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Bundestrainer Joachim Löw hört auf

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Zu Besuch bei Rosenheimer Muslimen

Cetin Fidan und Wolfgang Kopf führten durch die Moschee.
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Cetin Fidan und Wolfgang Kopf führten durch die Moschee.

Rosenheim - Anders, einladend und offen: Am Freitag konnten sich Besucher vom Bildungswerk die Ditib-Moschee ansehen. Rosenheim24-Reporterin Carina Syländer war vor Ort:

Ich gehe über einen großen Platz zwischen Steelcase und Krones. Ob ich hier wirklich richtig bin? Nach einer Moschee sieht es hier nicht aus - das Gebäude ist weiß mit gelb umrandeten Fenstern. Jetzt höre ich Kinder schreien und lachen - sie spielen Fußball auf dem Asphalt und unterhalten sich auf Türkisch. Hier muss ich also doch richtig sein!

In den kommenden zwei Stunden begleitet mich immer wieder ein süßlicher Geruch, ich erlebe eine intensivere Gemeinschaft als den meisten unserer christlichen Gemeinden und bekomme einen Einblick in das Innenleben dieser Gemeinde.

"Schuhe aus!"

Gespannt gehe ich auf das Gebäude zu. Ich sehe schon von weitem, dass viele Leute da sind. Zwei Männer stehen rechts und links vom Eingang und lächeln mich an, als ich die Türe öffne. Ein süßlicher Geruch schlägt mir entgegen, daran muss ich mich erst mal gewöhnen. "Schuhe aus" - das ist der erste Satz den ich zu hören bekomme. Alle, die in die Moschee gehen wollen, müssen ihre Schuhe ausziehen.

Beim Betreten der Moschee müssen die Schuhe ausgezogen werden.

Die beiden Männer führen mich und die Besuchegruppe vom Katholischen Bildungswerk, etwa 20 weitere, eine Treppe hinauf. Was mir sofort auffällt: Der ganze Boden ist mit Teppich ausgelegt. Die Spitzen vom Teppich zeigen in dieselbe Richtung. Was das wohl bedeuten mag? Diese Frage wird sich später aufklären.

Im Gebetsraum stellen sich die Männer vor. Cetin Fidan ist Mitglied der Gemeindeleitung der Ditib-Moschee und wird zusammen mit seinem Sohn die Führung übernehmen. Wolfgang Kopf ist Geschäftsführer vom Katholischen Bildungswerk - durch ihn und die Ditib-Gemeinde ist diese Führung für Christen zustande gekommen. Herr Fidan sagt, dass sich die Christen und die Muslime zum Friedensgebet in der Moschee - und auch in der Kirche - treffen. Durch diese Führung sollen auch Menschen von anderen Religionen über die der Muslime erfahren.

Die Frauen besprechen die Pilgerfahrt nach Mekka

In drei Gruppen werden wir jetzt durch die Moschee geführt. Erste Station: Die Küche! Unser Führer erklärt, dass sich hier eine Küche zum gemeinsamen Fastenbrechen im Fastenmonat Ramadan befindet. Er hält mir die Tür auf - es riecht wieder süßlich nach Essen - vielleicht gibt es Kuchen? Aus einem Raum kann ich Lachen und angeregte Unterhaltungen vernehmen. Unsere Gruppe folgt den Geräuschen und wir landen in einem großen Raum mit vielen Bierbänken. "Die Frauen treffen sich hier heute zum letzten Mal vor ihrer Pilgerfahrt nach Mekka", erklärt Herr Fidan. Neben der Abschlussbesprechung wird gegessen. Muffins, Donuts, Schokoladenkuchen, Salate und viele andere Gerichte stehen auf dem Biertisch. Hier werde oft zusammen gekocht und gegessen, wird mir mitgeteilt. Das ist ganz anders bei uns Christen. Wir gehen in die Kirche - dann vielleicht noch ans Familiengrab. Danach wieder nach Hause.

Anders als die Vorurteile glauben lassen, erscheinen mir hier die Frauen sehr gleichberechtigt. In der Rosenheimer Moschee sind sogar zwei Frauen im Gemeindevorstand.

