Ericsson will bis zu 300 Stellen in Rosenheim abbauen

IG Metall macht Hoffnung: "Zahlen stimmen nur zum Teil"

Rosenheim - Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Ericsson plant 400 Stellen abzubauen, um die Effizienz des Antennenbereichs zu steigern. Bis zu 300 davon sollen den Standort Rosenheim betreffen. Jetzt äußert sich die IG Metall dazu.

Ende April verkündete der Netzausrüster Ericsson, am Standort Rosenheim etwa 250 bis 300 Stellen abzubauen. Wie Katharina Sofie Martin, Sprecherin von Ericsson, auf Nachfrage von rosenheim24.de berichtete, haben sich die geringere Produktion und der geringere Umsatz von Kathrein Mobile Communication (KMC) im vierten Quartal 2019 negativ auf die Margen des Bereichs Networks von Ericsson ausgewirkt. Für das Gesamtjahr 2020 werde ein negativer Beitrag erwartet

Auch Krones baut Stellen ab

Krones sieht sich in Anbetracht der aus der Corona-Pandemie resultierenden Wirtschaftskrise gezwungen, ihre Personal durch sogenannte Freiwilligenprogramme zu reduzieren. Auch in Rosenheim und Raubling.

Um die Effizienz von KMC zu steigern, plane man daher einen weltweiten Stellenabbau von rund 400 Positionen bis zum 1. Quartal 2021. "Wir führen Gespräche mit den jeweiligen Arbeitnehmervertretern", so Martin. Ericsson rechne für Kathrein Mobile Communications am Standort Rosenheim mit einem Stellenabbau von etwa 250 bis 300 Mitarbeitern, was etwa 30 Prozent der Belegschaft entspricht. 

IG Metall: "Zahlen stimmen nur zum Teil"

Jochen Hafner, Geschäftsführer der IG Metall Rosenheim

Jochen Hafner, Geschäftsführer der IG Metall Rosenheim bestätigte auf Nachfrage von rosenheim24.de, dass im Moment bei Ericsson Rosenheim eine Restrukturierung stattfinde. "Im Moment geistert ja die Zahl 250-300 Stellen herum, was alles sehr verwirrend ist für die Leute. Wir reden hier nur über den Bereich Ericsson." Ericsson habe mitgeteilt, dass sie im Rahmen einer Restrukturierung 250 bis 300 Mitarbeiter abbauen, so Hafner. "Das stimmt allerdings nur zum Teil, weil bestimmte Abteilungen und Mitarbeiter anderen Bereichen zugeordnet, aber gleichzeitig weiter in Rosenheim bleiben werden." 

Die Information, die der IG Metall vorliege sei, dass es zur Reduzierung der Belegschaft komme. "In welchem Umfang, da sind wir im Moment noch gar nicht so weit, dass wir eine Zahl benennen können." Im Moment sei man noch in der Informationsphase, aber die IG Metall noch nicht direkt bei den Verhandlungen mit eingebunden, so Hafner. "Die Mitteilung die ich von dem Betriebsrat und der Betriebsleitung habe ist, dass man im Moment am Überlegen ist, ein sogenanntes Freiwilligenprogramm aufleben zu lassen. Das ist auch das, was wir als IG Metall fordern: Keine Kündigungen, sondern zu schauen, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu halten, am besten alle. Der nächste Schritt wird dann sein, wenn es dann wirklich zu Stellenabbau kommen sollte, diesen auf keinen Fall über Kündigungen, sondern mit einem Freiwilligenprogramm durchzuführen." 

Übernahme von Kathrein durch Ericsson

Wie Ericsson in seinem Quartalsbericht mitteilte, sollen durch verschiedene Maßnahmen die Profitabilität der Antennenbau-Abteilung gesteigert und die Kosten gesenkt werden, um weiter die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu steigern. Zu den Maßnahmen, die zu dieser Effizienz beitragen sollen, gehört augenscheinlich auch ein Stellenabbau bei Kathrein, von dem 400 Mitarbeiter betroffen sein werden, berichtet heise.de. In welchem Bereich bzw. Standort diese Stellen gekürzt werden sollen, ist noch unklar. 

Ericsson übernahm das Kathrein-Kerngeschäft erst im Februar 2019, im Oktober wurde das Geschäft dann abgeschlossen. Der Chef von Ericssons Netzwerksparte, Fredrik Jejdling, erklärte dem Fachdienst Light Reading gegenüber, dass Ericsson Kathrein erst im vergangenen Jahr übernommen habe und den Betrieb teilweise umstrukturieren müsse, um die Profitabilität zu erreichen, die man erreichen müsse. Auf Forschung und Entwicklung sollen diese Maßnahmen laut Jejdling aber keine Auswirkungen haben. Die Restrukturierungskosten belaufen sich aller Voraussicht nach auf etwa 46 Millionen Euro.

Der Stellenabbau solle demnach irgendwann zwischen dem 22. April und dem ersten Jahresquartal 2021 stattfinden. Gespräche mit Vertretern der Angestellten haben bereits begonnen.

jb

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