Flächenverbrauch für Brenner-Nordzulauf würde reduziert *Mit Voting* 

Sechste Trassenführung mitten durch Rosenheim: Technisch möglich?  

Rosenheim – Viel Zukunftsmusik um eine eine mögliche sechste Trassenführung des Brenner-Nordzulaufs mitten durch Rosenheim brachten die Ergebnisse der Vieregg-Rössler mit sich. Das Fazit des Münchner Planungsbüros: Technisch wäre eine solche Durchfahrung zwar machbar, jedoch nicht unter den einfachsten Bedingungen. 

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Beauftragt eine Machbarkeitsstudie für eine sechste Trassenvariante durchzuführen wurde Dr. Martin Vieregg vom Planungsbüro Vieregg-Rössler von der Bürgerinitative Brennerdialog Rosenheimer Land. Mit im Boot waren auch die von der Brenner-Nordzulauf-Planung besonders betroffenen Gemeinden Stephanskirchen, Rohrdorf, Neubeuern und Riedering. Die Initiatoren erhoffen sich durch einen Ausbau des Rosenheimer Bahnhofs weniger Flächenverbrauch. Dr. Vieregg kam nach eingehender Studie zu dem Ergebnis: Einesechste Trassenvariante durch Rosenheim ist technisch durchaus machbar – wenn auch nicht ganz trivial

Varianten durch den Bahnhof Rosenheim vorzeitig aussortiert? 

"Alle Varianten umfahren den Bahnknoten Rosenheim, ein Ausbau der bestehenden Strecke wurde gar nicht untersucht", betont Dr. Vieregg in der Sondersitzung des Stadtenwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses am Donnerstagabend: "Seit der Tatsache, dass nur fünf mögliche Trassen ausgearbeitet wurden ist das Kind meines Erachtens schon in den Brunnen gefallen. Mich persönlich ärgert auch, dass dieser ganze Planungsprozess Stand österreichischer Büros ist, die für das deutsche Verkehrsministerium arbeiten. Diese arbeiten aber nach einem ganz anderen Stil als die deutschen Planungsbüros." Die zusätzliche Variante durch den Bahnhof Rosenheim sei mit den folgenden drei Argumenten "vorschnell vom Tisch gewischt und aussortiert" worden: 

  • Bauen "unter rollendem Rad" sei aufwendig, die meisten Eisenbahn-Baustellen aber seien im Bestand.
  • Zu geringe Geschwindigkeiten im Personenfernverkehr: Hier dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden, dass bei bei DB-Variante die Durchfahrt Großkarolinenfeld auch nur mit 180 km/h und nicht mit 230 km/h möglich sei.
  • Geologische Probleme durch Seeton, der vor allem westlich von Rosenheim vorliege: Die dynamische Last durch die Vibration könne nicht dauerhaft standhalten. Technisch sei das jedoch trotzdem machbar durch eine relativ neue Methode, mit er eine Betonflüssigkeit in den Seeton gespritzt werde und somit die Last durch einen Betonklotz abgefedert werde. Bei DB-Varianten habe man abschnittsweise dieselbe Problematik zu lösen.

Eure Meinung zur sechsten Trassenvariante:

Mehr Vorteile durch die Durchfahrung Rosenheims? 

Laut Dr. Vieregg seien in den letzten Jahre neue Aspekte hinzugekommen, die einer Durchfahrung der Stadt durchaus Vorteile bescheren würden. Sein Hauptargument: Eine bessere Anbindung im Personenfernverkehr. "Mit der Trassenentscheidung des ICE-gerechten Ausbaus über Mühldorf wird Rosenheim von hochrangigen Ost-West-Verkehr abgehängt, es droht aber auch eine Abhängung im Nord-Süd-Verkehr. ICE-Züge werden nicht politisch bestellt, die Nachfrage regelt das Angebot. Wenn 15 Minuten Fahrzeitverkürzung mehr Fahrgäste generiert als der Halt in Rosenheim dann wird Rosenheim abgehängt", bringt Dr. Vieregg an.

Dazu geselle sich das Problem des Mischverkehrs, wenn langsame Güterzüge und schnelle ICE-Züge sich gegenseitig behindern und nur in Teilabschnitten auf derselben Strecke verkehren können. Dr. Viereggs "Worst-Case-Szenario": Güterzüge fahren durch den Bahnknoten, ICE-Züge außen herum. Ein weiterer Punkt für den Planer ist der fehlende adäquate Lärmschutz, da eine Mehrzahl der Züge weiterhin durch nicht ausgebaute Bahnknoten fahre. Durch einen Aus- oder Neubau durch die Stadt herrsche ein strenger Lärmschutz, "da hören Anwohner praktisch nichts mehr".

Fazit: Sechste Trasse mitten durch Rosenheim machbar

Dr. Vieregg forderte im Rahmen der Vorstellung seiner Studie die Politik, eine Durchfahrung in Rosenheim als sechste Variante in Raumordnungsverfahrens aufzunehmen um diese neue Variante abwägen zu können. Alle bisherigen Varianten müssten so umgeplant werden, dass keine "Salami-Taktik" entstehe. Seine drei Kriterien für die Planungen: die Kapazitäten und Fahrzeiten für den Brenner-Nordzulauf sowie die Anbindung des Ostkorridors und die Einhaltung des Deutschland-Takts, der aktuell ohnehin in aller Munde sei. 

Über die Zukunft des Bahnknotens Rosenheim und die Perspektiven einer Durchfahrung versus Umfahrung müsse eine "ernsthafte politische Diskussion" stattfinden. Die Planung sei dem Fachplaner zufolge jedoch nicht ganz trivial, da es allein am Bahnhof vier geometrische Überwerfungsbauwerke erfordere (bei der Querung der Münchener Straße sowie an der Rosenheimer Kurve/Schleife). 

Dieses Resümee der Studie traf bei den Mitgliedern des Stadtenwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses auf geteilte Meinungen. Nachdem es sich bei der Vorstellung der Studie um eine reine Information für die Ausschussmitglieder handelte, war ein Beschluss nicht erforderlich. Ob die Stadt auf die neue Variante zurückkommt, lies Oberbürgermeister Andreas März am Ende offen. Schließlich bedeute diese Variante "einen erheblichen Eingriff in unsere Stadt".  

mb

Rubriklistenbild: © Soeren Stache

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