Stadtverkehr kontrollierte heimischen ÖPNV

Luftqualität in Rosenheims Bussen: Geringes Infektionsrisiko selbst zur Stoßzeit

Die Personenbeförderung im ÖPNV in Zeiten der Pandemie wird oft kritisch gesehen. Aus diesem Grund führte der Stadtverkehr Rosenheim nun Messungen der Luftqualität in Bussen durch. Die Ergebnisse zeigen, dass das Infektionsrisiko im Personennahverkehr sehr gering sein soll.

Die Pressemeldung des Stadtverkehrs Rosenheim im Wortlaut

Rosenheim - In der öffentlichen Diskussion wird im Hinblick auf die Pandemie die Nähe zu anderen Personen im ÖPNV verständlicherweise kritisch gesehen. Um das Gefährdungspotential abzuschätzen, hat der Stadtverkehr Rosenheim eigene Messungen durchgeführt.

Es gilt als gesichert, dass sich Corona vorwiegend als Aerosol über die Luftwege verbreitet. Daher ist die Maskenpflicht im ÖPNV sicher eine vernünftige Anordnung. Bei der Beurteilung des Gefährdungspotentials gilt es aber einige Faktoren zu berücksichtigen. So ist der Flugverkehr, Bahnverkehr, Regionalverkehr oder auch Stadtverkehr unterschiedlich zu bewerten.

Jüngst wurde in NRW nun eine wissenschaftlich begleitete Studie zur Ermittlung des Gefährdungspotentials angestoßen. Hier kann aber erst in einigen Monaten mit einem validen Ergebnis gerechnet werden. Aber auch die beste Studie gibt keinen Schutz vor einer Infektion und kann nur das Risiko einer Infektion statistisch beurteilen.

Angeregt durch die sehr interessanten und anschaulichen Vorträge der Professoren Krause und Aschaber der TH Rosenheim, Fachbereich Energie- und Gebäudetechnik, hat der Stadtverkehr Rosenheim die Luftqualität in den Bussen selbst untersucht.

Die im Internet nachlesbaren Informationen helfen sehr gut, die schwierigen Zusammenhänge zu verstehen. Die Untersuchungen der Technischen Hochschule beziehen sich auf die Luftqualität und damit auf das richtige Lüften insbesondere in Klassenzimmern. Diese Überlegungen lassen sich durchaus auch auf einen Linienbus übertragen.

Luftwechsel in Bussen alle 6 Minuten

Da der Innenraum relativ klein ist, sorgt schon die normale Lüftung, die sogenannte Frontbox, für einen Luftwechsel alle 6 Minuten. Verglichen mit den Empfehlungen der Luftwechselrate 3 für Klassenzimmer ist dieser 10-fache Austausch pro Stunde schon sehr gut.

Hinzu kommt aber auch noch der Luftaustausch beim häufigen Öffnen der je 2,5 Quadratmeter großen Türen (etwa alle Minute) und die richtig heftige Leistung der sogenannten Turbo-Lüfter (die in den Pausen gegebenenfalls für einen kompletten Luftwechsel in 2 Minuten sorgen).

Diese Luftqualität wurde nun durch Messungen des CO²-Gehaltes im Bus überprüft. Sowohl in Spitzenzeiten im Schülerverkehr, als auch am Ende einer Betriebsschicht waren die Messwerte sehr gut. Der sogenannte Pettenkofer-Wert von 1000 ppm CO² wurde nie erreicht. Die normale Außenluft hat einen Gehalt von 400 bis 500 ppm, im Bus waren zwischen 500 und maximal 730 ppm zu verzeichnen.

Vergleichsweise hat man in einem Klassenzimmer ohne technische Unterstützung kaum die Chance, diese Empfehlung für die Luftqualität einzuhalten. Auch in einem 50 Quadratmeter Büro wird dieser im Rahmen einer Besprechung mit 4 Personen innerhalb einer Stunde erreicht.

Der CO² Wert misst lediglich die Luftqualität, die unter anderem auch für die Konzentrationsfähigkeit entscheidend ist. Aber mit dem Luftaustausch werden auch die eventuell mit Covid-19 belasteten Aerosole ausgeblasen. Somit ist dieser einfach zu ermittelnde Messwert ein wichtiger Indikator für das Gefährdungspotential einer möglichen Infektion.

Geringes Ansteckungsrisiko in Bussen

Hinzu kommt noch die kurze Aufenthaltsdauer im Stadtbus. Im Schnitt aller Fahrten ist der Fahrgast unter 10 Minuten im Bus. Lediglich der Fahrer ist länger im Fahrzeug – aber dieser hat seine eigene Klimatisierung und ist durch eine Infektionsschutzwand inzwischen noch mehr vom Fahrgastraum isoliert.

Durch die Verpflichtung zum Tragen einer Schutzmaske ist ein weiterer Schutzschild für die Mitreisenden wie aber auch für sich selbst gegeben. Da ohnehin nur 13 Prozent der früheren Fahrgastzahlen zu verzeichnen sind, sind im Schnitt ohnehin unter 10 Personen im Bus.

Natürlich hat der Stadtverkehr Rosenheim alle begleitenden Ideen für ein Infektionsschutzkonzept umgesetzt. So werden zum Beispiel mehr Busse als nötig eingesetzt, um die Einsatzdauer geringer zu halten. Die meisten Dienste haben so einen frischen Bus zur Abfahrt.

Aktuell ist noch kein einziger Fahrer oder Mitarbeiter an Covid erkrankt – auch eine Bestätigung, dass die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Stadtverkehr Rosenheim sicher ist. Die Messungen der Luftqualität bestätigen, dass das Infektionsrisiko speziell im Stadtbus offenbar als äußerst gering bis unwahr­scheinlich beurteilt werden kann, auch wenn ein 100 prozentiger Infektionsschutz generell unmöglich ist.

Pressemeldung des Stadtverkehrs Rosenheim

Rubriklistenbild: © Arne Dedert

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