Das Abschiedsgespräch nach 18 Jahren Oberbürgermeisterin

Gabriele Bauer im Interview: Corona, ihr Dackel Otto und schöne Momente 

Interview mit Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zum Ende ihrer Amtszeit
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18 Jahre lang war Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer im Amt. Sie geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Rosenheim - Am 1. Mai endet die Amtszeit von Gabriele Bauer (CSU) nach 18 Jahren. Im Interview mit rosenheim24.de spricht die Rosenheimer Oberbürgermeisterin über die Corona-Krise, besondere Momente und ihre Zukunftspläne.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer trat 2020 nicht mehr zur Wahl an. Parteikollege Andreas März wurde zu ihrem Nachfolger gewählt. Die Wahl zu ihrer letzten Amtsperiode 2014 war eine deutliche Angelegenheit. Sie setzte sich mit 69,1 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang durch. Nun geht die 68-Jährige in den verdienten Ruhestand. Im Interview mit rosenheim24.de blickt sie auf ihre Amtszeit zurück und verrät ihre Zukunftspläne.

rosenheim24.de: Liebe Frau Bauer, Sie sind jetzt nur noch wenige Tage im Amt. Welches Gefühl überwiegt mehr? Wehmut oder Freude? 

Bauer: Da kann ich nur mit dem Klassiker antworten: Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. 

rosenheim24.de: Fällt es Ihnen aufgrund der Corona-Krise schwerer das Zepter an Andreas März weiterzureichen? Würden Sie am liebsten selbst weiter mithelfen, die Krise zu überstehen? Was haben Sie hierzu bereits unternommen? Ist die Corona-Krise die schwierigste Situation in ihrer Amtszeit? 

Bauer: Nein, das ist ein demokratischer Prozess, auf den das Virus keinen Einfluss hat. Die Arbeit in der Führungsgruppe Katastrophenschutz wird auch ohne mein Zutun nahtlos weitergehen. Die Einflussmöglichkeiten einer Oberbürgermeisterin bei einer weltweiten Pandemie sind beschränkt. Soweit es mir möglich war, habe ich mein politisches Gewicht zugunsten Rosenheims eingesetzt. Ich bin kein Freund davon, Krisen gegeneinander aufzurechnen. Unfälle, Feuer, Hochwasser, Finanzkrise oder jetzt die Corona-Pandemie – jede einzelne dieser Situationen war schwierig. Gemeinsam ist ihnen allen nur eines: Rosenheim hat sie bisher alle gemeistert. Deshalb bin ich sicher: Wir bewältigen auch Corona. 

rosenheim24.de: In Ihren 18 Jahren gab es viele Höhen und Tiefen. Was war besonders positiv? Und was negativ? 

Bauer: Die Fusion der Kliniken aus Stadt und Landkreis Rosenheim zu den RoMed Kliniken war ein wichtiger Schritt zur qualitätvollen Sicherung der medizinischen Versorgung der Menschen in der Region. Besonders wichtig waren mir auch die Investitionen in die Kinderbetreuung und den Ausbau und die Modernisierung der Schulen. Ich bin dankbar, dass diese Entscheidungen stets in großer Einmütigkeit und parteiübergreifend vom Stadtrat entschieden wurden. Dankbar bin ich auch über zahlreiche Infrastrukturprojekte wie die Eröffnung der Spange Panorama-Schwaig oder die Entwicklung auf dem Bahnareal Nord. Ein besonderer Höhepunkt war natürlich die Landesgartenschau 2010, mitsamt all ihren städtebaulichen Verbesserungen für Rosenheim. Negative Ereignisse bleiben nicht aus. Ich habe die dramatischsten bereits genannt: die Finanzkrise 2008, die europäische Staatsschuldenkrise, das Hochwasser 2013 und die derzeitige unsichtbare Gefahr durch das Coronavirus.

rosenheim24.de: Zwei große Themen der Stadt sind ja der Verkehr und der knappe Wohnraum. Wie bewerten Sie diese Thematiken abschließend? 

