns um“, sagt Brigitte Plank. Sie wohnt in Oberwöhr, hat die Bilder vom Hochwasser 2013 noch ganz genau im Kopf, als sich eine braune Flut in das Rosenheimer Stadtviertel ergoss. Etliche Keller liefen voll, das Wasser stand im Erdgeschoss zahlreicher Häuser. Die Regenfälle der vergangenen Tage in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz spülen auch bei ihr Erinnerungen hoch. „Gutachten sind Gutachten. Aber sie nehmen uns nicht das Gefühl, dass mit der Bebauung mehr Gefahr auf uns zukommt“, sagt Plank.

Rund 100 Teilnehmer online und vor Ort

Sie war eine von rund 60 Bürgern, die an der zweieinhalbstündigen Infoveranstaltung zum Baugebiet in Oberwöhr teilnahmen. Weitere 40 schalteten sich von zu Hause zu und verfolgten die Gespräche per Livestream. Wie berichtet sollen an der Krainstraße 166 Wohneinheiten für knapp 400 Einwohner entstehen.

In der Vergangenheit hatten die Bürger nicht nur kritisiert, dass sich durch die geplante Bebauung die Hoch- und Grundwassersituation verschlechtern könnte, sondern auch die Zunahme des Verkehrs sowie die fehlenden Kitaplätze. Und auch die Art und Weise stößt bei vielen auf Unmut. So kritisierte beispielsweise Wilfried Heuschneider, Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet Oberwöhr“, das fehlende Mitspracherecht.

Verantwortliche aus der Stadtverwaltung und zahlreiche Gutachter

Es war nur eine von zahlreichen Wortmeldungen an diesem Abend, die die Verantwortlichen versuchten, zu beantworten oder gar aus der Welt zu schaffen. Mit dabei waren neben Oberbürgermeister März unter anderem der Leiter des Baudezernats Levente Sárközy, Axel Fröman vom Stadtplanungsamt, Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt sowie vier Gutachter aus dem Bereich Wasser und Verkehr.

Die Veranstaltung moderierte Markus Weinkopf, der bereits bei der ersten Infoveranstaltung für einen geregelten Ablauf gesorgt hatte. Er fasste zusammen, hinterfragte und gab die Einwände an die zuständigen Personen weiter.

Wer gibt Gutachten in Auftrag?

So wollte einer der Teilnehmer beispielsweise wissen, wer die Gutachten in Auftrag gibt und wer die Einwände der Bürger, die in den vergangenen Monaten bei der Stadtverwaltung eingegangen sind, bearbeitet. Levente Sárközy, der erst seit März das Baudezernat leitet, sagte, dass sich – anders als von den Teilnehmern angedeutet – nicht der private Investor, sondern die Verwaltung selbst um die Anliegen der Bürger kümmere.

Er bestätigte, dass die ersten Gutachten von besagtem Investor in Auftrag gegeben worden seien. Das sei zum einen „nicht unüblich“ und würde zum anderen nicht bedeuten, dass es sich um „Gefälligkeitsgutachten“ handele.

Mögliche Bebauung auf „Kirchenwiese“ aus Acht gelassen

Die Bürger interessierte zudem, ob in die Gutachten auch eine mögliche Bebauung auf der „Kirchenwiese“ eingeflossen sei. Das verneinte Sárközy. Der Auftrag sei gewesen, lediglich den Bereich zu untersuchen, auf dem die 166 Wohneinheiten entstehen sollen. „Wenn nur die eine Wiese begutachtet wird, ist das Ergebnis natürlich ein anderes, als wenn man die Gesamtfläche untersucht“, kritisierte Heuschneider.

Kita-Plätze und Verkehr

Ein großes Thema waren auch die durch die Bebauung notwendigen, zusätzlichen Kita-Plätze sowie die Verkehrszunahme. „Wir haben aktuell schon zuwenig Betreuungsplätze“, kritisierte eine Zuschauerin. Oberbürgermeister erinnerte daran, dass seine Verwaltung bereits an einer Lösung arbeite. Ein Verkehrsgutachten habe zudem ergeben, dass es die zusätzlichen Autos „keine unzumutbaren Auswirkungen“ auf die Bewohner hätten.

Bund Naturschutz ist gegen das Vorhaben

Steffen Storandt vom Bund Naturschutz, der ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm, sprach sich gegen die geplante Bebauung aus. Er erinnerte an die „Beinahe-Hochwasser“ der vergangenen Jahre, sagte, dass jeder Retentionsraum genutzt werden müsste, unter anderem eben auch die Wiese an der Krainstraße.

Holderer vom Wasserwirtschaftsamt machte in diesem Zusammenhang noch einmal deutlich, dass Oberwöhr nach dem Ausbau des Hochwasserschutzes in den vergangenen Jahren nicht mehr im Überschwemmungsgebiet liege. Er sehe deshalb keinen Grund, der gegen eine Bebauung spreche. Zumal die Gutachten auch deutlich gezeigt hätten, dass es durch die geplanten Wohneinheiten zu keiner Verschlechterung für die bestehenden Häuser komme.

Subjektive Ängste nicht mit objektiven Fakten widerlegen

„Natürlich wird Oberwöhr immer Probleme mit dem Wasser haben, wenn es eine Woche lang geregnet hat. Aber das liegt dann nicht an der Bebauung“, sagte März. Er wisse, dass er „die subjektiven Ängste der Bürger durch objektive Fakten nicht wiederlegen kann“. Trotzdem hoffe er darauf, dass er die Bürger bei der „Stadtentwicklung mitnehmen kann“.

Bis Donnerstag, 16. September, liegen sowohl der Bebauungs- als auch der Flächennutzungsplan im Rosenheimer Rathaus aus. Bis dahin können die Bürger ihre Stellungnahmen formulieren. Die Infoveranstaltung kann auf der Homepage der Stadt erneut angesehen werden.

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