Nichts für schwache Nerven

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Fast unheimliche Stille herrscht in den Prüfungsräumen der Gymnasien, so wie hier am Finsterwalder-Gymnasium in Rosenheim. 750 Schüler in Stadt und Landkreis Rosenheim schreiben derzeit ihr Abitur.

Rosenheim/Landkreis - Die Nerven liegen blank, die Stimmung ist angespannt. An den acht Gymnasien in Stadt und Landkreis Rosenheim wurde die heißeste Phase des Jahres eingeläutet: die Abiturprüfung.

Rund 750 Schüler - 300 in der Stadt, 450 im Landkreis - kämpfen derzeit für ihr Abitur. Mehrere Monate lang haben sie sich darauf vorbereitet.

Wiederholen, üben, vertiefen: Die letzten Monate waren anstrengend und stressig. Allein die Vorbereitung auf das Abitur stand im Mittelpunkt des Unterrichts in den 13. Klassen der Gymnasien. Der Startschuss für die heißeste Phase des Jahres fiel am vergangenen Freitag mit den Grundkurs-Prüfungen. Hier mussten alle durch - zur gleichen Zeit.

Die meisten Abiturienten sind froh, dass sie den Anfang hinter sich haben. So auch Florian Höhensteiger aus Rosenheim-Langenpfunzen. "Es war zwar anstrengend, aber mir ist es relativ gut gegangen", sagt der 19-Jährige, der gerade seinen Abschluss am Finsterwalder-Gymnasium in Rosenheim schreibt.

Weiter geht es jetzt mit den Leistungskursen. Bis zum 22. Mai muss jeder Abiturient nochmal zwei Prüfungen ablegen. Streng bewacht sitzen die Prüflinge dann einen ganzen Vormittag lang im Klassenzimmer. Stundenlang ist es fast unheimlich still, zwei Lehrer kontrollieren in wechselnden Schichten das Geschehen im Prüfungsraum, auf die Toilette geht es nur in Begleitung oder mit vorheriger Unterschrift.

Schüler und Lehrer zeigen sich bisher meist zufrieden. "Es läuft alles bestens", sagt Rainer W. Janka, Studiendirektor am Ignaz-Günther-Gymnasium (IGG) in Rosenheim. "Wir sind zuversichtlich, dass es alle schaffen", so Janka. Geklagt hätten einige Prüflinge nur über die Fragen im Fach Deutsch. "Mit den Themen waren einige nicht sehr glücklich", weiß er. Ein "besonderer Tag" wartet auf das IGG am 22. Mai: Hier wird der Leistungskurs Latein - eine Seltenheit im Landkreis - geprüft.

Ein erstes Aufatmen ist auch in Bad Aibling zu vernehmen: "Die Aufgaben waren angemessen und gut ausgewählt", so Werner Fiebig, Schulleiter des Gymnasiums in der Kurstadt. "Die meisten sind entspannt", weiß auch Kathrin Hörmann-Lösch, Schulleiterin des Gymnasiums in Raubling. Ähnliche Situation auch am Finsterwalder-Gymnasium in Rosenheim. "Jeder Schüler, der eine Prüfung abgeschlossen hat, ist froh", sagt Schulleiterin Lisa Hauzenberger-Recher. Auffallend sei heuer, dass in naturwissenschaftlichen Fächern, wie Chemie und Biologie, viele Tabellen und Grafiken in den Aufgaben vorkämen. Das koste viel Zeit, kritisiert Hauzenberger-Recher.

Ende Mai steht das Colloquium - die mündliche Prüfung - im Fahrplan der Abiturienten. Jeder, der sich in seinen beiden Leistungskursen noch verbessern will, hat im Juni eine weitere Chance dazu. Die Entlassung aller 32.000 Abiturienten in Bayern findet am Freitag, 26. Juni, statt.

Heuer schreibt der drittletzte Jahrgang des neunjährigen Gymnasiums seinen Abschluss. In zwei Jahren steht der sogenannte doppelte Abiturjahrgang an. Die Abiturprüfungen des neun- und achtjährigen Gymnasiums finden mit kurzer zeitlicher Versetzung statt. Diese Entzerrung soll die Organisation der doppelten Prüfung erleichtern.

Die Schulen müssen sich jetzt bereits intensiv mit den Neuerungen, die das G8 mit sich bringt, auseinandersetzen. Denn im September startet der erste G8-Jahrgang in die neue "bayerische gymnasiale Oberstufe". Die alte Kollegstufe gibt es dann nicht mehr, das System mit Grund- und Leistungskursen wird aufgeweicht; stattdessen stehen neue "P-Seminare" (Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung) und "W-Seminare" (Wissenschaftsvorbereitender Kurs) auf dem Stundenplan.

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