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Spektakel findet immer mehr Anhänger

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Da gehört schon Mut dazu, den wilden Kerlen den Rücken zuzuwenden - andererseits sieht man sie dann auch nicht...

Rosenheim – Gruseln kann Spaß machen: Über 800 Besucher kamen zu einem schaurigen Spektakel in die Kastenau. Beim Kajak-Klub traten vier Perchten- und Krampusgruppen auf.

Bekleidet mit Holzfratzen, Tierfellen und schweren Glocken weihten sie die Besucher in ein uraltes, alpenländisches Brauchtum ein, das sich in der Region aber erst seit einigen Jahren ausbreitet.

Im vergangenen Jahr fand auf dem Gelände des Kajak- Klubs ein Perchtenlauf statt. Schon damals war die Resonanz groß; darum entschlossen sich die Organisatoren - neben dem Kajak-Klub der Burschenverein Kastenau und "DGriabigen" -, die Zahl der teilnehmenden Perchten und Krampusse weiter aufzustocken.

"Wer heiratet, wird entlassen"

Drei Gruppen kamen heuer aus Bad Reichenhall, eine aus Raubling. Sie alle existieren noch gar nicht so lange und bestehen überwiegend aus jungen Burschen. "Das will die Tradition so. Wer heiratet, wird von den Perchten aus dem Dienst entlassen", erzählt dazu Christian Berger. Der 22-Jährige ist Vorstand des 2001 gegründeten "Wörgötter Pass" aus Bad Reichenhall. 38 Mitglieder gehören mittlerweile der Gruppe an. Ihre riesigen Holzmasken sind beeindruckend. Sie werden nach alten Vorbildern mit aufklappbaren Mäulern angefertigt. 500 bis 600 Euro muss man für so eine Maske investieren. Sie wiegt etwa ein Kilogramm. Hinzu kommen noch Schaffelle und Glocken. "Damit schleppen wir bei unseren Auftritten so um die sechs Kilogramm und mehr stundenlang mit uns herum", sagt Berger.

So bekleidet, "stürzten" sich die Perchten dann auch bei ihrem Auftritt in der Kastenau unter die Besucher, tanzten wild um ein Feuer, färbten viele Gesichter schwarz, zersausten Haare, warfen Mützen zu Boden und teilten manchmal auch mit ihren Ruten und Ross-Schwänzen leichte Schläge aus. Mit kleinen Kindern gingen sie noch sehr behutsam und eher liebevoll um. Jugendliche und Erwachsene mussten aber auch damit rechnen, etwas gröber in den Schnee gezerrt zu werden. Auch das weibliche Geschlecht wurde dabei nicht verschont. "Natürlich darf der Spaß dabei nie zu weit gehen. Wir wissen, wo die Grenzen sind", wird der Vorstand des "Wörgötter Pass" nicht müde zu betonen. Ihm sei wichtig, den Menschen die Angst vor diesen Schauergestalten zu nehmen: "Sie gelten im Volksmund immerhin auch als glücksbringendes Omen."

Berger hat sich sehr in die Entstehung dieses alten Brauches eingearbeitet. Hauptsächlich hätte man Perchten früher im alpenländischen Raum angetroffen, allerdings ausschließlich in den Raunächten, also zwischen 24. Dezember und 6. Januar. Perchten zogen zu dieser Zeit durch das Land, "erweckten" die Natur aus ihren Winterschlaf und führten "unrecht Schaffende" einer Bestrafung zu. Früheste Aufzeichnungen über den Brauch finden sich in Schriften des 15. Jahrhunderts. Im 17. und 18. Jahrhundert versuchte die Kirche, den heidnischen Brauch zu verbieten. Ganz von Erfolg gekrönt war der Versuch aber nicht.

Die Perchten und "Kramperl" konnten sich gebietsweise halten, vorwiegend aber eher in Österreich. In unserer Region werden diese Schreckensgestalten erst seit einigen Jahren vermehrt in der Weihnachtszeit gesichtet. "Brauchtum ist doch nichts, was ständig gleich bleibt. So etwas wächst eben mit der Zeit und dehnt sich dann auch aus. Dagegen kann es eigentlich nichts einzuwenden geben", meint dazu "Perchtenchef" Berger. Er stelle immer wieder fest, dass sich die Menschen mehr nach Spiritualität und auch nach Fabelwesen sehnten. Der 22-jährige Matthias Osterholz "verwandelt" sich seit sechs Jahren regelmäßig in der Weihnachtszeit in eine Perchte. "Als Kind habe ich noch Angst vor dem Krampus gehabt und jetzt ziehe ich selbst als Schauergestalt los. Das ist schon lustig", meint der junge Reichenhaller. Er genieße seine Auftritte sehr. "Wenn ich die Maske aufsetze, bin ich sofort eine ganz andere Persönlichkeit", erzählt er. Furcht und Schmerzen wolle aber auch er keinesfalls bereiten: "Wir treiben nur symbolisch das Böse aus und bringen Glück".

Kinder: Perchten und Kramperl sind "toll"

Besonders die Kinder fanden den Auftritt der Perchten und "Kramperl" in der Kastenau durchwegs "toll". Einige versteckten sich zwar immer wieder mal kurz hinter ihren Eltern oder hielten deren Hände die ganze Zeit fest umklammert. Doch es gab auch ganz mutige Kinder, die den schaurigen Gestalten tapfer entgegentraten. Ein neunjähriger Bub bekam für so viel Mut von einem Perchten anerkennend dessen Rute überreicht. "Die hänge ich mir in meinen Zimmer auf", meinte der Kleine stolz auf dem Heimweg: "Damit muss ich jetzt vor gar nichts mehr Angst haben."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

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