Rege Diskussionen beim 4. Rosenheimer Suchthilfetag

Cannabis legalisieren - Warum eigentlich nicht?

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Prof. Dr. Wodarz und Dr. Tobias Röther diskutieren über Cannabis-Legalisierung

Rosenheim - Die offiziellen Zahlen besagen, dass 1,4 Millionen Menschen im letzten Monat Cannabis geraucht haben. Im letzten Jahr waren es 2,8 Millionen und  bereits 13 Millionen Menschen in Deutschland haben jemals im Leben Marihuana konsumiert. Eine Frage beim 4. Rosenheimer Suchthilfetage war, warum die Droge nicht einfach legalisiert wird?

Sollte Kiffen legalisiert werden? Die Diskussion über eine geregelte Cannabis-Legalisierung rückt immer mehr in die Mitte der Gesellschaft. Gegenüber vorwärts.de fordert nun auch der SPD-Bundestagsabgeordnete und drogenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Burkhard Blienert ein Umdenken in der derzeitigen Drogenpolitik: „Wir müssen neue Wege in der Drogenpolitik beschreiten und endlich eine regulierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene ermöglichen. Aktuell überlassen wir das Feld dem Schwarzmarkt.“

Dass die Cannabis- Legalisierung längst kein Tabuthema mehr ist, wurde im Rahmen des 4. Rosenheimer Suchthilfetages kritisch diskutiert. Wird die Gefahr der Droge nicht ernst genug genommen? Prof. Dr. Wodarz, Leiter des Zentrums für Suchtmedizin am Bezirksklinikum Regensburg, sieht bei einer Legalisierung die Gefahr eines Massenexperimentes mit ungewissen Ausgang: "Niemand kann absehen, wie sich der Konsum der Substanz vor allem bei Jugendlichen auswirkt. Denn nach wie vor hemmt der Konsum von Cannabis die Hirnentwicklung von Heranwachsenden." 

Welche Vorteile würde eine Legalisierung haben?

Dabei würde es mehr Drogenabhängige geben und somit höhere Kosten für den Staat. Dagegen würde der Staat ebenfalls eine Menge finanzieller Mittel durch die Legalisierung einsparen, da die Blockade von Gerichten durch Konsumenten von Cannabis enden würde. Außerdem könne der Staat, wie es zum Beispiel bei Tabak möglich ist,eine Steuer auf Cannabis erheben, so Dr. Tobias Rüther von der Ludwig-Maximilian-Universität in München. 

Durch dieses Geld könnte der Staat einebessere und effektivere Suchtprävention finanzieren, die über die Risiken von Marihuana und deutlich gefährlicheren Drogen aufklären. Durch höhere Einnahmen könnten außerdem staatliche Einrichtungen wie zum Beispiel anthojo, die Eingliederungshilfe für Süchtige leisten, subventioniert werden, sodass Cannabis-Abhängige für ihre Sucht nicht bestraft werden, sondern das ihnen bei der Entwöhnung und der Eingliederung in der Gesellschaft geholfen wird.

Portugal als positives Beispiel

Das Konzept der gezielten Wiedereingliederung in die Gesellschaft ohne Strafe wird seit 15 Jahren auch in Portugal betrieben, allerdings beschränkte sich dieses sich auf eine Entkriminalisierung, allerdings für alle illegalen Rauschmittel. Der Konsum von injizierbaren Drogen nahm durch die Reform um 50 Prozent ab und die Fälle von Überdosen sanken auf ein Minimum. 

Im Rahmen der TED-Talk Serie von BBC bezieht sich auch Johann Hari, ein britischer Schriftsteller, im Rahmen seiner Rede"Alles, was Sie über Sucht zu wissen glauben, ist falsch" auf die Drogenpolitik in Portugal. (Tipp: Um das Video mit deutschen Untertitel zu sehen, auf der unteren Leiste des YouTube-Videos auf das Zahnrad drücken und bei Untertiteln deutsch als Sprache wählen)

Ob das System der Portugiesen auf Deutschland jedoch übertragbar ist, ist zweifelhaft, da das Drogenproblem in Portugal ein deutlich größeres war und lediglich eingedämmt wurde. Doch auch in Deutschland gibt es Verbesserungspotenzial bei den Suchttherapien, außerdem ist die Gefahr der Kriminalisierung Jugendlicher gegeben. 

Da Polizisten dazu verpflichtet sind auch bei einem Fund von geringen Mengen an Cannabis nach dem Gesetzeine Anzeige aufgrund des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zu stellen. Solche Fälle häufen sich und nehmen Überhand, da der Schwarzmarkt floriert und der Endkonsument die Auswirkungen einer Anzeige wegen Cannabisbesitzes meist unterschätzt. 

Bei Betrachtung dieser Probleme, zum Beispiel der eines wachsenden Schwarzmarktes und der Kriminalisierung von Jugendlichen, sollte eine Diskussion über die bisherige Drogenpolitik in Deutsch und vor allem in Bayern zumindest zugelassen werden.

fsp

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