Bauer: Abschließend geht das sicherlich nicht. Aufgrund des auch in den kommenden Jahren anhaltenden Zuwanderungsdrucks nach Rosenheim bleibt die Schaffung von Wohnraum ein Schwerpunktthema der Stadtpolitik. Insgesamt wird in Rosenheim derzeit Baurecht für fast 1.200 Wohneinheiten geschaffen, für die in diesem und im kommenden Jahr Baubeginn sein kann. Fast 230 Wohneinheiten davon entstehen im geförderten Wohnungsbau für sozial Schwächere. Damit wird in Rosenheim so viel Wohnraum geschaffen wie seit vielen Jahren nicht. In der Verkehrspolitik war es mir immer wichtig die Menschen nicht zu bevormunden und die Verkehrsmittel Kfz, ÖPNV, Fahrrad und den Fußgängerverkehr nicht gegeneinander auszuspielen. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen sich mit dem Verkehrsmittel ihrer Wahl sicher in Rosenheim bewegen können. 

Auch auf dem Rosenheimer Herbstfest schwang Gabriele Bauer den Dirigierstab. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2014.

rosenheim24.de: Wie hat sich die Stadt in den letzten 18 Jahren gewandelt? 

Bauer: Trotz Zuzug, Wachstum und vielen städtebaulichen Veränderungen hat sich die Identität unserer Stadt nicht verändert. Rosenheim ist und bleibt liebenswerte Heimat für Menschen aus der ganzen Welt. 

rosenheim24.de: Was haben Sie am Anfang am Oberbürgermeisteramt unterschätzt? 

Bauer: Ich bin mit großem Respekt als Oberbürgermeisterin gestartet. Durch meine Tätigkeit als Bezirksrätin und als CSU-Fraktionsvorsitzende im Rosenheimer Stadtrat war ich zwar kein politischer Frischling mehr, dennoch war die Komplexität der Aufgaben als Verwaltungschefin nochmal ein anderes Kaliber. Zum Glück hatte ich ein eingespieltes Verwaltungsteam an meiner Seite. 

rosenheim24.de: Welche typischen Fehler machen neugewählte Bürgermeister? 

Bauer: Den typischen Fehler gibt es sicherlich nicht. Da machen die Kolleginnen und Kollegen ihre ganz eigenen Erfahrungen. Bei mir war es die Umgewöhnung von der CSU-Fraktionsvorsitzenden im Rosenheimer Stadtrat zur Oberbürgermeisterin, die als kommunale Wahlbeamtin zur politischen Neutralität verpflichtet ist. 

rosenheim24.de: Was war das kurioseste, lustigste Erlebnis in Ihrer Amtszeit? 

Bauer: Das kurioseste Erlebnis ist mir tatsächlich erst im vergangenen Jahr passiert. Ich hatte eine Trauung am Samstag um 11 Uhr zugesagt. Vorher war ich noch mit meinem Dackel Otto Gassi gehen. Dabei ist er mir ausgekommen. Bei der Suche nach ihm vergaß ich die Zeit. Bis zum Anruf aus dem Rathaus. Ein Kollege aus dem Standesamt wollte wissen, ob ich noch komme, die Hochzeitgesellschaft wäre komplett. Mittlerweile war Otto gefunden und mit etwas Verspätung konnte ich die Brautleute dann doch noch verheiraten.

rosenheim24.de: Haben Sie schon Pläne für den Ruhestand? 

Bauer: Ja, ich liebäugele mit einem Philosophie-Studium. 

rosenheim24.de: Was werden Sie am meisten an der Arbeit als Oberbürgermeisterin vermissen? 

Bauer: Mein Vorzimmer, das mir meine Arbeitstage stets perfekt strukturierte. 

rosenheim24.de: Worüber sind Sie froh, dass Sie davor jetzt ihre Ruhe haben?   

Bauer: Vor den vielen Abend- und Wochenendterminen.

rosenheim24.de: Vielen Dank und alles Gute für die Zukunft.

jb

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