Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“

Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ in Rosenheim.
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Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ in Rosenheim: Schautafel Geschäftsfrau.

Rosenheim - Im Rahmen der Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ in Rosenheim verdeutlichten Vorträge das oftmals unerklärliche Verhalten von Betroffenen.

„Es gibt nichts, was es nicht gibt.“ Mit diesen warnenden Worten begann die Rechtsmedizinerin Dr. Sybille Kraus ihren Vortrag „Erkennbarkeit und Dokumentation von Spuren häuslicher Gewalt„ im Rahmen der Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“.

Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ in Rosenheim: Schautafel Vergewaltigung.Im ärztlichen Alltag ist davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Patientinnen Gewalt erlebt haben. Der erste Schritt sei deshalb bei allen beteiligten Personen, die Gewalt zu erkennen und als Ursache von Verletzungen und Krankheiten zu begreifen. Vor einem überwiegenden medizinischen Fachpersonal erläuterte Frau Dr. Kraus die verschiedenen Arten von Gewalt mit den entsprechenden Verletzungen. Sie wies aber auch auf Krankheiten wie chronische Darm- und Beckenbeschwerden hin, die auf den ersten Blick in keinem Zusammenhang mit der erlebten Gewalt stünden, die aber durchaus darin ihre Ursache haben könnten.

Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ in Rosenheim: Schautafel Vergewaltigung.

Mit der ersten medizinischen Versorgung sollte unbedingt eine richtige Dokumentation einhergehen. Sie empfiehlt eine Ganzkörperuntersuchung, um auch „versteckte, kleine“ Verletzungen nicht zu übersehen. Alles sollte beschrieben werden, ohne jedoch zu interpretieren. Fotos mit einer Übersichts- und Detailaufnahme mit einem Maßstab (z.B. ein Lineal) und einer realistischen Farbwidergabe erleichtern später erheblich die Beurteilung. Proben, richtig entnommen, getrocknet und gelagert, können noch viele Jahre später als Beweismittel herangezogen werden.

 Wichtig sei aber immer, die Betroffenen sensibel anzusprechen und Unterstützung anzubieten; auch durch kompetente Fachstellen in Stadt und Landkreis Rosenheim mit guten Hilfsangeboten. Denn mit jeder erlebten Gewalt kann eine Traumatisierung der Opfer erfolgen.

 Über die Auswirkungen einer solchen Traumatisierung sprach die Diplom Sozialwissenschaftlerin Petra Hafele in ihrem Vortrag „Warum bleiben Frauen in Gewaltbeziehungen“ am 12. Februar. Der Vortrag fand so großes Interesse, dass die geplante Bestuhlung nicht ausreichte und jeder freie Fleck genutzt wurde, um Besuchern und Besucherinnen die Teilnahme zu ermöglichen. Mit praktischen Beispielen führte Petra Hafele die Interessierten durch die verschiedenen Stufen einer Traumatisierung bei häusliche Gewalt und zeigte dabei auf, dass die oft unverständlichen Reaktionen der betroffenen Frauen und Kinder eine notwendige Überlebendstrategie sei.

Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ in Rosenheim: Schautafel Alter.Bei wiederkehrender Gewalt in der Beziehung treten Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung auf. Angst, Scham, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit und Minderwertigkeitskomplexe bestimmen das Leben der Frauen und sie tun alles, um weitere Gewalt zu verhindern. Die Bedrohung ihres Lebens kann sogar dazu führen, dass sie sich mit ihrem Peiniger solidarisieren und ihn entschuldigen. Diese überlebenswichtige Anpassungsstrategie (Stockholm-Syndrom) kann zu einem festen und destruktiven Bindungsmuster werden. Hier ist es wichtig, dass immer wieder Hilfsangebote gemacht und die Erlebnisse „zurechtgerückt“ werden. Auch das Ansprechen und Nachfragen hilft, wenn auch nicht immer sofort.

Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“ in Rosenheim: Schautafel Alter.

Petra Hafele hat mit ihrem Vortrag Verständnis für das oft unerklärliche Verhalten der Frauen geweckt und viele Besucherinnen und Besucher in ihrer Arbeit und ihrem Engagement bestätigt.

Informationen über beide Vorträge können Sie bei der Gleichstellungsstelle der Stadt Rosenheim Tel. 08031/365 1046 erhalten.

Pressemitteilung Stadt Rosenheim

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