Kinder-Unfallatlas offenbarte erschreckende Zahlen - Viele Unfälle mit Radfahrern

"Im ersten Moment schockiert!"

+

Rosenheim - Laut einer jüngst veröffentlichten Studie verunglücken in Rosenheim so viele Kinder wie in keiner anderen Stadt Bayerns. Experten sind sich über die Zahlen noch nicht ganz einig:

Statement Verkehrswacht Rosenheim:

Aufgrund der erschütternden Zahlen hat rosenheim24 die Verkehrswacht Rosenheim zu einem Interview gebeten. Dabei sprach der Vorsitzende, Franz Polland, von einem "Klärungsbedarf". "Wir waren schon etwas schockiert, dass die Stadt Rosenheim so eine hohe Anzahl verunglückter Kinder im Straßenverkehr haben soll. Wir hatten nicht den Eindruck davon", erklärt Polland.

Deshalb soll die Statistik nun noch genauer ausgewertet werden. Die Zahlen sollen klar in Stadt und Landkreis aufgeteilt werden. Dazu wird es in den nächsten Wochen ein Gespräch mit Gerhard Baumann von der Polizeiinspektion Rosenheim geben - der Kontakt bestehe bereits.

Doch nicht nur Gespräche sollen stattfinden. Die offenbar sehr hohen Zahlen würden nicht ohne Konsequenzen bleiben, sagt Polland: "Wir müssen schauen wo die Unfälle passiert sind und was die Ursachen sind, vor allem ob die Gefährlichkeit an den Unfallstellen so groß ist oder die Unachtsamkeit der Kinder der Grund war."

Statement Polizeiinspektion Rosenheim:

Die OVB-Redaktion sprach mit Gerhard Baum, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Rosenheim, über das schlechte Abschneiden der Stadt, über mögliche Ursachen und wie sich Kinder im Rosenheimer Verkehr schützen können.

Rosenheim hat eine Spitzenposition im Kinderunfallatlas - aber leider im negativen Sinn. Wie erklären Sie sich die hohen Unfallzahlen?

Die Frage kann man in einem Satz nicht beantworten. Rosenheim ist zwischen Salzburg, Kufstein und München die einzige Großstadt. Die Straßenbelastung ist mit 12.000 Autos täglich immens. Es pendeln Schüler und Berufstätige jeden Mogen in die Stadt, alle haben es eilig. So entstehen Unfälle.

Wo sind die Unfallschwerpunkte?

Die sind alle in der Nähe der Schulzentren beziehungsweise auf den Hauptverkehrsachsen der Stadt: Inn-, Hubertus-, Prinzregenten- und Frühlingstraße. Übrigens: 20 Prozent der Verunfallten kommen nicht aus Rosenheim, sondern von auswärts.

Wie könnten die Kinder sich schützen?

Keines der Kinder verletzte sich durch einen Schulbusunfall, daher plädiere ich zunächst für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Die meisten Unfälle betrafen Kinder auf Fahrrädern, deshalb werbe ich außerdem für das Tragen von Helmen.

Wer ist schuld an den Unfällen?

20 Prozent aller Unfälle unter den radelnden Kindern entstanden dadurch, dass die Kinder ohne Fremdeinwirkung stürzten. Ganz allgemein ist es so, dass ein Drittel der Unfälle die Kinder, zwei Drittel die Pkw-Fahrer verursachen. Zum Glück endeten im vergangenen Jahr die allermeisten Unfälle glimpflich, 80 Prozent der Kinder kamen mit leichten Verletzungen davon.

Wie ließe sich die Situation dauerhaft verbessern?

Wir müssen einfach weiter versuchen, das Tempo aus dem Verkehr rauszunehmen. Durch verschiedene Maßnahmen haben wir an manchen gefährlichen Kreuzungen bereits Erleichterungen geschaffen. Außerdem bin ich mir sicher, dass sich durch den Bau der B15neu eines Tages die Verkehrssituation ohnehin beruhigt.

zip/Oberbayerisches Volksblatt/kmr

Zurück zur Übersicht: Rosenheim Stadt

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT