Güter auf die Schiene – jetzt die Gelegenheit wahrnehmen

Offener Brief der Parents-for-Future an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

Rosenheim - die Ortsgruppe der Parents-for-Future hat einen offenen Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer geschrieben, diesen zur Information auch an MP Markus Söder, Bundesumweltministerin Svenja Schulze, dem DB-Vorstand und an den BDI geschickt. 

Die Pressemeldung im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bundesverkehrsminister Scheuer, 

Zunächst möchten wir uns kurz vorstellen. Wir, die Parents For Future Bewegung, sind eine stark wachsende, gut vernetzte zivilgesellschaftliche Interessensgruppe, die sich für die Ziele der Fridays For Future-Bewegung einsetzt. Diese bestehen zusammengefasst darin, das Pariser Klimaschutzabkommen (Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit) durch verbindliche politische Vorgaben umzusetzen. Viele von uns sind Eltern oder Großeltern und sehen sich auch in dieser Rolle in der Verantwortung, nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. 

Um die oben genannte Begrenzung der Erderwärmung anteilig im Verkehrssektor bei weitgehender Beibehaltung unseres gehobenen Lebensstils einzuhalten, sehen wir die Notwendigkeit, den Gütertransport von der Straße auf die Schiene zu verlegen. Denn der Anteil der auf der Schiene transportieren Güter beläuft sich bislang lediglich auf 18,5%. Die Klimakatastrophe ist inzwischen auch in unseren Breiten so deutlich zu spüren, dass wir die eingeforderte Maßnahme als unseren Anspruch ansehen. 

Welche Klimaschäden müssen denn noch eintreten, damit überfällige, das Klima entlastende Entscheidungen endlich getroffen werden? Ganz zu schweigen von Ihrer mit diesem Unterlassen verbundenen Mitverantwortung an dem Bruch eines internationalen Vertrages. Wie kann die Politik Vertragstreue und gesetzmäßiges Verhalten von der deutschen Bevölkerung einfordern, wenn sie sich selbst zu deren Lasten nicht an Verträge hält? 

Wieso unterbleibt die überfällige politische Weichenstellung insbesondere auch angesichts folgender Umstände? 

1. Infolge der Coronakrise kommt es zu massiven LKW-Staus an den Grenzen und dadurch sogar schon zu Versorgungsengpässen bei kleineren Obst- und Gemüsehändler in Deutschland. Dies könnte bei deren Transport durch die Bahn vermieden werden. Warum erfolgt dies nicht, obwohl sogar die Versorgungssicherheit der Bevölkerung betroffen ist? 

2. Beispielsweise im Inntal ist die Bestandsstrecke des Brennernordzulaufs noch nicht einmal zu 50% ausgelastet. Wieso wird sie noch nicht einmal jetzt vermehrt genutzt, wenn die Versorgungssicherheit der Bevölkerung betroffen ist (und auch um die Luftqualität zu verbessern)? Es drängt sich auf, dass ein Nutzungswille gar nicht gegeben ist. In diesem Zusammenhang möchten wir auch erwähnen, dass vor diesem Hintergrund die geplante Neubaustrecke im Inntal als Brennernordzulauf noch absurder erscheint. Bei einem fehlenden Nutzungswillen muss die mit dem Neubau der Strecke einhergehende massive Zerstörung höchst schützenswerter Natur als mutwillig bezeichnet werden. Wieso wird die Strecke nicht jetzt genutzt, aber ein Neubau der Trasse soll gerechtfertigt sein? Welche Ziele werden tatsächlich mit dem Neubau verfolgt? Wird der Ausbau der als klimaverträglich geltenden Bahn gegebenenfalls nur als Vorwand für die Verfolgung von nicht mit den Klimazielen zu vereinbarenden Anliegen missbraucht? 

Wir fordern, dass Sie die Corona Krise als Chance nutzen, nachhaltige klimapolitische Entscheidungen zu treffen, vorliegend den Gütertransport ab sofort auf die Schiene zu verlegen. Bitte teilen Sie uns mit, was dem ggf. entgegensteht. Auch bitten wir freundlich um Beantwortung der weiteren im Text aufgeworfenen Fragen. 

Wir bitten freundlich um einen Termin, sehr gerne auch per Videokonferenz.

In der Anlage überlassen wir Ihnen als kleines Geschenk eine Gesichtsmaske im Design der „global warming stripes“. https://en.wikipedia.org/wiki/Warming_stripes

Wie Bundesumweltministerin Svenja Schulze sehen auch wir einen engen Zusammenhang zwischen Klima- und Corona Krise und die Notwendigkeit einer beherzten, konsistenten und wirksamen Bewältigungsstrategie. 

Mit freundlichen Grüßen 

Sibylle Killinger 

i.V. von Parents For Future Ortsgruppe München

Pressemeldung der Parents for Future

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