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Zeitschrift des Historischen Vereins Rosenheim

Nackt in Brannenburg? Überwintern auf der Zugspitze? Buch deckt Geheimnisse aus der Region auf

Freuen sich über die Jahresausgabe des Buches „Das Bayerische Inn-Oberland“: Karl-Heinz Brauner (links) und Simon Hausstätter.
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Freuen sich über die Jahresausgabe des Buches „Das Bayerische Inn-Oberland“: Karl-Heinz Brauner (links) und Simon Hausstetter.

Seit seiner Gründung im Jahr 1901 gibt der Historische Verein Rosenheim in regelmäßigen Abständen ein Jahrbuch heraus. Nach dem Jubiläumsband von 2019 gibt es jetzt eine neue Zeitschrift. Über Nacktheit in Brannenburg und Nationalsozialismus in Rosenheim.

Rosenheim - Zwei Jahre lang hat Simon Hausstetter gesammelt. Er hat Aufsätze gelesen, überlegt, welche Beiträge wie zusammenpassen und hat selbst an einem Text gearbeitet. 730 Tage später hält der stellvertretende Vorsitzende des Historischen Vereins die 115-seitige Zeitschrift in den Händen. Er blättert durch das Buch, zeigt auf die verschiedenen Beiträge, die er in- und auswendig zu kennen scheint.

Gründung eines Schreinerbetriebs in Rosenheim

Da wäre beispielsweise der Text von Manfred D. Fischer, der unter dem Titel „Nicht immer war das Wandern des Müllers Lust“ über den Lebensweg des Schreinergesellen Michael Stark berichtet. In mehreren Kapitel fasst Fischer zusammen, wie es den Schreinergesellen von Landshut nach Rosenheim verschlägt.

Der Leser erfährt, dass Stark in Rosenheim nicht nur seinen eigenen Schreinerbetrieb gründet, sondern auch zum „Magistrathsrath“ gewählt wird - in der heutigen Zeit vergleichbar mit einem Gemeinde- beziehungsweise Stadtrat. „Die Idee zu dem Beitrag kam vom Autor selbst“, erinnert sich Hausstetter. Er habe sich das Manuskript schicken lassen und sei davon „schnell überzeugt“ gewesen. Auch weil die Bebilderung gestimmt habe.

Nationalsozialisten legen Grundstein für Galerie

Zahlreiche Bilder gibt es auch im nächsten Beitrag von Felix Steffan. Steffan ist Kunsthistoriker und hat vor fünf Jahren die Ausstellung „vermacht.verfallen.verdrängt. Kunst und Nationalsozialismus“ in der Städtischen Galerie kuratiert. Während der Ausstellung zeigte die Galerie regionale Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus und setzte sich dabei zugleich kritisch mit der eigenen Entstehungsgeschichte auseinander. „Letztlich waren es die Nationalsozialisten, die auf Drängen des Rosenheimer Kunstvereins den Grundstein für die heutige Galerie legten“, wird Felix Steffan damals zitiert. Mit seinem Beitrag in der Zeitschrift „Das bayerische Inn-Oberland“ des Historischen Vereins gibt er jetzt einen Einblick über Rosenheim als „Kunststadt des Chiemgaus“.

Überwinterung auf der Zugspitze

Einige Seiten weiter folgt ein Beitrag von Simon Hausstetter selbst. Der Bürgermeister der Gemeinde Rohrdorf hat anlässlich des 150. Geburtstags von Josef Enzensberger dessen Text „Acht Tage in der Eng“ kommentiert. Enzensperger war ein Meteorologe und Bergsteiger aus Rosenheim, der unter anderem durch seine zahlreichen Erstbesteigungen bekannt wurde.

So erklomm er 1892 den Ofelekopf im Wettersteingebirge und 1894 die Kleine Halt im Kaisergebirge. Mit 27 Jahren - im Jahr 1900 - überwinterte Enzensperger zudem als erster Beobachter der meteorologischen Station auf der Zugspitze. „Ich halte ihn für sehr interessant“, sagte Hausstetter. Abgesehen von einem Straßennamen sei er in Rosenheim jedoch größtenteils unbekannt. Mit seinem Beitrag will er versuchen, genau das zu ändern.

Licht- und Luftbäder für unbekleidete Gäste

Teil der Zeitschrift sind auch Berichte von Dr. Dr. Georg M. Werner und Professor Dr. Josef Frankenberger. Werner ist Kinderpsychologe und schreibt über das Naturheilbad Erdsegen in Brannenburg. Das Naturheilbad befand sich dort wo jetzt das Bildungshaus Verdi ist und wurde vom Ehepaar Kallmeyer von 1907 bis 1913 betrieben. Angeboten wurden Licht- und Luftbäder für unbekleidete Kurgäste sowie andere Anwendungen.

Maßgeblich am Bau der Soleleitung beteiligt

Professor Dr. Josef Frankenberger, Beiratsmitglied des Historischen Vereins, bringt anlässlich von dessen 260. Geburtstags den Generalsalinenadministrator und Geheimen Finanzreferendar im bayerischen Staatsdienst, Joseph von Utzschneider, wieder in Erinnerung. Als einflussreicher Techniker und Unternehmer war von Utzschneider maßgeblich am Bau der Soleleitung von Reichenhall nach Rosenheim beteiligt und gilt daher als Initiator der Saline Rosenheim. „Er hätte verdient, dass eine Straße nach ihm benannt wird“, ist sich Karl-Heinz Brauner, Vorsitzender des Historischen Vereins, sicher.

250 Ausgaben gedruckt

Er lobt die Arbeit seines Stellvertreters, dem es gelungen sei, „eine Mischung verschiedener heimatgeschichtlicher Themen zusammenzustellen“. Insgesamt sind 250 Ausgaben gedruckt worden, ob sich alle verkaufen, wird sich zeigen. „Bücher kaufen gehört im 21. Jahrhundert nicht mehr unbedingt zu den Hobbys der Menschen“, sagt Simon Hausstetter. Aber, davon ist er überzeugt: „Wenn der Historische Verein keine Bücher mehr macht, wer dann?“.

Deshalb tüftelt er auch bereits an der nächsten Ausgabe. Material gibt es genug. Weitersammeln wird Simon Hausstetter dennoch.

Mehr Informationen

Die Zeitschrift des Historischen Vereins Rosenheim „Das bayerische Inn-Oberland“ kann zu den Öffnungszeiten des Stadtarchivs in der Geschäftsstelle, Reichenbachstraße 1a, abgeholt werden. Aktuelle Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und Donnerstag von 14 bis 16 Uhr. Mitglieder erhalten wie üblich einen Band frei als Jahresgabe. Jedes weitere Exemplar kostet für Mitglieder zwölf Euro und für Nicht-Mitglieder 15 Euro.

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