Zwei Milchbauern über die Schließung des Danone Werks in Rosenheim

"Wir können viel leisten, aber nicht von heute auf morgen"

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Regina und Sebastian Haas sind einer von über 220 Milchviehbetrieben, die von der Schließung des Danone Werks in Rosenheim betroffen sind
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Rosenheim/Schechen - Danone schließt das Milchwerk in Rosenheim. Rund 160 Mitarbeiter sind direkt betroffen. Aber auch rund 220 Milchviehbetriebe in der Umgebung müssen sich einen neuen Abnehmer suchen. rosenheim24.de hat mit zwei Milchbauern aus der Region gesprochen.

Der französische Lebensmittelkonzern Danone hat am Mittwoch angekündigt, sein Werk in Rosenheim zum 31. Juli 2021 zu schließen. Das Unternehmen führt als Grund einen Rückgang der Auslastung um rund 70 Prozent in den vergangenen zehn Jahren an. "Es zeichnete sich schon seit zehn Jahren ein kontinuierlicher drastischer Rückgang von bis zu 70 Prozent ab", bestätigte auch Danone-Pressesprecherin Susanne Knittel im Gespräch mit rosenheim24.de. "Die Anlagen, die wir im Werk Rosenheim haben, sind nicht auf die aktuellen Marktbedürfnisse ausgerichtet. Da hätte man zu viel investieren müssen, um sich auf die neuen Konsumentenbedürfnisse einzustellen." 

"Im ersten Moment waren wir natürlich überrascht"

Wir haben mit den Milchbauern Sebastian und Regina Haas aus der Gemeinde Schechen, die Danone beliefern, über die bevorstehende Schließung gesprochen. Die Beiden haben einen Milchviehbetrieb mit 80 Kühen, den sie 2006 von Sebastians Vater übernommen haben. Bereits sein Vater belieferte Danone mit seiner Milch. "Vor Danone/Gervais war an dem Standort eine Genossenschaftsmolkerei der Bauern, dorthin hat unser Betrieb schon seine Milch geliefert", sagt Sebastian. "Und seitdem liefern wir bis heute."

Im ersten Moment seien sie von der Nachricht über die Schließung natürlich überrascht gewesen. "Die Zusammenarbeit mit der Molkerei war jederzeit gut", erzählt Sebastians Frau Regina. "Es hat sich aber in den letzten Jahren abgezeichnet, dass sich vermutlich etwas ändern wird. Die Milchanlieferungsmenge wurde stetig reduziert. Wir haben immer noch gehofft, dass sich Danone Rosenheim noch in eine Richtung spezialisieren wird." Ob Weidemilch oder Bio, das Ehepaar wäre für alles offen gewesen. Durch den Kontakt zu den Mitarbeitern hatten die beiden Milchbauern auch den Eindruck, dass alle um das Werk bemüht waren. "Aber es steht ein großer Konzern ganz oben", sagt Regina.

Wie geht es für die Beiden weiter?

Das Ehepaar Haas blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft: "Es sind jetzt noch eineinhalb Jahre Zeit bis zum Vertragsende. Wir haben eine Milcherzeugergemeinschaft, die gut organisiert ist. Wir produzieren ein hochqualitatives Lebensmittel, welches unter strengen Kontrollen und staatlichen Auflagen steht. Wir sind gerne Milchbauern und wir sind stolz auf unser Produkt. Wir haben in unserer Region einige Molkereien, die unsere Milch sehr hochwertig veredeln", sagen sie. Ihr Wunsch wäre, dass ihre Milch auch regional verarbeitet und verkauft wird. "Auch wir kaufen am liebsten Produkte, die aus unseren wertvollen Rohstoffen erzeugt werden."

Gibt es Unterstützung?

Dem Ehepaar sei Unterstützung von der Molkerei zugesagt worden. Sie haben dazu eine klare Haltung: "Unterstützen kann jeder indem er die hochwertigen veredelten Produkte aus unserer Region kauft. Wir brauchen keine irische Butter oder französischen Käse. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah ist! Gleichzeitig kann ich etwas für den Klimawandel tun, indem ich die langen Transportwege unterbinde. Momentan ist wieder grüne Woche in Berlin. Wir waren vor zwei Jahren dort. Die Bayernhalle war überfüllt, jeder möchte den Käse und die Milchprodukte aus unserer Voralpenlandregion probieren. Das hat uns in unserer Arbeit bestärkt."

Welche Auswirkungen hat die Schließung auf die Milchbauern in der Region?

Sebastian und Regina sehen den Wandel in der Landwirtschaft. "In den letzten Jahren haben leider schon sehr viele landwirtschaftliche Betriebe in unserer Region aufgehört. Die Landwirtschaft ist momentan extrem im Wandel. Für die kommenden großen Herausforderungen im Bereich Ernährung und Klimaschutz ist unsere Landwirtschaft existenziell. Wir sind bestens ausgebildet und können viel leisten, aber nicht von heute auf morgen. Auch denke ich, dass in unserer Region viele Betriebe abhängig sind von der Landwirtschaft. Die Schließung von Danone macht uns natürlich alle nachdenklich und besorgt, aber wir wissen, dass qualitative Milchprodukte mit Tierwohl auf hohem Niveau immer gefragt sein werden."

jb

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