Offener Brief an Ministerpräsident kritisiert auch Sieben-Tage-Inzidenz

„Irreführend“: Begriff „Corona-Hotspot Rosenheim“ ist OB März ein Dorn im Auge

Oberbürgermeister von Rosenheim Andreas März
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Andreas März ist Oberbürgermeister von Rosenheim.

Rosenheim - Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in der Corona-Pandemie zu einer wichtigen Kennzahl geworden, nach der sich vor allem die Maßnahmen zur Eingrenzung des Infektionsgeschehens richten. Doch es gibt kritische Stimmen aus dem „Corona-Hotspot Rosenheim“ - und zwar von oberster Stelle.

Alleine der Begriff „Corona-Hotspot“ stößt Oberbürgermeister Andreas März sauer auf. „Zusammenfassend ist dieser für die Stadt Rosenheim ein irreführender Alarmismus, der die Bevölkerung in unserer Region unnötigerweise verunsichert und negative Folgewirkungen mit sich bringt. In mehreren Fällen wurden Menschen aus dem Raum Rosenheim in Hotels im Bundesgebiet bereits abgewiesen, weil sie ‚aus einem Hotspot‘ kämen und die Infektion verbreiten würden“, wettert der Oberbürgermeister, der sich mit seinem Anliegen gemeinsam mit RoMed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram bereits Mitte September schriftlich an Ministerpräsident Markus Söder gewandt hatte.

Begriff „Corona-Hotspot“ eine Stigmatisierung für die Betroffenen

Bereits beim Erreichen des Schwellenwerts 50 würden betroffene Regionen als „Hotspots“ bezeichnet. Für die betroffenen Menschen und die verantwortlichen Politiker vor Ort führe dies laut dem Schreiben zu einer „Stigmatisierung ihrer Region“ und baue überdies „weit über das betroffene Gebiet hinaus Druck auf, politische Gegenmaßnahmen zu treffen“.

Erschwerend käme laut dem Schreiben hinzu, dass bei der ersten Welle der Corona-Pandemie im März sowohl von der überregionalen Politik als auch von zahlreichen überregionalen Medien ein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß des Infektionsgeschehens in der Stadt Rosenheim und einem Starkbierfest konstruiert worden sei. „Für den gibt es aber auch heute, sechs Monate später, im Rahmen des Contract tracing nicht einen einzigen belastbaren Beleg.“

Appell in offenem Brief: Stark gefährdete Menschen besser vor Infektionen schützen

Tatsache sei vielmehr, dass sich in den vergangenen zwei Monaten die Anzahl der schwer erkrankten Infizierten in Rosenheim stabil auf niedrigem Niveau halte. Die zur Verfügung stehenden Behandlungsplätze im RoMed-Klinikum seien bei Weitem nicht ausgelastet.

Dass durch die politischen Maßnahmen wie erweiterte Maskenpflicht, Versammlungseinschränkungen, Massentestungen,
Schulschließungen oder gar einem neuerlichen Lockdown für die Bevölkerung eine spürbare Verbesserung eintritt, sei definitiv nicht zu erwarten.

März und Dr. Deerberg-Wittram plädieren vielmehr dafür, das Augenmerk auf die sogenannte Risikostratifizierung zu legen, sprich gezielt stark gefährdete Menschen mit zielorientierten Maßnahmen vor Infektionen zu schützen. Sie sind abschließend überzeugt: „Nur gestützt auf die Sieben-Tage-Inzidenz besteht die beträchtliche Gefahr, dass die Bevölkerung Einschränkungen ihrer Freiheitsrechte auf Dauer nicht mehr mittragen wird.“

Sieben-Tage-Inzidenz: Kennwert in der Corona-Pandemie

Die sogenannte Sieben-Tage Inzidenz findet man auf verschiedenen Websiten für einzelne Kommunen, aber auch auf dem Corona-Dashboard des Robert-Koch-Instituts (RKI). Sie gibt an, wie viele Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen geschehen sind. Damit die Daten vergleichbar sind, wird dabei auf die Anzahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern zurück gerechnet. Sie gilt inzwischen als wichtige Kennzahl, nach der sich die Corona-Maßnahmen richten.

mb

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