Rosenheim kritisiert den Kinderunfallatlas

Rosenheim – Die Innstadt belegt den fünftschlechtesten Platz im „Kinderunfallatlas“. Eine Gutachterin zweifelt die Ergebnisse an und die Stadt will eine eigene Statistik.

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„Wir waren erschrocken“, bekannte Sicherheitsdezernent Herbert Hoch, als eine von der Techniker-Krankenkasse veröffentlichte Analyse der Bundesanstalt für Straßenwesen die Innstadt auf dem fünftschlechtesten Platz im „Kinderunfallatlas“ führte. Darin sind die unter 15-jährigen verunglückten Kinder erfasst. Mit 4,80 Verunglückten je 1000 Kinder lagen demnach die Unfallzahlen in der Stadt Rosenheim in den Jahren 2006 bis 2010 dreimal so hoch wie im Landkreis Freyung-Grafenau. Rosenheim befindet sich damit in der negativen Spitzengruppe der Städte zwischen 50 000 und 100.000 Einwohner. Die Rosenheimer Polizei sei von der Analyse ebenso überrascht gewesen, sei doch der Unfalltrend in der Stadt seit Jahren rückläufig, berichtete Hoch.

Die Stadtratsfraktion der Grünen hatte dazu im Verkehrsausschuss eine Erläuterung der Ergebnisse beantragt, zu der die Verwaltung als Gutachterin die Diplom-Statistikerin Katharina Schüller eingeladen hatte, die in München das international tätige Institut „Stat-Up“ aufgebaut hat und leitet.

Vor voreiligen Schlüssen gewarnt

Hoch warnte einleitend vor voreiligen Schlüssen. Es sei eine sorgfältige Auswertung und Interpretation notwendig, zumal Rosenheim täglich 20.000 Einpendler habe. Als Unterpunkt hatten die Grünen nachgefragt, ob es Unfallschwerpunkte gebe, wo insbesonders Kinder betroffen seien. Als Unfallschwerpunkte bezeichnet die Polizei, so erläuterte Dezernent Hoch, Stellen, an denen jährlich fünf gleichartige Unfälle passierten. In Rosenheim habe es aber nur zwei gleichartige Unfälle binnen eines Jahres an einer Stelle gegeben, und das geschah am Brückenberg an der Abzweigung zur Hubertusstraße, worauf die Ampelschaltung verändert worden sei.

Die Stadt, so sagte Jürgen Stintzing, der Verkehrsplaner des Tiefbauamtes, erhalte ihre diesbezüglichen Daten von der Polizei. Gutachterin Schüller betonte, die Grundfrage zum Kinderunfallatlas laute nicht: Stimmt die Statistik?, sondern: Was misst die Statistik? Laut Polizei sei die Zahl der unfallbeteiligten Kinder unter 14 Jahren von 2006 bis 2008 von 39 auf 30 gesunken. Als Hauptschwachpunkt stellte sie heraus, der Kinderunfallatlas setzte die Zahl der in Rosenheim verunglückten Kinder in Relation zur Zahl der als Einwohner gemeldeten Kinder und nicht zur Zahl der Kinder, die sich in Rosenheim im Verkehr bewegten.

Ein Viertel der 28 unfallbeteiligten Kinder in der Statistik der Polizei von 2010 stamme nicht aus Rosenheim. „Das können neben Schulkindern aus dem Landkreis auch Urlauberkinder sein“, so Schüller. Die Polizeistatistik habe für ein bestimmtes Jahr 35 verunglückte Kinder ausgewiesen, der Atlas liste dazu aber 43 verletzte Kinder auf. „Die Unfallquote nach Verletztenzahlen, wie sie der Kinderunfallatlas für Rosenheim ausweist, ist falsch und irreführend“, erklärte die Gutachterin, eine gebürtige Oberaudorferin, die 1995 am Finsterwalder-Gymnasium Abitur gemacht hatte.

Stadtrat Andreas Lakowski von der SPD nannte die Unfallzahlen „eine Katastrophe“, und das „Drehen von Stellschrauben an der Statistik “ ändere nichts an der Rangfolge Rosenheims. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sagte, sie nehme das zum Anlass, eine eigene Statistik vom städtischen Amt für Verkehrswesen vorlegen zu lassen. Amtsleiter Manfred Orgler werde die Zahlen im Verkehrsausschuss vorstellen.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © dpa

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