Eindrücke vom Moscheebesuch

Hier müssen die Schuhe abgestellt werden.
Hier müssen die Schuhe abgestellt werden. © cSy
Eindrücke vom Moscheebesuch.
Eindrücke vom Moscheebesuch. © cSy
Eindrücke vom Moscheebesuch.
Eindrücke vom Moscheebesuch. © cSy
Cetin Fidan, der Imman und der Sohn von Cetin Begrüßen die Teilnehmer.
Cetin Fidan, der Imman und der Sohn von Cetin Begrüßen die Teilnehmer. © cSy
Eindrücke vom Moscheebesuch.
Eindrücke vom Moscheebesuch. © cSy
Cetin Fidan und Wolfgang Kopf.
Cetin Fidan und Wolfgang Kopf. © cSy
Diese Frauen trafen sich zum letzten mal vor ihrer Pilgerfahrt nach Mekka.
Diese Frauen trafen sich zum letzten mal vor ihrer Pilgerfahrt nach Mekka. © cSy
Eindrücke vom Moscheebesuch.
Eindrücke vom Moscheebesuch. © cSy
Ein Klassenzimmerschild - hier können die Kinder freiwillig Grundkenntnisse in Islam und Arabisch lernen.
Ein Klassenzimmerschild - hier können die Kinder freiwillig Grundkenntnisse in Islam und Arabisch lernen. © cSy
Eindrücke vom Moscheebesuch.
Eindrücke vom Moscheebesuch. © cSy
Hier findet die rituelle Waschung statt.
Hier findet die rituelle Waschung statt. © cSy
Eindrücke vom Moscheebesuch.
Eindrücke vom Moscheebesuch. © cSy
Eindrücke vom Moscheebesuch.
Eindrücke vom Moscheebesuch. © cSy
Der Gebetsraum der Frauen.
Der Gebetsraum der Frauen. © cSy
Eindrücke vom Moscheebesuch.
Eindrücke vom Moscheebesuch. © cSy
Eindrücke vom Moscheebesuch.
Eindrücke vom Moscheebesuch. © cSy
Die Männer beim Gebet.
Die Männer beim Gebet. © cSy
Beim Gebet predigt der Imman.
Beim Gebet predigt der Imman. © cSy
Cetin Fidan übersetzt etwas aus dem Koran, neben ihm der Imman.
Cetin Fidan übersetzt etwas aus dem Koran, neben ihm der Imman. © cSy

Islamunterricht am Wochenende - und das freiwillig!

Herr Fidan führt uns eine Treppe hinauf. An drei Türen hängen Schilder: "Klasse A", "Klasse B" und "Klasse C". Hier befinden Klasenräume für Kinder. Sie können am Samstag und Sonntag zwischen 10.00 und 13.00 Uhr Unterricht in Islam bekommen. Mädchen und Jungen lernen hier getrennt die Grundkenntnisse in Islam und Arabisch, um später den Koran lesen zu können. Pro Wochenende kommen zwischen 100 und 120 Kinder und Jugendliche - und das freiwillig!

Freiwilliger Islamunterricht für Kinder am Wochenende.

Ich erfahre, dass das Gelände der Ditib-Gemeinde schon seit 1970 gehört - vorher war hier die Telekom. Jetzt geht's wieder zurück in das Moschee-Gebäude, und das heißt wieder: Schuhe aus. Herr Fidan führt uns in den Waschraum, in dem die rituelle Gebetswaschung stattfindet. Männer und Frauen waschen sich hier getrennt vor dem Gebet Hände, Arme und Füße. Das soll als die Reinigung dienen. Diese Waschung ist mit unserem Kreuzzeichen gleichzustellen.

Herr Fidan führt uns vom Waschraum in einen Freizeitraum. Hier stehen zwei Computer, Fernseher, Dartscheibe und ein Kicker. Dieser Raum ist für Jugendliche. Aus einem Raum gegenüber kommt wieder ein süßlicher Duft. Apfel, Zimt und Tee. "In der Teestube treffen sich alle Mitglieder der Gemeinde vor dem Gebet um sich über ihren Tag oder ihre Woche austauschen zu können", erklärt uns unser Führer. Wieder etwas, was wir Christen eigentlich nicht tun!

Hingebungsvolle Gebete

Das Gebet ist fünf mal am Tag. Um 5.30, 13.00, 17.00, etwa 21.15 Uhr und in der Nacht. Im Gebetsraum angekommen beschreibt uns eine Frau was die Gegenstände bedeuten. Jetzt erfahre ich auch warum die Teppichspitzen in die gleiche Richtung zeigen. Zusammen mit der Gebetsnische und der Gebetskanzlei zeigen sie nämlich in die Richtung von Mekka.

Zum Schluss der Führung darf unsere Gruppe noch an einem Abendgebet teilnehmen. Alle Männer knien sich Richtung Mekka auf den Boden. Ein junger Mann beginnt zu singen - richtig heißt es rezitiert - und ruft so zum Gebet aus. Er ruft, dass Allah der Größte ist, dass es keinen anderen Gott als ihn gibt, und dass Mohammed sein Prophet ist.

Mehrmals stehen die Betenden auf, knien sich wieder hin und neigen ihr Gesicht zum Boden. Der Iman beginnt mit seiner Predigt. Alle stehen dann auf und haben ihre Hände an ihre Ohren. Der Iman rezitiert und flüstert teilweise - ich kann von dem Gebet nichts verstehen. Ungefähr zehn bis 15 Minuten predigt er, danach verteilen sich alle Männer und teilen Ketten aus, die dem Rosenkranz ähneln. Der Iman rediziert, dann ist es kurz still. Zusammen mit der Gruppe sprechen wir mit ihm noch ein Bittgebet.

cSy

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