Planung kommt unter die Lupe

OVB
+
So sah es 1929 beim Neubau der Häuser im Bereich Weinlände aus. Das Bild stammt aus der Stadtchronik "Rosenheim - Geschichte und Kultur".

Rosenheim - Aufruhr im Weinlände-Viertel: Neubauten der Rosenheimer Wohnbaugesellschaft GRWS für das Projekt "Mehrgenerationen-Wohnen" stoßen nicht nur wegen der Gestaltung auf Skepsis.

Mieter fürchten weitere Veränderungen in den kommenden Jahren und damit einhergehend ihre Kündigung. Der Stadtrat sprach sich nun mehrheitlich für das Neubau-Projekt aus. Allerdings kommen die Planungen noch einmal gründlich unter die Lupe. Wie ausführlich berichtet, hatte die Rosenheimer Wohnbaugesellschaft (GRWS) Häuser vor acht Jahren damit begonnen, ihre Reihenhäuser am Tulpenweg leerstehen zu lassen, wenn Mieter auszogen. Die GRWS hält diese Häuser, unter anderem wegen der geringen Breite von 4,70 Meter, für nicht mehr zeitgemäß. Mit dem letzten noch verbliebenen Mieter glaubte sich die GRWS auf einen Umzug im selben Viertel einigen zu können. Der 80-Jährige und seine Frau kämpfen jedoch um den Verbleib in ihrer Wohnung.

Die Stadt hatte zunächst für das gesamte Viertel einen Bebauungsplan vorgesehen, lässt diesen aber derzeit ruhen, weil Hausbesitzer fürchteten, in ihrer Gestaltungsfreiheit eingeschränkt zu werden. Dort, wo zwei Doppelhäuser und zwei Vier-Famililenhäuser der GRWS stehen, hatte der Bebauungsplan eine intensivere Bebauung vorgesehen. Deshalb argwöhnen diese Mieter, die GRWS werde ihr Versprechen, nur zu sanieren und sonst alles beim Alten zu belassen, nicht einhalten. Joachim Seethaler, der technische Leiter, versichert weiterhin, es sei nicht daran gedacht, diese Häuser abzureißen.

SPD für Projekt am Mühlbachbogen

Im Mittelpunkt einer von SPD und WIR beantragten Sondersitzung des Stadtrats standen die Häuser am Tulpenweg, an deren Stelle die GRWS das Projekt "Generationenübergreifendes Wohnen" plant, für das sich schon rund 20 Interessenten zusammengefunden haben.

Viele Bewohner des Viertels fordern, die geplanten Neubauten zu verkleinern, einige wenden sich komplett gegen den Abriss der Reihenhäuser. Im Stadtrat räumte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ein, nach dem Verlauf der bisherigen Planungen seien "Irritationen" verständlich. Allerdings würden Veränderungen in der Bevölkerung oftmals skeptisch aufgenommen.

Für die SPD kritisierte deren Fraktionsvorsitzende Gabriele Leicht, die Geschäftsführung der GRWS habe nicht einmal den Aufsichtsrat umfassend über die Planungen informiert. Die Situation im Quartier Weinlände sei nun so verfahren, dass die SPD einen anderen Standort für das "Generationenübergreifende Wohnen" bevorzuge, nämlich den Mühlbachbogen. Dieser jetzt von der Landesgartenschau belegte Bereich solle später ja ohnehin bebaut werden. Dem erteilte der CSU-Fraktionsvorsitzende Herbert Borrmann sofort eine Absage. Die Gestaltung des Mühlbachbogens sollte man aus seiner Sicht dem angekündigten Wettbewerb überlassen.

Eine Chance, alle Betroffenen zu Wort kommen zu lassen, sehen die Grünen nur darin, das Bebauungsplanverfahren wieder aufzunehmen. Der Stadtverwaltung und der GRWS warf der Fraktionsvorsitzende Franz Lukas vor, durch ungeschicktes Verhalten eine Situation geschaffen zu haben, die alle vor den Kopf stoße. WIR-Stadträtin. Bärbl Thum entdeckte dann noch in den für die Sitzung aufgelegten Unterlagen falsche Angaben über angeblich erfolgte Abstimmungen im Aufsichtsrat, was zu erneuter Kritik führte. Für ihren Vorschlag, den Charakter des Gebietes als "Gartenstadt" per Satzung festschreiben zu lassen, fand sich aber keine Mehrheit.

Republikaner Hans Rass plädierte für eine Sanierung der Reihenhäuser: "Ffür die Sanierung der Kaltenmühle will man ja immerhin auch Geld aufbringen." Für die Freien Wähler/UP bezweifelte Robert Multrus, dass eine solche Sanierung wirtschaftlich vernünftigt sei. Ein Verkauf sei ur "im Paket" sinnvoll, und dafür einen Interessenten zu finden, sei äußerst unwahrscheinlich.

Herbert Borrmann verteidigte das Vorgehen der GRWS. Die Häuser nach und nach leerstehen zu lassen, sei die einzige Möglichkeit gewesen, auf die Mieter Rücksicht zu nehmen. Sein Fraktionskollege Josef Gasteiger wies darauf hin, die rot-grüne Bundesregierung habe Zeitmietverträge im Prinzip verboten.

Tendenz: Geplante Bebauung kleiner

Mit 26:8 stimmte der Stadtrat zum Schluss dem Projekt "Mehrgenerationen-wohnen Pettenkoferstraße/Tulpenweg" im Grundsatz zu. Deutlich wurde jeodoch die Tendenz, den Umfang der Bebauung zu verkleinern.

Für das letzte noch verbliebene Mieterpaar der zum Abriss vorgesehenen Häuser am Tulpenweg halte man nach wie vor, und zwar im Tulpenweg selbst, ein ähnliches Ersatzhaus bereit, versichert Joachim Seethaler (siehe auch Kommentar auf Seite 15 "Auf die Finger schauen").

bi/Oberbayerisches Volksblatt

Kommentare