100 Tage Caritas Jobcafé International

Lehmann: "Wir fahren auf Sicht!"

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Rosenheim - Am Mittwoch feierte das Caritas Jobcafé International in der Papinstraße sein 100-tägiges Bestehen. An einen gedeckten Tisch wurden Verantwortliche und Pressevertreter zu einer Konferenz geladen.

Am 27. Juli öffnete das Caritas Jobcafé International seine Türen für Flüchtlinge. Bei einer Schulung Anfang Juli konnten sich Interessierte über eine ehrenamtliche Tätigkeit im Jobcafé informieren. Acht aktive Ehrenamtliche konnte die Caritas so für ihr Projekt begeistern. "Optimal wären doppelt so viele, damit wir alle Aufgabengebiete ausreichend abdecken können", gesteht Petra Gäbelein, Mitarbeiterin im Jobcafé.

Zu einem sehr herzlichen Empfang lud die Caritas Rosenheim in das Jobcafé International. Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas eröffnet die kleine Runde an Geladenen mit einem Beitrag über die Integration von Flüchtlingen oder "Klienten", wie Gäbelein zu sagen pflegt.

Drei Jahre lang wolle die Caritas in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Rosenheim Stadt und dem Jobcenter Landkreis Rosenheim die Migranten in der Region bei der Arbeits- und Wohnungssuche unterstützen. Vor einem Jahr sei das Medieninteresse groß gewesen. Seitdem habe sich die Darstellung der Flüchtlingssituation stark gewandelt. "Man sieht kaum noch Bilder von Flüchtlingen in den Medien. Heute wird stattdessen öffentlich über Sicherheit und Integration diskutiert", stellt Lehmann fest.

Gut 3900 Migranten im Landkreis

Wenn ein Flüchtling in Deutschland ankommt, beantragt er zuerst Asyl und wird in eine Erstaufnahmeeinrichtung gebracht. Dann gilt er als AsylBEWERBER. Wenn der Asylantrag genehmigt wurde, was in manchen Fällen drei Jahre oder länger dauern kann, gilt er als AsylBERECHTIGTER oder anerkannter Flüchtling. Erst als Asylberechtigter hat er den Anspruch, an einem Deutschkurs teilnehmen zu dürfen. Auch der uneingeschränkte Zugang zum Arbeitsmarkt wird mit der Anerkennung erworben.

Man solle den Fokus darauf legen, dass man bereits im Landkreis und der Stadt untergebrachte Flüchtlinge gut betreut und integriert. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge sei seit Anfang 2016 konstant hoch bei etwa 3900 im Landkreis Rosenheim. Einzig die Anerkennungsstadien der einzelnen Migranten hätten sich verändert. Zwei Drittel der zwischen Mitte 40- und 80-jährigen Migranten, die vom Jobcafé betreut werden, seien Frauen.

Bezuschusst würde das Jobcafé von verschiedenen Geldgebern, unter anderem auch dem Jobcenter. Eigenmittel stünden im Zuge kirchlicher Zuschüsse zur Verfügung. Im Jahr 2015 betrugen diese 200.000 Euro. "Dadurch entsteht keine Verdrängung finanzieller Mittel für Einheimische.", versichert Lehmann. Leider seien die Zuschüsse jedoch sehr stark an Förderrichtlinien gebunden.

200 Flüchtlinge würden aktuell von einem Mitarbeiter betreut, optimal wäre es, wenn 80 Flüchtlinge auf einen Mitarbeiter fallen würden. Petra Gäbelein merkt an, dass zwei Hauptamtliche im Jobcafé beschäftigt seien. "Für am Ehrenamt interessierte Mitbürger bieten wir ab Oktober erneut eine Schulungsrunde an", verkündet sie.

Eindrücke vom "Jobcafé International"

 © amj
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Maria Schneider: "Am liebsten mache ich mit ihnen Deutsch"

Zusammen mit den Ehrenamtlichen (die für ihre Arbeit eine Aufwandsentschädigung erhalten) helfen sie den Migranten dabei, Lebensläufe oder eine Selbstauskunft für die Wohnungssuche zu erstellen. Auch zu Bewerbungsgesprächen und Wohnungsbesichtigungen begleiteten die Ehrenamtlichen die Flüchtlinge. Ein großes Problem sei, dass viele Vermieter wenn sie das Wort "Flüchtlinge" hören, eine Wohnungsbesichtigung von vornherein ablehnen würden.

Die bereits ehrenamtlich engagierte 71-jährige Maria Schneider ist von Beruf gelernte Buchhändlerin. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne. Einige Jahre verbrachte sie mit ihrem Mann aufgrund dessen Beruf im Ausland, unter anderem in Afrika. "Ich habe im Ausland nur gute Erfahrungen gemacht. Deshalb macht es mir Spaß mitzuhelfen", so Schneider. Ein Anliegen sei es ihr, dass ankommende Asylbewerber sofort nach ihrer Ankunft in der Bundesrepublik die Gelegenheit bekämen, einen Deutschkurs zu machen.

"Manche sind seit zwei Jahren hier und sprechen kaum Deutsch. Das erschwert die Verständigung." Um die Flüchtlinge bei der Sprachentwicklung zu unterstützen, ließe sie sie Formulare selbst ausfüllen, auch damit sie schreiben lernen. "Einige gingen in der Heimat nur sechs Jahre zur Schule", beklagt Schneider. Die Arbeit mit den Migranten bereite ihr viel Spaß, "am liebsten mache ich mit ihnen Deutsch."

Wie geht es weiter?

Armin Feuersinger, Geschäftsführer des Jobcenters Rosenheim Stadt, wollte sich unbedingt für die Integration der Flüchtlinge engagieren. "Wir wollten in ein Projekt einsteigen, das länger als ein Jahr andauert", sagt er. Es rentiere sich sonst nicht, findet Feuersinger. "Es hat sich angeboten, dass der Caritas Verband dieses Objekt bereits besaß und für die Nutzung bereitstellen wollte."

Ob und wie es nach Ablauf der drei Jahre mit dem Jobcafé weitergehen soll, weiß noch keiner. "Wir fahren auf Sicht", äußerte sich Lehmann dazu. Feuersinger habe sich zur Verbesserung der Kommunikation mit den Flüchtlingen und den Ehrenamtlichen jedenfalls vorgenommen, künftig regelmäßig Vertreter des Jobcenters in das Jobcafé zu schicken. Lehmann meint, dass es außerdem essentiell sei, Gemeinden und Kommunen verstärkt in die Flüchtlingspolitik mit einzubinden.

amj

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