Im Video: Pressekonferenz zu Coronavirus im Landratsamt Rosenheim

Coronavirus in Rosenheim: Klinik muss Betrieb teils herunterfahren

Coronavirus im Landkreis Rosenheim, Pressekonferenz im Landratsamt
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Standen bei einer Pressekonferenz im Landratsamt Rosenheim Rede und Antwort (von links): Dr. Jens Deerberg-Wittram vom RoMed-Klinikum, Nina Mascher von der Abteilung für Gesundheit des Landratsamts und Dr. Wolfgang Hierl vom Staatlichen Gesundheitsamt.

Rosenheim - Das Landratsamt Rosenheim sieht in Sachen Coronavirus inzwischen eine "äußerst dynamische Entwicklung". Deswegen wurde für Montagnachmittag, 14 Uhr, eine Pressekonferenz angesetzt.

Zunächst ging Dr. Wolfgang Hierl vom Staatlichen Gesundheitsamt auf die aktuelle Zahl von bestätigten Fällen im Landkreis ein:

  • Der 55-Jährige aus Stephanskirchen habe, außer einem leichten Anflug von Erkältung, keine Symptome gezeigt. Er sei weiter in häuslicher Isolierung. Sollten entnommene Proben am Montag und Dienstag keine Krankheitserreger mehr enthalten, könne sein Fall als erledigt betrachtet werden.
  • Der am Sonntag bekanntgewordene zweite Fall sei eine Mitarbeiterin der RoMed-Kliniken. 
  • Der dritte Fall sei sehr aktuell. Die Person war in Südtirol im Urlaub. Es bestünden etwas schwerere Krankheitssymptome, weshalb die Person aktuell im Klinikum isoliert sei. 13 Personen aus dem Umfeld seien ermittelt, die engeren Kontakt gehabt hätten. Diese würden nun abgeklärt.

Betrieb im RoMed-Klinikum heruntergefahren

Dr. Jens Deerberg-Wittram schilderte das Vorgehen des RoMed-Klinikums bezüglich einer erkrankten Mitarbeiterin.

Auf den Fall im RoMed-Klinikum ging dann noch einmal Dr. Jens Deerberg-Wittram ein. "Die in der Chirurgie beschäftigte Person befindet sich nun in häuslicher Quarantäne. Sämtliche Kollegen aber auch behandelte Patienten wurden getestet. Die Mitarbeiter haben wir vorübergehend nach Hause geschickt." Für den Fall, das zahlreiche Isolierungen notwendig würden, sei das Klinikum gerüstet. 

Der Betrieb im betroffenen RoMed-Klinikum Rosenheim würde derzeit außerdem heruntergefahren, um dem aktuellen Ausfall an Personal Rechnung zu tragen. "Derzeit werden geplante und nicht dringend notwendige Eingriffe verschoben und möglichst nur noch dringend notwendige Ambulanzbesuche behandelt." Nachts würde das Klinikum für die Annahme von Polytrauma-Fällen vorübergehend abgemeldet.

Dr. Wolfgang im Hierl im Video-Interview:

Gesundheitsamt empfahl Absage von Starkbierfesten

Das Gesundheitsamt habe am Montag Stadt und Landkreis eine neue Bewertung des Riskos auf den Starkbierfesten in Rosenheim und Raubling zukommen lassen. "Sie berücksichtigt die neu bekanntgewordenen Erkrankungsfälle und sieht ein möglicherweises Risiko für eine weitere Ansteckung", erklärte so Hierl weiter. "Die große Anzahl der Gäste bei Veranstaltungen wie einem Starkbierfest veranlassten uns zur Empfehlung, die Feste in Raubling und Rosenheim abzusagen. Wenn, wie dort, die Leute in großer Zahl an Biertischen eng zusammensitzen ist das Ansteckungsrisiko einfach sehr hoch." 

Hierl betonte, seine Behörde könne nur angesichts der Lage und Vorgaben der Gesundheitsministerien von Bund und Land Empfehlungen aussprechen. "Die Entscheidung für eine Absage liegt dann bei den dafür zuständigen Behörden." 

Nina Mascher von der Abteilung für Gesundheit des Landratsamts berichtete über die Entscheidung zur Absage des Starkbierfests in Raubling.

"Als zuständige Anordnungsbehörde haben wir entschieden, dass das Starkbierfest Raubling abgesagt beziehungsweise die Veranstaltung untersagt wird", erklärte Nina Mascher von der Abteilung für Gesundheit des Landratsamts. "Wir folgen damit der Einschätzung des Gesundheitsamts." Das Starkbierfest Rosenheim dagegen unterliege der Entscheidungshoheit der Kreisfreien Stadt Rosenheim.

Daneben gingen die drei Behördenvertreter noch auf diverse Fragen ein.

Gibt es Pläne für Absagen von Eishockey-Spielen beziehungsweise anderen Sport- oder Großveranstaltugnen?

Hierl: "Unsere aktuelle Empfehlung betraf nur die beiden Starkbierfeste. Diese sind auf Grund der besonders beengten Situation an den Biertischen dort ein Sonderfall. Aber wir beobachten natürlich die Lage ständig und werden uns danach richten, wenn neue Weisungen oder Empfehlungen von den Gesundheitsministerien von Bund und Land kommen sollten."

Mascher: "Sonstige Großveranstaltungen haben wir derzeit nicht im Auge. Aber es ist immer auch eine Einzelfallentscheidung, aktuell wüssten wir von keinen Großveranstaltungen vom Kaliber der Starkbierfeste."

Sollte man weiter öffentliche Verkehrsmittel benutzen? 

Hierl: "Wie ich schon in der vergangenen Woche gesagt habe: Wir wollen bei all unseren Entscheidungen immer noch Maß waren und einen klaren Kopf behalten. Das öffentliche Leben komplett stillzulegen ist aktuell bei weitem nicht nötig!"

Gibt es Bedenken bezüglich der Kommunalwahl?

Hierl: "Auch hier gilt dasselbe: Aktuell erscheint die Lage noch bei weitem nicht so dramatisch, dass man hier Überlegungen anstellen müsste."

Wann gilt das Virus als in der Region angekommen?

Hierl: "Wir stehen da natürlich mit den Ministerien und Behörden im ständigen Kontakt. Aktuell verfolgen wir weiter eine Strategie, die noch nur vereinzelten Fälle einzudämmen. Dies, indem Kontaktpersonen ausfindig gemacht und isoliert werden. Wann eine Ausweitung beziehungsweise Änderung dieses Vorgehens notwendig ist, wird gegebenenfalls gemeinsam mit den zuständigen Behörden entschieden." 

Wie ist dass RoMed-Klinikum vorbereitet?

Deerberg-Wittram: "Im Prinzip können wir eine normale Patientenisolierung wie in diesem Fall nötig in all unseren Krankenzimmern durchführen. Es sind also ausreichend Kapazitäten vorhanden.Schutzkleidung und Masken haben wir bereits genug. Desinfektionsmittel sind etwas verknappt, bekommen wir aber zeitnah noch nachgeliefert und werden dann auch dabei ausreichend versorgt sein. Als kurzfristige Maßnahme hatten wir in Bereichen, in denen auch Möglichkeiten zum Händewaschen vorhanden sind Spender abmontiert. Denn sowohl allen Besuchern von Patienten als auch allgemein können wir nur anraten: Das gründliche Waschen der Hände für 30 Sekunden ist eine der besten Maßnahmen beim Infektionsschutz!"

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