Jugend braucht Raum

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Rosenheim - In Happing fühlen sich viele Bürger nicht sicher. Die Gründe sind das Verhalten einiger Jugendlicher und eine ohnehin schwierige Situation im Stadtteil.

Keine weitere Wohnbauverdichtung mehr in der Leitzachstraße. Die Probleme sind schon groß genug. Dies entschied kürzlich der Bauausschuss des Stadtrats. Wie schwierig die Situation im Stadtteil ist, zeigt eine Befragung der Bürger. Einige fühlen sich angesichts des Verhaltens mancher Jugendlicher nicht sicher. Der Stadtjugendring fordert deshalb mit Nachdruck, den neuen Jugendtreff in der Kaltenmühle so schnell wie möglich einzurichten.

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Mit vier Gegenstimmen wurde kürzlich der Bau des Bürgerhauses in Happing vom Stadtrat trotz der hohen Kosten genehmigt. Wie wichtig diese künftige Heimstätte für Vereine und vor allem für Jugendgruppen ist, zeigt die aktuelle Bürgerbefragung des Stadtjugendrings. Rund um das Gebiet "Unter der Brücke" machte sich Anna-Maria Winzer als pädagogische Mitarbeiterin mit den im bestehenden Jugendtreff tätigen Sozialpädagogen Amy Fuchs und Fabian Behr im Auftrag des Stadtjugendrings Rosenheim auf den Weg. Sie wollte Anwohner und Jugendliche kennenlernen und zu ihrer Sichtweise zur "Lage vor Ort" zu befragen. Im Rahmen einer Fragebogenaktion in der Alzstraße, Isarstraße, Leitzachstraße und Naabstraße wurden zudem in 100 Hauseingängen Fragebögen verteilt.

Jugendliche als bedrohlich empfunden

Winzer erhielt 30 Bögen zurück, wobei 63 Personen ihre Stimmen darauf verteilten. Das ist nicht wirklich viel und auch nicht repräsentativ. Aber wenn sich von 63 Menschen mehr als die Hälfte in ihrem Wohngebiet "unsicher bis sehr unsicher" fühlen, ist dies ein Warnsignal. Die Anwesenheit der Jugendlichen unter der Brücke der Miesbacher Straße wurde überwiegend als belästigend empfunden. Nur zehn Prozent gaben an, sich sicher zu fühlen. Nur ein Anwohner meinte: "Wenn man sie in Ruhe lässt, lassen sie dich auch in Ruhe".

Hier setzt die Arbeit an, die Winzer in den letzten Wochen für den Stadtjugendring begonnen hat. Ihr Auftrag war es, die jungen Leute nicht "in Ruhe zu lassen". Anna Winzer bewegte sich bei Wind und Wetter im Stadtteil, um auch zu schwierigen Jugendlichen Kontakt zu bekommen. Mit Geduld und Gespür gelang es ihr, ein offenes Fußballtraining zu inszenieren und so Gelegenheiten zu schaffen, bei denen sie auch ältere Jugendliche erreichte.

"Der Versuch der Sozialen Stadt, mittels eines Bauwagens die Situation zu entschärfen, ist sicherlich eine gute Idee", sagt Winzer, "denn je früher man die Kinder gewinnt, um so unvoreingenommener begegnen sie sich und anderen". Der Bauwagen hat sich jedoch eher zu einem Treffpunkt für die Jüngeren entwickelt. Speziell die älteren Jugendlichen brauchen laut Winzer auch andere Plätze und Möglichkeiten.

Ein Treffpunkt - aber wo?

Übereinstimmend wünschten sowohl Anwohner als auch Jugendliche einen Raum, wo sich die jungen Menschen treffen können und ungestört und ohne zu stören ratschen, feiern oder einfach nur zusammensein können - gerade auch am Abend. Dies ist derzeit im Jugendtreff in der Isarstraße nicht möglich. Der Jugendtreff liegt im Erdgeschoss eines Wohnhauses. "Nachts muss dort verständlicherweise Ruhe sein", sagen Amy Fuchs und Fabian Behr, die Mitarbeiter des Treffs.

Auf die Frage an die Anwohner, welche Vorschläge sie hätten, die Situation "Unter der Brücke" zu verbessern, variierten die Antworten zwischen "anderer Treffpunkt mit längeren Öffnungszeiten" über "mehr Angebote für Freizeitaktivitäten" und "zusätzliche Sozialarbeiter und Streetworker" bis hin zu "mehr Polizeipräsenz". Grundsätzlich, so Winzer, hätten viele Menschen nichts gegen die Jugendlichen - wenn sie sich ruhig und ordentlich verhalten.

Fazit der Befragung ist: Die Anwohner fordern einen anderen Platz, der nicht in einer Wohngegend gelegen ist. Der Stadtjugendring zählt auf den Kontakt mit den Jugendlichen direkt vor Ort - und alle glauben, dass der von der Stadt vorgesehene Platz für das neue Bürgerhaus optimal ist, um endlich den Problemen entgegenzuwirken.

Gegen weitere Verdichtung des Quartiers

Einen der "schwierigsten sozialen Bereiche" nannte der CSU-Fraktionsvorsitzende Herbert Borrmann im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss das Quartier rings um die Leitzachstraße, wo ein Bauträger 53 zusätzliche Wohnungen beantragt hatte. Sein Fraktionskollege Josef Gasteiger kritisierte scharf die bisherige Entwicklung. Eine Lackierei habe dort schon den Betrieb aufgegeben, weil man zuviel Wohnungsbau zugelassen und damit den Gewerbebetrieb in Bedrängnis gebracht habe. Normalweise müssten sich in einem Mischgebiet Wohnen und Gewerbe die Waage halten. In diesem Quartier überwiege das Wohnen aber bereits bei weitem. Ganz abwegig aber sei es, das Grundstück nun mit Wohnbau kräftig aufzuwerten. Damit hätte der Verkäufer dann zum zweiten Mal das Nachsehen, denn er habe das Areal ja nur mit der geringerwertigen Nutzung "Gewerbe" verkaufen können.

Gegen eine weitere Verdichtung sprach sich auch Andreas Lakowski, SPD, aus. Grünen-Stadtrat Peter Rutz verwies auf eine Stellungnahme der "Sozialen Stadt", in der die Probleme angesprochen werden. Die Situation sei schwierig. Unter der Brücke in der Alzstraße und in der Isarstraße komme es aufgrund des beschränkten Freiraumes für Jugendliche immer wieder zu Ruhestörungen und Beschwerden. Zwar lebten gleichzeitig viele Familien in der Isarstraße, die grundsätzlich mit ihrem Lebensraum zufrieden sind. Eine zusätzliche Verdichtung des Wohungsbestandes wäre aber eine Herausforderung.

Der Ausschuss lehnte den beantragten Wohnungsbau einstimmig ab.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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