Medizin für die Armen

Dr. Hans Georg Stohrer behandelt auf der Philippineninsel Cebu diejenigen, die sich keine medizinische Versorgung leisten können.re
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Dr. Hans Georg Stohrer behandelt auf der Philippineninsel Cebu diejenigen, die sich keine medizinische Versorgung leisten können.

Rosenheim - Der Arzt Hans Georg Stohrer praktiziert nicht nur in Rosenheim. Auch in Entwicklungsländern hilft er, so wie gerade erst auf den Philippinen.

Der Rosenheimer Arzt Hans Georg Stohrer engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich in der Hilfsorganisation "Ärzte für die Dritte Welt". Kürzlich ist er von der Philippineninsel Cebu zurückgekehrt. Zusammen mit anderen versucht er dort, die medizinische Versorgung der armen Bevölkerung zu gewährleisten.

Sieben Wochen war Stohrer im Rahmen des Projekts "German Doctors in Cebu" mit einem Kollegen auf der Insel unterwegs, in den Slums und auf Müllhalden, bei den Obdachlosen und den verarmten Fischern, in den Bergen bei den Eingeborenen und bei den Badjaos, die in Booten auf dem Meer leben.

Das Projekt, das aus Spendenmitteln finanziert wird, wurde 2004 ins Leben gerufen. "Um die Arbeit mit den einheimischen Mitarbeitern möglichst effektiv zu gestalten und um einen verantwortungsbewussten Einsatz der Spenden zu gewährleisten, reisen wir immer wieder nach Cebu, um die Projektarbeit kritisch zu überprüfen", berichtet Stohrer.

Wie auch die anderen Ärzte arbeitet er ehrenamtlich, ohne Bezahlung. Eine Apothekerin, ein Fahrer und eine Assistentin für das Tuberkulose- und Ernährungsprogramm unterstützen Stohrer und seinen Kollegen. Sie sind angelernte Hilfskräfte, die wenig verdienen.

Jeden Morgen fuhr die Gruppe, ausgerüstet mit Verbandszeug, Medikamentenkisten, Blutzucker- und Blutdruckmessgeräten, zu den Patienten. Am Tag versorgten sie 100 bis 120 Patienten, vorwiegend Kinder.

Das Spektrum der behandelten Krankheiten war dabei breit: Kinder sind vor allem von Unterernährung betroffen, ausgelöst durch Masern, Lungenentzündung, Durchfall, Wurmbefall und Tuberkulose. Die Erwachsenen leiden dagegen häufig an Diabetes und Bluthochdruck. "Wir können diese Krankheiten dank der Spendengelder mittlerweile gut behandeln, sodass auch die Zahl der Begleiterkrankungen, wie beispielsweise Schlaganfälle, stark zurückging", sagt Stohrer. Daneben versorgte er immer wieder Patienten, die an typischen Tropenkrankheiten leiden, wie Dengue-Fieber und Malaria.

Große Fortschritte im Bereich der hygienischen Einrichtungen erleichtern die Arbeit der Ärzte, weil dadurch weniger Krankheiten ausbrechen. Mittlerweile gibt es fast überall Strom, fließendes Wasser und Plumpsklos. Außerdem wurden Tiefbrunnen gebaut, die den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen. Ein großes Problem ist weiterhin mangelnde Zahnhygiene: Es fehlen Zahnbürsten und Zahnpasta, darum leiden viele der Patienten an Karies.

Auch die sozialen Einrichtungen machten in den letzten Jahren große Fortschritte. Dafür arbeitet "Ärzte für die Dritte Welt" mit "Kinder in Not" zusammen. Gemeinsam errichteten die Organisationen in fast jedem Ort Grundschulen, in denen die Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen sowie eine Fremdsprache lernen. Das soll ihnen den Weg aus der Armut ermöglichen.

Zu den größten Problemen zählt nach wie vor die Familienplanung. Die meisten Familien haben sehr viele Kinder, für die ihnen aber das Geld fehlt. Obwohl "Ärzte für die Dritte Welt" versucht, die Bevölkerung aufzuklären und Kondome verteilt, ist keine Besserung der Lage in Sicht: "Wir wurden sowohl von den katholischen Priestern, als auch von der Regierung eindringlich ermahnt, solche Aktionen in Zukunft zu unterlassen." Somit rückt das Ziel "Geburtenkontrolle" in weite Ferne. Das Spendenkonto von "Ärzte für die Dritte Welt" lautet 4888880 bei der EKK-Bank, Bankleitzahl 52060410.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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