Rosenheimer und Traunsteiner Kandidaten streiten öffentlich 

Nach Merkel-Protest: Riesen Ärger in der AfD

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Diese Szene (rechts) löste den Parteistreit aus: Nach Beginn der Merkel Rede stürmte Traunsteins AfD-Kandidat Hans-Jörg Müller zusammen mit weiteren Anhänger in Richtung Max-Josefs-Platz. Zurück blieben letztlich nur eine Handvoll AfD-Anhänger sowie der Rosenheimer Kandidat Andreas Winhart (links) und der Kreisvorsitzende Franz Bergmüller.
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Rosenheim - Die Proteste gegen Kanzlerin Merkel in Rosenheim haben ein Nachspiel: Nun gibt es innerhalb der AfD einen Streit über eine mögliche negative Außenwirkung. 

Auf Anfrage von rosenheim24.de beschwerte sich der Rosenheimer AfD-Bundestagskandidat Andreas Winhart über das Verhalten des Traunsteiner Bundestagskandidaten Hans-Jörg Müller. "Das wird noch ein Nachspiel haben", drohte Winhart.

Er distanzierte sich ausdrücklich von Müller, der die AfD-Kundgebung an der Rathausstraße verlassen und einen Demonstrationszug zum Max-Josefs-Platz angeführt hatte. Unsere Redaktion konnte von dieser Szene ein Foto schießen. 

Gegenwind in der eigenen Partei

"Er hat sich dazu hinreißen lassen", so Winhart. Dafür bekomme er nun "Gegenwind in seiner eigenen Partei, auch von seinem Kreisverband". Er kündigte an, dass Müller erstmal nicht mehr in Rosenheim auftreten dürfe.

Viele Rosenheimer äußerten sich über unsere Facebook-Seiten empört über die ohrenbetäubenden Proteste. Es sei eine "Schande" und "peinlich für Rosenheim", was sich auf dem Max-Josefs-Platz abspielte. Möglicherweise befürchtet Winhart deshalb nun negative Auswirkungen für seine Kandidatur und den AfD-Kreisverband, zumal er eine unabhängige Gegenkundgebung organisiert hatte. 

Müller: "Wenn man Probleme damit hat, zu kommunizieren" 

Gegenüber unserer Redaktion äußerte sich Müller überrascht über die Äußerungen von seinem Parteikollegen. Der AfD-Kandidat für den Wahlkreis Traunstein räumte ein, dass es über die Rosenheimer Ereignisse einen regen Schriftverkehr in der Partei gibt. "Dass Herr Winhart dieses nun öffentlich macht, ist aber höchst interessant...", so Müller verwundert am Telefon. 

Dass er sich den Protesten angeschlossen hat, erklärte Hans-Jörg Müller damit, dass er vorher nicht über die Auflagen der AfD-Kundgebung informiert worden sei. "Mir war nicht bekannt, dass wir nicht herübergehen durften, sonst wäre ich gar nicht auf die andere Seite gegangen." 

Dann teilt Müller selbst gegen Winhart aus: "Wenn man Probleme damit hat, sich zu artikulieren und im Vorfeld ordentlich zu kommunizieren, ist das nicht meine Schuld!" 

Sein Rosenheimer Kollege sei aber weiterhin eingeladen, bei seiner Abschlussveranstaltung am Samstag in Traunstein aufzutreten. 

AfD-Demonstranten gegen Merkel in Rosenheim

Winhart zeigt sich zufrieden mit der AfD-Kundgebung

Insgesamt äußerte sich Andreas Winhart gegenüber rosenheim24.de zufrieden mit der AfD-Gegenkundgebung zum Besuch von Angela Merkel. "Wir haben uns über den großen Zuspruch gefreut. Nach unserer Schätzung kamen 300 bis 350 Personen", so der Bundestagskandidat. 

Die Frage, ob die organisierten Störer mit Trillerpfeifen und "Merkel hasst Deutschland"-Plakaten "Antidemokraten" seien, verneinte Winhart. Er selbst hatte den Begriff "Antidemokraten" für diejenigen verwendet, die AfD-Wahlplakate zerstören, weil sie nicht die Meinung politisch Andersdenkender im öffentlichen Raum aushalten können

Die Störer auf dem Max-Josefs-Platz hätten vielleicht "einen rauen oder schlechten Umgangston, aber das habe ich nicht zu bewerten", erklärte der Politiker. Dieses Verhalten entspreche nicht seinem persönlichen Stil, so Winhart. Er betonte, dass er während der ganzen Merkel-Rede am AfD-Wahlmobil geblieben sei. 

Man könne die AfD aber nicht für die Wut auf die Kanzlerin unter normalen Bürgern verantwortlich machen. Auffällig war jedoch, dass nach Beginn der Rede Merkels plötzlich Leere vor der AfD-Bühne herrschte. Vorher waren hier noch Hunderte Menschen ringsum versammelt und beklatschten die Reden der AfD-Politiker.  

Winhart und der Rosenheimer AfD-Kreisverband hatten im Vorfeld damit mobilisiert, dass Bürger der Kanzlerin ihre "Abneigung in Rufweite" mitteilen sollten.

Bilder von dem Besuch der Kanzlerin Merkel in Rosenheim

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