Vortragsreihe "Unternehmen und Hochschule" an der FH Rosenheim

Industrie 4.0 aus Sicht der Pharmaindustrie

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Prof. Dr. Eckhard Lachmann (Vizepräsident Hochschule Rosenheim), Rainer Lintermann (Bosch Packaging Technology), Joachim Brenner (Bosch Packaging Technology), Prof. Dr. Oliver Kramer (Hochschule Rosenheim), Marika Weigle (Hochschule Rosenheim)

Rosenheim - Bekannte Größen aus der Pharmabranche waren beim Vortragsabend der Reihe "Unternehmen und Hochschule" in der Fachhochschule vertreten. Zahlreiche Studenten und Interessierte lauschten gespannt den Vorträgen der Referenten und hatten gen Ende noch die Möglichkeit des Austausches.

Industrie 4.0 stand im Juni im Mittelpunkt der Vortragsreihe „Unternehmen und Hochschule“ an der Hochschule Rosenheim. Als Referenten waren Joachim Brenner, Standortleiter bei Bosch Packaging Technology in Crailsheim, und Rainer Lintermann, Projektmanager Produktbereich Pharma bei Bosch Packaging Technology in Crailsheim, zu Gast.

In ihrem Vortrag stellten sie die Besonderheiten des Themas Industrie 4.0 für die Pharmaindustrie dar und erläuterten, welchen Mehrwert und welche Perspektiven diese Entwicklung für die Branche schafft. Zwei Besonderheiten zeichnen die Pharmaindustrie aus: Die Produktherstellung muss maximale Sicherheit gewährleisten, denn ein Fehler in der Herstellung, Verpackung oder Logistik eines Pharmaproduktes bedeutet eine potentielle Gefährdung von Menschenleben.

Zentraler Knackpunkt

Gleichzeitig handelt es sich um Produkte von hohem Wert, so dass ein Herstellungsfehler hohe Verluste nach sich zieht. Aus diesem Grund ist die Überwachung des gesamten Produktherstellungsprozess eines der wichtigsten Felder in der Pharmaindustrie, in welchem die Umsetzung von „Industrie 4.0“ einen enormen Zugewinn bedeuten kann.

Bereits heute werden Sensoren zur Zustandsüberwachung von Produktionsanlagen eingesetzt. Dieser Einsatz ist noch stark ausbaufähig und kann etwa durch Bilderkennungssoftware ergänzt werden – so stehen in Zukunft noch mehr Daten für sinnvolle Auswertungen zur Verfügung. Ein weiterer Schritt ist die Analyse der mittels dieser Sensoren erhobenen Daten, um Maschinen- und Prozessproblematiken zu identifizieren und frühzeitig Ausfällen entgegenzuwirken. Dies vermeidet fehlerhafte Produkte und Produktverlust und steigert somit die Effizienz.

Stichwort "Big Data"

Industrie 4.0-Lösungen werden zukünftig ermöglichen, die notwendige Wartung für Anlagen vorherzusagen („preventive maintenance“). Dies geschieht anhand erkennbarer Muster der in Echtzeit („real time“) erfassten und ausgewerteten Maschinendaten. Unter dem Schlagwort „Big Data“ wird es für Pharmaunternehmen in Zukunft darum gehen, die erhobenen Daten zu anonymisieren, um auch unternehmensübergreifend Vorhersagen zum optimalen Produktionsprozess treffen zu können und von anderen zu lernen.

Dies bedeutet jedoch gleichzeitig eine Öffnung der Pharmaunternehmen untereinander – natürlich stets unter dem Gesichtspunkt des Datenschutzes. In puncto Mitarbeiterentwicklung hat Industrie 4.0 in der Pharmaindustrie zur Folge, dass der Bedarf an Entwicklern, die intelligente Lösungen entwerfen, sowie an Kryptographen, die die Anonymisierung und Auswertung der Daten vorantreiben, steigen wird.

Pilotprojekte mit Kunden

Bosch Packaging Technology, als einer der führenden Anbieter für Prozess- und Verpackungslösungen für die weltweite pharmazeutische Industrie, profitiert von der Erfahrung des Bosch-Kraftfahrzeugbereichs, wo Automatisierung sowie Vernetzung von Maschinen, Prozessen und IT jahrelang erprobt sind. Das Unternehmen arbeitet außerdem gemeinsam mit Kunden in Pilotprojekten zusammen, um bedarfsorientierte Lösungen zu entwickeln, die auch in der pharmazeutischen Industrie den Weg hin zur vernetzten Fertigung bereiten.

Dem rund 60-minütigen Vortrag von Joachim Brenner und Rainer Lintermann folgte eine Frage- und Antwortrunde. Die Studierenden und interessierten Zuhörer nutzten hier die Gelegenheit, um alle offenen Punkte zu Bosch Packaging Technology und dem Themenkomplex Industrie 4.0 in der Pharmaindustrie mit den Referenten zu klären.

Bosch unter Branchenführern

Der Bosch-Geschäftsbereich Packaging Technology mit Hauptsitz in Waiblingen bei Stuttgart ist mit 6.200 Mitarbeitern einer der führenden Anbieter von Prozess- und Verpackungstechnik. An mehr als 30 Standorten in über 15 Ländern entwickeln und fertigen hochqualifizierte Fachkräfte Gesamtlösungen für die Pharma-, Nahrungsmittel- und Süßwarenindustrie. Ein umfassendes Service-Portfolio rundet das Angebot ab.Das weltweite Service- und Vertriebsnetzwerk bietet Kunden Ansprechpartner auch vor Ort.

Die Vortragsreihe "Unternehmen und Hochschule" wurde 2002 ins Leben gerufen und bietet den Studierenden die Chance, mit namhaften Führungskräften aus der Wirtschaft in  Dialog zu treten und sich frühzeitig über regionale und überregionale Unternehmen sowie deren Produktportfolios und Karrieremöglichkeiten zu informieren. Ziel dieser gemeinsam mit dem Seeoner Kreis e. V. initiierten Vortragsreihe ist es, die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Industrie zu stärken sowie Möglichkeiten des Austauschs und der Diskussion zu fördern.

Pressemitteilung FH Rosenheim

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