Rosenheimer Schaustellerbetrieb Fahrenschon fürchtet um Existenz 

"Ein Komplett-Ausfall 2020 bedeutet das Aus für unsere Festzelte"

In der fünften Generation betreibt die Familie Fahrenschon den gleichnamigen Schaustellerbetrieb. Die Corona-Krise verlangt der Familie viel ab. 
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Es brennt lichterloh: Die Corona-Krise verlangt der Schausterllerfamilie Fahrenschon viel ab, erklärt Christian Fahrenschon (Zweiter von links). Neben ihm seine Frau Claudia, sowie Tochter Anna Maria und Sohn Maximilian IV.

Rosenheim - Seit fünf Generationen gibt es den Schaustellerbetrieb Fahrenschon. Nun fürchtet die Familie um ihre Existenz: "Wir haben wirklich Angst, dass es uns ab dem nächsten Jahr nicht mehr gibt."

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"Falls wirklich meine komplette Saison heuer ausfällt, es keine finanziellen Hilfen oder Zuschüsse von Seiten der Regierung gibt und mir keine Alternativen einfallen, wird die Firma das nicht überstehen ", konstatiert Christian Fahrenschon nüchtern im Gespräch mit rosenheim24.de. "Der letzte Umsatz war am 8. September 2019. Auf dem Christkindlmarkt in Rosenheim waren die letzten Umsätze zwar am 24. Dezember, die jedoch nicht den Festzeltbetrieb betreffen. Ohne 2020 wäre dann die erste Einnahme am 30. April 2021. Auch ein gesunder Betrieb überlebt keinen Verdienstausfall von 19 Monaten." Ein zweites Standbein habe der 56-Jährige nicht, er sei spezialisiert auf den Schaustellerbetrieb mit Imbiss und Ausschank, Fahrgeschäften und Buden. Noch könne und wolle er nicht glauben, dass seine gesamte Existenz mit nur einem Wimpernschlag weg sein könnte

Der Schaustellerbetrieb aus Rosenheim ist in Oberbayern auf vielen Festen vertreten, darunter Großkarolinenfeld, Bad Aibling, Vaterstetten, Unterföhring, Geretsried oder Penzberg. Die frühe Absage des Oktoberfestes habe "eine Sogwirkung": Jede kleine Gemeinde oder Stadt, die ein kleines Fest durchführe, fühle sich als Veranstalter einer eigenen 'Wiesn'. Und Fahrenschon ist sich sicher: "Ein Komplett-Ausfall meiner Volksfeste bedeutet auch das Aus der Fahrenschon-Festzelte.

"Versuchen Stammpersonal so lange es geht durchzubringen" 

Auch für das Personal von Fahrenschon stellt die Corona-Krise eine schwierige Zeit dar: Fahrenschon beschäftigt momentan vier Personen in Vollzeit und acht Personen in Kurzarbeit. "Durchschnittlich haben wir in der Zeit von Mai bis August 50 Personen beschäftigt. Die reinen Saisonkräfte werden wir dieses Jahr nicht beschäftigen können. Unser Stammpersonal versuchen wir durchzubringen so lange es geht." 

Ein kompletter Auf- und wieder Abbau des Festzelts koste dem Unternehmen jeweils rund 50.000 Euro - Security und Festmusik eingerechnet. "Ich hätte niemals gedacht, einmal in eine solche Lage zu kommen, dass ich um meine Existenz fürchten muss. Wir haben in den letzten Jahren gut gewirtschaftet und auch investiert. Unser Konzept münzt auf Tradition und Gemütlichkeit. Wir haben uns bewusst an der 'Oidn Wiesn' auf dem Oktoberfest orientiert, auf Blasmusik und nicht auf Showbands gesetzt, statt wilden Fahrgeschäften gibt es bei uns das gute alte Kettenkarussel. Die Idee ging auf: wir verbuchten jedes Jahr um bis zu 30 Prozent Zuwachs. Dass wir jetzt dennoch vor dem finanziellen Aus stehen könnten, treibt mich sehr um." 

Mehr Gemütlichkeit, Tradition und Bodenständigkeit? 

Natürlich arbeite man derzeit an Alternativen, setze unter der momentanen Situation auf Straßenverkauf "Volksfest zum Mitnehma" auf den ersten Festplätzen und dem Biermarkerlverkauf auf der Homepage des Unternehmens. In die Zukunft blickt Fahrenschon dennoch mit gemischten Gefühlen: "Noch sind wir optimistisch. Wir hoffen auf Lockerungen oder finanzielle Unterstützung der Regierung und auf die Vernunft der Bürger." 

Er ist jedoch auch überzeugt, dass es Volksfeste, so wie wir sie bisher kennen, in dem gewohnten Umfang wohl künftig nicht mehr geben wird: "Ich denke da zum Beispiel eher an einen kleinen Biergarten-Betrieb mit Karussell, der die 'Party-Festl' und 'Massenveranstaltungen', wie sie sich vielerorts entwickelt haben, verdrängt. Ich kann mir vorstellen, dass es zurück zu mehr Gemütlichkeit, Tradition und Bodenständigkeit geht. Corona appelliert schließlich auch an die Rücksichtnahme - wenn die Leute nicht mehr eng auf eng sitzen sondern mehr Abstand halten, ist das auch nicht verkehrt."

mb

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