Herzpatienten verunsichert

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Rosenheim - Herzkrank! Wie geht es weiter? Das fragen sich immer mehr Patienten.

"Derzeit ist eine deutliche Verunsicherung unserer Herzpatienten bezüglich der weiteren Therapie nach der Diagnose einer Kranzgefäßerkrankung zu spüren", berichtet der ärztliche Leiter des Herzkatheterlabors am Klinikum, Oberarzt Dr. Martin Morgenstern. Die Ursache dafür sieht er in Veröffentlichungen mit verschiedenen Interpretationen, insbesondere zweier großer klinischer Studien, die im letzten Jahr erschienen sind. Die sogenannte Courage-Studie, die eine rein medikamentöse Therapie mit der Stent-Implantation verglichen hat, und die Syntax-Studie, die die Gleichwertigkeit der Stent-Behandlung mit der Bypass-Chirurgie zeigen sollte. "Beide Studien spiegeln aber nur zu einem sehr geringen Teil die Patienten wider, mit denen wir es täglich zu tun haben. Wir sind noch sicherer, dass wir bei unseren Patienten auch mit unserer bisherigen Strategie richtig gelegen sind", betont der Kardiologie.

Patienten mit einer chronisch stabilen Herzkranzgefäßerkrankung, die über einen längeren Zeitraum unveränderte Symptome aufweisen, könnten sowohl medikamentös als auch mit Bypassen oder Stents behandelt werden. "Bei Herzinfarkt-Patienten ist die akute Stent-Implantation in nahezu allen Fällen angezeigt und oftmals lebensrettend", erklärt der Morgenstern. Patienten mit einer oder wenigen Herzkranzgefäßverengungen könnten in aller Regel mit Stents behandelt werden. Bei Verengungen der linken Hauptkranzarterie oder diffusen Veränderungen im gesamten Koronarsystem sei meist eine Bypass-Operation erforderlich.

Morgenstern erläutert: "Nur in Einzelfällen - das betrifft Patienten der Syntax-Studie - sind beide Verfahren gleichwertig. Hier stehen dann der wesentlich belastenderen Bypass-Operation eventuell häufigere Folgeeingriffe bei der Stentbehandlung gegenüber." Die Auswahl des Verfahrens ist dabei für jeden Patienten individuell und richtet sich nach Lokalisation und Erscheinungsbild der Verengungen. Am Klinikum wurden im vergangenen Jahr 2500 Patienten in den beiden Herzkatheter-Laboren untersucht und behandelt. Bei 570 Patienten wurden dabei Stents implantiert, bei 300 Patienten wurde eine Herz-Operation veranlasst. Bildgebende Verfahren, wie die Computertomographie, könnten in Einzelfällen eine Herzkatheteruntersuchung ersetzen, insbesondere wenn es um den Ausschluss einer Herzkranzgefäßerkrankung geht.

Weitere Fragen zu dieser Thematik beantwortet Morgenstern unter der Telefonnummer 080831/363115.

Ein Stent ist ein medizinisches Implantat, eine Endoprothese zur Offenhaltung von röhrenförmigen Strukturen wie Gefäßen, Speise- oder Luftröhre. Bypass und Stent Mit einem Bypass wird auf operativem Weg ein aufgetretenes Passagehindernis überbrückt. Dabei wird eine Verbindung mit dem Anfang der Engstelle (Stenose) bis zum Ende der Engstelle hergestellt.

Redaktion

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