Betroffene Industrie- und Handelsbetriebe aus dem Inntal melden sich zu Wort 

Brenner-Nordzulauf: "IHK sollte nicht weiter eine Beschleunigung des Verfahrens fordern" 

Rosenheim - IHK-Betriebe aus Brannenburg, Rohrdorf oder Nußdorf fordern eine konkrete Positionierung der IHK München und Oberbayern zu den Planungen des Brenner-Nordzulaufs. Fakt ist: Sie lehnen alle fünf Grobtrassen-Entwürfe ab. 

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

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Brenner-Nordzulauf

Es ist höchste Zeit, dass die IHK ihre Positionierung zum Bau eines dritten und vierten Gleises für den Brenner-Nordzulauf ändert. Der ihrerseits prognostizierte Anstieg von 66 Prozent bei den Gütertransporten zwischen Deutschland und Italien basiert auf veralteten Daten, die selbst die DB Netz AG als ungeeignet zur Definition der Projektziele bezeichnet. Darüber hinaus hat die Corona-Pandemie zu einem erheblichen Gütertransportrückgang geführt.

Inbetriebnahme Brennerbasistunnel frühestens 2030? 

Die Bayerische Staatsregierung hält die Erforderlichkeit einer Neubautrasse für bisher nicht erwiesen. Der Verpflichtung zum rechtzeitigen und bedarfsgerechten Ausbau des nördlichen Zulaufs wird auch die ausgebaute und modernisierte Bestandsstrecke gerecht, die mehr als das Doppelte der gegenwärtigen Zugzahl bewältigen kann. Die Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels wird sich bis mindestens 2030 verzögern. Die IHK sollte daher nicht weiter eine Beschleunigung des Verfahrens fordern, sondern eine Änderung des Planungsumfangs mit unabhängiger Untersuchung der Bestandstrecke. Eine an Rosenheim vorbeiführende Hochgeschwindigkeitstrasse birgt die Gefahr der Abkopplung vom schnellen Personen-Fernverkehr und vom geplanten Deutschlandtakt. 

Darüber hinaus erscheint zur großräumigen Umfahrung des überlasteten Knotens München die Anbindung des Güterverkehrs über Mühldorf an den Ostkorridor sinnvoll. Alle fünf Grobtrassen, selbst die violette Variante, beeinträchtigen aufgrund ausgedehnter oberirdisch verlaufender Anteile langfristig und unumkehrbar unserenatürlichen Lebensgrundlagen. Die IHK wirkt daher nicht glaubwürdig, wenn sie zwar eine möglichst geringe Belastung für Mensch und Umwelt, aber gleichzeitig eine Beendigung der Kritik am Vorhaben der Bahn verlangt.

"Verschwendung von Steuergeldern und Ressourcen" 

Die Aktionsgemeinschaft Brennerbahn betrachtet eine Neubautrasse als Kapazitätsreserve, nicht aber als Instrument zur Verlagerung des bestehenden Verkehrs. Auch nach einem Neubau ist demnach weiterhin mit Blockabfertigung und Straßenstaus zurechnen. Die Schaffung von Überkapazitäten wäre eine Verschwendung von Steuergeldern und Ressourcen. Ein ökologischer Vorteil ist, wenn überhaupt, bestenfalls in ferner Zukunft zu erwarten. Maßstab für den Ausbau des Brenner-Nordzulaufs ist daher nicht ein wohlfeiles Schlagwort wie „Güter auf die Schiene“, sondern – neben dem noch ausstehenden Nachweis des volkswirtschaftlichen Nutzens – der zweifelsfrei nachgewiesene Bedarf.

Pressemitteilung der IHK-Betriebe

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