Neues Gesicht

Der neue Kommissar der „Rosenheim-Cops“, Baran Hêvî, sitzt sonst im Drogeriemarkt an der Kasse

Lösen ab sofort gemeinsam die Fälle: Die beiden Kommissare Kilian Kaya (Baran Hêvî, links) und Sven Hansen (Igor Jeftic).
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Lösen ab sofort gemeinsam die Fälle: Die beiden Kommissare Kilian Kaya (Baran Hêvî, links) und Sven Hansen (Igor Jeftic).

Baran Hêvî (33) ist der Neue bei den „Rosenheim-Cops“. Als Kommissar Kilian Kaya spielt er die Urlaubsvertretung von Hauptkommissar Anton Stadler. Ein Gespräch über Ziele, Verantwortung und warum der 33-Jährige seinen Zweitjob an der Kasse auch weiterhin behält.

Rosenheim – An den Moment, als er erfahren hat, dass er die Hauptrolle bei den „Rosenheim-Cops“ bekommen hat, kann sich Baran Hêvî noch ganz genau erinnern. „Ich saß gerade an der Kasse und hatte verbotenerweise mein Telefon dabei“, sagt er. Als sein Handy klingelte, sei er nach draußen gegangen.

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Hier, nur wenige Meter von seinem Arbeitsplatz in Berlin entfernt, erhielt er eine Woche vor Drehbeginn die Nachricht, dass er der neue „Rosenheim-Cop“ ist. „Das ist genau der Erfolg, auf den ich gewartet habe“, sagt Baran Hêvî. Statt zu feiern, sei er zurück in die Arbeit gegangen und habe seine Schicht beendet. „Ich hatte ja eine Verantwortung, der ich nachgehen musste.“

Menschen eine Stimme geben, die nicht gehört werden

Es sind Aussagen, die neugierig machen. Auf den Mann, der hinter dem neuen Kommissar steckt. In Ingolstadt geboren, arbeitet der gelernte Kaufmann zunächst in der Automobilindustrie. Doch Spaß an seinem Beruf hat er nicht. „Mit der Zeit stumpft man ab“, sagt er. Weil er „mehr vom Leben wollte“, beschließt er, Schauspieler zu werden. Nicht nur für sich. Auch für die Menschen, deren Stimmen nicht gehört werden. Denn Baran Hêvî weiß, wie sich das anfühlt.

Politische Minderheit, egal wo

„Ich bin Kurde und Alevit“, sagt er. Sowohl seine Herkunft, als auch sein Glauben machen ihn, wie er sagt, überall zu einer politischen Minderheit. Hinzu komme, dass ihm schon als Jugendlicher aufgefallen sei, dass kurdische Schauspieler in deutschen Filmen selten sind. „Nur die wenigsten Künstler wollen sich aus Angst vor Nachteilen zu ihrer Identität bekennen.“

Schauspiel für vier Jahre in Frankfurt studiert

Baran Hêvî will das ändern. Also spricht er an zahlreichen staatlichen Schauspielschulen vor. In Frankfurt bekommt er die Zusage, studiert dort vier Jahre. Es folgt eine Festanstellung am Mannheimer Nationaltheater. Doch seine Kreativität kann er auch dort nicht ausleben.

Mit der Zeit habe er sich gefühlt wie damals in der Automobilindustrie. Abgestumpft. Ohne Mitspracherecht. Und das, obwohl er einen Beruf ausübte, den er machen wollte. Weil er ein Mann ist, der seinen Prinzipien treu bleibt, kündigt er und beginnt im Restaurant eines Freundes zu arbeiten. „Ich musste mich neu sortieren“, sagt er.

Umzug nach Berlin, Bewerbung bei Drogeriemarkt

Nach anderthalb Jahren entscheidet er sich für einen Umzug nach Berlin. Er bewirbt sich bei einem Drogeriemarkt, bekommt die Zusage. „Für mich ist kein Beruf mehr wert als der andere“, sagt Baran Hêvî. Es spiele keine Rolle für ihn ob er auf der großen Bühne stehe oder an der Kasse sitze. „Ich habe zwei gesunde Hände und Füße. Also gehe ich arbeiten.“

Falsches Bild von der Schauspielerei

An dieser Einstellung habe sich auch nach seiner Zusage bei den „Rosenheim-Cops“ nichts geändert. Und das aus gutem Grund. „Natürlich wäre es ideal, wenn ich nur mit der Schauspielerei mein Geld verdienen könnte. Weil das aber nicht so ist, muss ich nach Alternativen suchen.“ Dass Leute, darüber verwundert sind, unterstreiche nur seine Vermutung, dass viele ein falsches Bild von der Schauspielerei haben. Denn nur die wenigsten könnten sich damit ihr Leben dauerhaft finanzieren.

Zusage erst eine Woche vor Drehstart

Und so ist Baran Hêvî auch nach den ersten Gesprächen mit dem Produzent und der Regisseurin immer wieder von München nach Berlin gependelt, um im Drogeriemarkt zu arbeiten. „Ich hatte viele schlaflose Nächte.“ Zumal er die Zusage für die Rolle als Kommissar Kilian Kaya genau eine Woche vor Drehstart erhalten habe.

Verhörszenen aus Krimis angeschaut

„Ich musste vier Drehbücher lernen, eine neue Figur entwickeln und an meinem bayerischen Dialekt arbeiten, den ich fast acht Jahre nicht gesprochen habe.“ Außerdem habe er sich zahlreiche Folgen der „Rosenheim-Cops“ und diverse Verhörszenen aus Krimis angeschaut. Denn einen Kommissar hat der 33-Jährige bisher noch nicht gespielt.

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„Ich muss das Rad nicht neu erfinden. Wichtig ist, dass ich die Rolle so glaubhaft wie möglich rüberbringe.“ Unterstützung dabei erhielt er von „Kollegen vor und hinter der Kamera“. Er sei sehr gut aufgenommen worden, habe sich schnell wohlgefühlt.

Nicht bayrisch genug für „Rosenheim-Cops“

Doch nicht alle scheinen mit der Besetzung einverstanden zu sein. „Ich werde von einigen Leuten nicht anerkannt“, sagt er.

So habe er sich immer wieder anhören müssen, dass er nicht „bayrisch genug“ sei, um in einer Serie wie die „Rosenheim-Cops“ mitzuspielen. Und das, obwohl der 33-Jährige in Bayern geboren und aufgewachsen ist.

Plattformen nutzen, um auf Probleme aufmerksam zu machen

Auch wenn ihn die Bemerkungen „emotional nicht treffen“, ein Umdenken will er trotzdem bewirken. Und so will er auch in Zukunft seine Plattform und seinen Beruf nutzen, um auf genau diese Probleme in der Gesellschaft aufmerksam zu machen.

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