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Das Rätsel der alten Frauen in Rosenheim

Rosenheim - Frauen scheint die Rosenheimer Stadtluft besonders gut zu tun: Sie haben in der Stadt am Inn im bundesweiten Vergleich die höchste Lebenserwartung.

Eine heute 60-jährige Frau lebt im statistischen Durchschnitt noch weitere 27,1 Jahre. Das zumindest geht aus einem Vergleich von Gesundheitsdaten hervor, den das Magazin "Stern" veröffentlicht hat. Doch bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, warum dies so ist, verirrt man sich in den Tiefen der Statistik.

Die Zahl ist auf den ersten Blick verblüffend. Und auf den zweiten auch. 60-jährige Frauen haben im Bundesdurchschnitt noch eine Lebenserwartung von 25,1 Jahren. Sie sterben als laut der im "Stern" zitierten Aufstellung im Alter von 85,1 Jahren. Vergleicht man die Zahlen der Landkreise und kreisfreien Städte miteinander, liegt der Landkreis Rosenheim fast genau im Bundesdurchschnitt (85,09 Jahre) und damit auf Platz 188 von 413 Landkreisen.

Umso erstaunlicher ist, das laut dieser Statistik in der Stadt Rosenheim Frauen fast zwei Jahre älter werden und zwar 87,07. Das ist bundesweit spitze. Doch woran liegt das? Die gesunde Luft und das gute Wasser können einen solchen Unterschied wohl kaum erklären. Doch welcher statistische Effekt steckt dahinter?

Suche in den statistischen Daten

Die Datenquelle, die der "Stern" angibt, nennt sich Inkar. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung von Regionaldaten, die das Bundesamt für Städtebau und Raumordnung jährlich herausgibt. Ein Nachteil der dort erhobenen Informationen: Sie sind in Bezug auf die Altersstruktur nicht standardisiert. So nennen Statistiker ein Rechenverfahren, dass den Effekt einer unterschiedlichen Altersstruktur herausfiltert - sprich, ob in einer Kommune viele oder wenige alte oder junge Menschen leben.

Fall gelöst, in der Stadt Rosenheim leben also einfach viele ältere Menschen. Dies treibt den Altersschnitt nach oben. Ein Grund könnte sein, dass es in der Stadt mehr Pflegeeinrichtungen gibt als im Landkreis. Doch so einfach ist es nicht: Beim bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat man Bevölkerungsdaten, die in Bezug auf die Altersstruktur standardisiert sind. Und auch dort zeigt sich: Die Sterblichkeit von Frauen ist, berechnet auf 100 000 Einwohner, in der Stadt geringer als im Landkreis. Das war 2010 so, das war 2009 so und auch 2008, 2007 und 2006. Ein statistischer Ausreißer ist demnach ausgeschlossen.

Nun werden bei der Interpretation von Gesundheitsdaten auch oft sozioökonomische Begründungen angeführt. Man geht davon aus, dass Menschen mit höherem Einkommen und besserer Ausbildung einen gesünderen Lebensstil pflegen und Arbeitsplätze haben, die weniger die Gesundheit belasten. Bei Volkskrankheiten wie Diabetes lassen sich solche Zusammenhänge tatsächlich nachweisen. Doch gibt es solche Unterschiede zwischen Stadt und Landkreis Rosenheim, die ja faktisch einen gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum bilden? Wenn ja, müsste sich dies auch auf die Lebenserwartung von Männern auswirken.

Wie schaut es bei den Männern aus?

Doch der Blick auf die Daten des männlichen Teils der Bevölkerung bestätigt die Vermutung nicht. Denn hier unterscheidet sich die Lebenserwartung der heute 60-Jährigen in Stadt und Landkreis kaum. In der Stadt werden sie laut Statistik 82,69 Jahre alt, im Landkreis 82,18. Damit ist das Argumente Beruf, Bildung und Einkommen vom Tisch - und auch die Gründe Wasser und Luft.

Vielleicht gibt es ganz einfach Dinge, die sich nicht erklären lassen. Zumindest scheitert die Statistik in diesem Fall. Es ist einfach so: Frauen in Rosenheim werden besonders alt.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Rubriklistenbild: © dpa

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