Entwurf sorgt für "bisserl Magenschmerzen"

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Baukörper zu massiv: An den für den Vorbescheid beantragten drei Vollgeschossen für einen Neubau mit fünf Wohnungen in der Verdunstraße entzündete sich sowohl der Widerstand der Anlieger als auch des Bauausschusses.

Rosenheim - Aufgrund des demografischen Wandels werden dringend barrierefreie Wohnungen gebraucht. In der Endorfer Au sollen nun Altenwohnungen gebaut werden.

Es ist unbestritten, dass aufgrund der demografischen Veränderung der Bedarf für Altenwohnungen - also für barrierefreies Wohnen in spezieller Ausstattung - weiterhin steigt. Auf dem Grundstück in der Verdunstraße 6 in der Endorfer Au plant ein Bauherr den Abbruch eines bestehenden Wohnhauses und die Neuerrichtung eines Wohnhauses mit fünf Wohneinheiten, davon vier Altenwohnungen. Das geplante Nebengebäude beinhaltet zwei Garagen, einen Carport und Abstellräume. Für das Vorhaben hat der Bauwerber jetzt einen Vorbescheid beantragt.

Im Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschuss wurde nun der Aufriss des Gebäudes vorgestellt. Nach dem Maß der Grundstücksnutzung sei das Vorhaben zulässig. Gemäß der städtischen Stellplatzsatzung sind für die vier geplanten Altenwohnungen lediglich zwei Stellplätze nachzuweisen. Für die zusätzliche Wohnung im Dachgeschoss sind aufgrund ihrer Größe von über 100 Quadratmetern zwei weitere Stellplätze erforderlich, fünf Stellplätze sind nachgewiesen.

Widerstand: "zu groß, zu hoch"

Der Baukörper weist aufgrund zweier versetzter, flach geneigter Pultdächer drei Vollgeschosse auf, während die umgebende Siedlungsbebauung aus den 1930er-Jahren sowie spätere Neubauten bei maximal zwei Geschossen plus Dachgeschoss im Satteldach bleibt. Daran entzündete sich sowohl der Widerstand - "zu groß, zu hoch" - der Anlieger als auch der Mehrheit im Bauausschuss gegen die vorliegende Planung, die als zu massiv für das Ensemble empfunden wird. Die Anlieger, von denen einige die Sitzung verfolgten, befürchten zudem ein weiteres Zuparken der ohnehin engen Verdunstraße durch Besucherverkehr.

Wie die Bauverwaltung erklärte, betrage die Wandhöhe der Siedlungsbebauung sechs bis maximal sieben Meter, die Firsthöhe der Satteldächer maximal neun Meter. Der Neubau kommt auf eine Wandhöhe von acht und eine Firsthöhe von 9,2 Meter, was im Rahmen bleibe. Die beantragte Dachform sei ein Gestaltungselement und deshalb im Rahmen des Baugesetzbuches kein Kriterium des "Sich-Einfügens" und somit bauplanungsrechtlich zulässig.

Was wäre, wenn der Bauwerber keine Senioren als Mieter bekäme, dann ganz normal vermiete und somit das Baurecht zum Beispiel in der Stellplatzfrage aushebeln könne, lautete eine Frage aus dem Gremium. Bauoberrat Michael Kettenstock erklärte dazu, dass erstens der Begriff der "Altenwohnung" definiert sei und zweitens der Bauwerber erklärt habe, diese Eigenschaft der vier Wohnungen auch als Grunddienstbarkeit eintragen zu lassen.

Es soll umgeplant werden

CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann bekannte, bei dem Vorhaben "ein bisserl Magenschmerzen" zu haben, Andreas Lakowski von der SPD empfand die Wandhöhe als "untyp": "Das passt schlecht in die alte Siedlung." Auch Josef Gasteiger von der CSU äußerte Unbehagen: "Das stört die Siedlung. Lassen wir den Leuten dort die Luft zum Schnaufen statt zu sehr nachzuverdichten." So wiederholte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer den anfangs gemachten Vorschlag, einen Ortstermin anzuberaumen, nicht mehr und fragte stattdessen: "Soll umgeplant werden?" Das bejahte der Ausschuss einstimmig und lehnte damit die Erteilung des Vorbescheids ab.

hh

Was ist eine Senioren- oder Altenwohnung:

Eine Senioren- oder auch Altenwohnung ist eine abgeschlos:sene Miet- oder Eigentumswohnung mit spezieller Ausstattung und besonderen Einrichtungen für die Nutzung durch ältere Menschen - eventuell auch durch jüngere Behinderte. Neben der Ausstattung spielt auch die Wohnlage eine Rolle. Ein ausreichendes Betreuungsangebot zur Gewährleistung des selbstständigen Wohnens muss gesichert sein. Altenwohnungen können auch in einem Altenheim oder Seniorenzentrum angeboten werden.

Die Wohnungen müssen barrierefreie Zugänge haben, auch angrenzende Verkehrsflächen sollten stufenfrei zu erreichen sein. Bei mehrgeschossigen Gebäuden sind Fahrstühle Grundvoraussetzung, innerhalb der Wohnungen darf es keine Schwellen oder Niveauunterschiede geben. Für Türen, Rampen und Fahrstuhlanlagen ist die Norm DIN 18025 maßgebend. In den Sanitäreinrichtungen sollte zudem ausreichend Platz für Halte- und Stützvorrichtungen sein, ein bodengleicher gefliester Duschplatz ist zu bevorzugen.

Zur Ausstattung gehören neben einer Sprechanlage auch Notrufsysteme. Hausreinigung und Schneeräumung müssen gewerblich ausgeführt und ein Hausmeisterservice angeboten werden. Eine gute Wohnlage für Altenwohnungen ist durch nahegelegene Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen, eine Apotheke und Bushaltestellen gegeben.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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