Rosenheim will Fair Trade Stadt werden:

"Die dritte Welt darf nicht in Vergessenheit geraten"

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Rosenheim - Egal ob beim Kaffee oder Textilien: Auch die Stadt will künftig ihren Betrag zur globalen Gerechtigkeit leisten. Wie das Gütesiegel das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen soll:

"Es ist wichtig, dass wir nicht nur das Beste aus den Entwicklungsländern herausholen. (...) Es geht darum, die Lebensverhältnisse in den Erzeugerländern zu verbessern. Dadurch gelingt es uns vielleicht auch, derzeitige Fluchtursachen zu bekämpfen", fasst Robert Multrus, Stadtrat und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler die Bestrebungen zusammen, das Gütesiegel "Fair Trade" in der Stadt weiter bekannt zu machen. Per Stadtratsbeschluss soll künftig sogar die ganze Stadt unter diesem Motto stehen.

Was muss Rosenheim leisten, um "Fair Trade Stadt" zu werden?

Insgesamt fünf Kriterien müssen erfüllt sein, damit sich Rosenheim künftig als "Fair Trade Stadt" bezeichnen darf, so Dr. Beate Burkl, Stadträtin und dritte Bürgermeisterin von Rosenheim. "Zuerst brauchen wir den Stadtratsbeschluss. Dieser soll in der Sitzung am 16. März getroffen werden. Auch die anderen Fraktionen haben bereits jetzt ihre Bereitschaft signalisiert, dem Vorhaben zuzustimmen". Bei den restlichen Punkten hätten die Beteiligten in ausschließlich ehrenamtlicher Arbeit bereits vor gemauert, so Dr. Burkl weiter. Am Montag traf sich die eigens dafür ins Leben gerufene Steuerungsgruppe zum ersten Mal öffentlich.

Weitere Kriterien für den Erhalt des Gütesiegels seien darüber hinaus eine eigene Pressearbeit, das Vorhandensein von Fair Trade Produkten in örtlichen Geschäften und die Beteiligung unterschiedlicher Gruppen. "Mindestens gefordert sind dabei 13 Einzelhändler, die mindestens zwei Produkte anbieten. Zusätzlich müssen auch sieben gastronomische Betriebe Fair Trade Artikel auf der Speisekarte vorweisen," so Dr. Beate Burkl im Gespräch mit rosenheim24.de weiter. Insgesamt zählt die Stadträtin in der Stadt aber bereits 30 Geschäfte und rund 10 Gaststätten, die somit diese Vorgaben erfüllten.

Wer beteiligt sich an der Aktion?

Und auch die örtlichen Schulen, angefangen beim Karolinen-Gymnasium, signalisierten bereits ihre Bereitschaft, sich am Gemeinschaftsprojekt der Stadt zu beteiligen. Neben den Kirchen haben auch örtliche Vereine ihr Engagement angekündigt. "Wir wollen einen kleinen Beitrag leisten. Das Bewusstsein für eine faire Verteilung soll gestärkt werden, die dritte Welt darf nicht in Vergessenheit geraten", erklärt auch Georg Schmid, der Sprecher der Steuerungsgruppe.

Schmid selbst verbrachte 16 Jahre als Entwicklungshelfer in Südamerika und verfolgt die Bemühungen der ausschließlich ehrenamtlichen Mitglieder der Steuerungsgruppe mit Nachdruck: "Die verschiedenen Industrien holen aus den Ländern viel raus, manche werden sogar ausgebeutet. Der Hunger treibt die Menschen schließlich da hin, wo es was zu essen gibt. (...) Wir haben viel versäumt. Fair Trade ist dabei eine einfach Art und Weise zu helfen", so Schmid weiter.

Wie geht es weiter mit dem Fair Trade in der Stadt?

Aktuell beteiligen sich zwischen 10 und 15 aktive Teilnehmer an den weiteren Planungen zur "Fair Trade Stadt Rosenheim". Auch die Stadt selbst unterstützt die Bemühungen der Initiative mit einer eigenen Ansprechperson in der Verwaltung. Bereits 2011 richteten sich die Grünen mit einem ähnlichen Antrag an den Umweltausschuss. Damals wurde das Anliegen jedoch abgelehnt.

Ein Schicksal, dass die neuerlichen Bemühungen aller Voraussicht jedoch nicht teilen werden, so Dr. Beate Burkl abschließend. Sie rechnet fest damit, dass der Antrag in der kommenden Stadtratssitzung vom Gremium durchgewunken wird. Dann steht als nächster großer Termin eine Informationsveranstaltung im großen Rathaussaal an. Am 21. April am 18.30 Uhr soll die Öffentlichkeit weiter informiert und für die Idee begeistert werden. Läuft alles nach Plan, so Dr. Burkl, könnte die Stadt das begehrte Siegel bereits im Spätsommer oder Herbst in den Händen halten.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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