"Weg in eine Sackgasse"

Brenner-Nordzulauf: Bahn weist Ausbaukonzept von Vieregg-Rössler zurück

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Manuel Gotthalmseder erläutert die Untersuchungen der Bahn zur Studie von Vieregg-Rössler

Rosenheim - Im Juli dieses Jahres haben Kritiker der neuen Bahntrasse durch das Inntal und den Landkreis Rosenheim ein neues Gutachten des Planungsbüros Vieregg-Rössler vorgestellt, das belegen soll, dass die bestehende Tasse den Anforderungen an den Brenner-Nordzulauf gerecht wird. Die Bahn bezieht nun Stellung zu dieser Studie.

Die alte Trasse kann die künftigen Ansprüche an den Brenner-Nordzulauf decken - so lassen sich die Aussagen von Bürgerinitiativen und Bund Naturschutz im Juli 2019 bei einer Pressekonferenz in München zusammenfassen. Das belegt eine von den Initiativen in Auftrag gegebene Studie des Münchner Verkehrsbüros Vieregg-Rössler.

Die Deutsche Bahn weist das Ausbaukonzept des Planungsbüros nun deutlich zurück. Die Untersuchung im Auftrag von Bürgerinitiativen basiere - so die Bahn - auf falschen technischen Annahmen, verschlechtere sogar den heutigen Regional- und Güterverkehr und hätte mehrjährige Verkehrseinschränkungen sowie große Anwohnerbelastungen zur Folge.

„Dieses Konzept ist fachlich gesehen der Weg in eine Sackgasse“, so Matthias Neumaier, DB-Gesamtprojektleiter Brenner-Nordzulauf, am Montag bei der Erläuterung der Stellungnahme der Bahn. „So erreicht man nicht das große Ziel, deutlich mehr Kapazität für den Schienenverkehr der Zukunft zu schaffen. Stattdessen würde man mehr Belastungen für die Menschen entlang der Strecke erzeugen.“

Ausmaße wie eine 3/4-Neubaustrecke

Hier können Sie die ausführlichen Anmerkungen der Bahn zum Ausbaukonzept der Bestandsstrecke nachlesen

Die DB habe das Konzept fachlich geprüft und dabei eine Reihe von planerischen Fehlern entdeckt: So rechne die Vieregg-Rössler GmbH den Flächenbedarf zu klein, weil gängige Regeln und Vorschriften missachtet werden, so die Bahn. Ideen für Teilabschnitte sollen nicht zu den heutigen sicherheitstechnischen Vorgaben, beispielsweise bei Tunnelbauten, passen. Auch betriebliche und verkehrliche Folgen werden ausgeblendet. So könnte nach dem Ausbaukonzept künftig der Güterverkehr aus Rohrdorf nicht mehr in den Rosenheimer Bahnhof einfahren. Dort wäre es auch nicht mehr möglich, dass die Meridian-Züge kuppeln und flügeln. Deutliche Verschlechterungen für den wichtigen Nahverkehr wären die Folge.

„Nachdem die Autoren nach ihrer ersten Konzeptvorstellung Anfang Juli schon einmal nachgebessert hatten, haben uns die fachlichen Probleme überrascht“, so Neumaier. „Dieser Vorschlag einer ausgebauten Bestandsstrecke erscheint wie eine ¾-Neubaustrecke, denn auf einer Länge von 29 Kilometern müsste Platz für neue Gleise geschaffen werden.“ Außerdem machen Planungsfehler die vorgeschlagene Trassenführung vielerorts obsolet. So sehe die Vieregg-Rössler GmbH Tunnelbereiche an dafür ungeeigneten Stellen vor.

Die DB verweist des Weiteren darauf, dass mit diesem Ausbaukonzept eine mehrere Jahre andauernde Bauphase entlang der bestehenden Gleise mitsamt der Ortsdurchfahrten die Folge wäre. Dabei entstünden zwangsläufig hohe Belastungen für die Anwohner – während, aber auch nach den Bauarbeiten. Außerdem seien erhebliche oft monatelange Verkehrseinschränkungen mit Totalsperrungen zu befürchten. Dies würde sowohl den internationalen Zugverkehr als auch den Regionalverkehr stark beeinträchtigen.

jb/Pressemitteilung DB Netzte AG

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