Vom 11. bis 21. Juli

„Kaltentaler“ veranstalten 99. Inngau-Trachtenfest in Rosenheim

+
Der Trachtlernachwuchs steht schon in den Startlöchern und freut sich auf das Inngau-Trachtenfest, das auf dem Volksfestplatz in Pang stattfindet.

Rosenheim – Auf sein 88-jähriges Bestehen blickt der Trachtenverein „D’Kaltentaler“ Pang in diesem Jahr zurück. Zugleich findet das 99. Gaufest des Inngau-Trachtenverbands statt. Diese beiden Geburtstage, noch dazu zwei „Schnapszahlen“, werden von 11. bis 21. Juli gebührend gefeiert. Gabriele Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt Rosenheim, hat sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft für das Gaufest zu übernehmen, das auf dem Volksfestplatz in Pang über die Bühne geht und dessen Festleitung der erste Vorstand Georg Kaffl innehat.

Hinter den Panger Trachtlern liegen spannende, aber nicht immer einfach Jahrzehnte. Es war ein Auf und Ab. So befand sich Deutschland ausgerechnet im Gründungsjahr 1931 in einer schweren Weltwirtschaftskrise, die seit dem schwarzen Freitag 1929 andauerte. 70.000 Konkurse von Betrieben und sechs Millionen Arbeitslose waren die Folge. Manche Vereine wurden in Notzeiten gegründet. Die Leute mussten fest zusammenstehen, was auch in Pang eine große Rolle spielte.

Die Gründungsversammlung wurde beim Grießer in Brucklach einberufen, damals Ortsteil der Gemeinde Pang, heute Stadtteil von Rosenheim. „Es wurde von allen Seiten eifrig debattiert, sodass der Redner mit der Glocke zur Ordnung rufen musste“, heißt es im Original-Protokoll. Josef Grießer war ab sofort erster Vorstand. „Dann wurde der Beitrag festgesetzt, weil man ja bekanntlich ohne Geld nichts machen kann“, so die Aufzeichnungen. Die Vereinsstatuten umfassten 15 Punkte. „Zweck des Vereins ist die Erhaltung und Auffrischung der Gebirgstracht, die Unterhaltung im geselligen Kreise durch Musik und Gesang und Übung und den Schuhplattlertänzen unter Ausschluss aller politischen Tendenzen.“

Das Festprogramm (zum vergrößern klicken)

Zu den ersten Aktivitäten zählte gleich die Teilnahme beim Trachtenumzug beim Oktoberfest oder, wie ein Protokoll belegt, ein geselliger Ausflug mit den Fahrrädern auf eine Alm bei Bad Feilnbach. „Die weiblichen Mitglieder hatten Mehl und Eier dabei, sodass man einen richtigen Schmarrn kochen konnte“. 1933 wurde im Dezember eine außerordentliche Versammlung einberufen. Der Nachbarverein „Almenrausch“ Redenfelden wurde aufgelöst und die Vereinsfahne stand zum Verkauf. Die „Kaltentaler“ schlugen zu und setzen noch am Vormittag des Heiligen Abend einen Vertrag auf. Kaufpreis: 100 Mark.

Der sich anbahnende Nationalsozialismus samt Gleichschaltung der Organisationen und Vereine war eine schwere Zeit für den jungen Panger Trachtenverein. Im Zweiten Weltkrieg sind 15 Vereinskameraden gefallen. „Erst als einige Trachtler nach dem Krieg aus der Gefangenschaft zurückkehrten, machte eine Gruppe aus Hohenofen den Neuanfang“, so der heutige Vorsitzende, Stadtrat Georg Kaffl gegenüber dem Heimat- und Trachtenboten. Ludwig Plankl konnte als einziger das Platteln lehren – und wurde gleich zum Vorstand gewählt. Ab 1948 war Michael Martl drei Jahre lang erster und anschließend 18 Jahre zweiter Vorstand.

Dass die „Kaltentaler“ nie ihren sozialen Gedanken aus den Augen verloren, beweist ein Blick in die Chroniken. Mit einem „Bunten Abend“ zu Gunsten der Kriegsversehrten half der Verein, die große Not zu lindern. Fast 1000 Mark überreichte der Kassier dem Bürgermeister aus dem Erlös zur Verteilung an die Versehrten. Zum „Tag der Flüchtlinge“ veranstalteten die „Kaltentaler“ einen Trachtenball beim „Alten Wirt“ in Pang. Den Überschuss übergaben sie der Flüchtlingshilfe. Auch bei einer Christbaumversteigerung in Aising fanden allerlei Sachen – von einem Schaukelpferd über ein Paar Ski bis hin zu richtig deftigen und kalorienreichen Speisen wie Torten aus Knäckebrot und Kartoffelbrei sowie Wein, Schnaps, Wurst und Schweinefleisch – ihre Käufer.

Waren bis 1950 die Trachten innerhalb des Vereins noch in groben Zügen verschieden, setzte mit dem Wirtschaftswachstum eine Art Vereinheitlichung oder Uniformierung ein. Zuvor waren die meisten Teile der Kleidung noch selbst angefertigt worden. Stangenware gab es nicht. Viele Vereine haben so im Laufe der Jahre andere Details der Miesbacher Tracht herausgearbeitet und geben diese seitdem vor. Es wurde stärker darauf geachtet, dass die Männer den Scheibling als Hut und den Adlerflaum als Schmuck darauf tragen.

Die „Brunauer“-Eheleute Ulla und Georg Kaffl standen 43 Jahre an der Spitze des Panger Trachtenvereins.

Am 11. November 1951 wählte die Generalversammlung überraschend den „Brunauer“ aus Westerndorf am Wasen zum ersten Vorstand. Damit begann das Wirken eines großen Panger Trachtlers. Denn von den 88 Jahren, die der Panger Trachtenverein heute besteht, leitete Georg Kaffl senior 43 Jahre den Verein, also die Hälfte der Geschichte. Ein erster Höhepunkt seines Wirkens war die Fahnenweihe im Juni 1956. „Die Festmusikkapelle Wachinger weckte musikalisch den ersten Vorstand Schorsch Kaffl, Bürgermeister Josef Dräxl, Fahnenbraut Maria Huber und Fahnenmutter Anne Schmid. 35 Trachtenvereine wurden musikalisch empfangen“, ist überliefert.

Zwischen 1962 und Anfang der 1970er-Jahre gründeten die „Kaltentaler“ die ersten Kinder- und Jugendgruppen. Maßgeblichen Anteil am Erfolg dieser guten Nachwuchsarbeit hatte der damalige Vorplattler und erste Jugendleiter, Josef Gilg aus Westerndorf am Wasen.

tadtrat Georg Kaffl ist Vorstand vom größten Rosenheimer Trachtenverein, Festleiter und überzeugter Trachtler seit Jahrzehnten.

Ein weiterer Höhepunkt von Kaffls Wirken war das Gaufest 1970. Der Mitgliederstand betrug 190 Personen. Der Festsonntag am 12. Juli startete mit strahlend schönem Sonnenschein. Die Zählung ergab 3000 Trachtler. Von namhaften Stellen wurde das Gaufest in Pang, dessen Festleitung Eugen Aerzbäck innehatte, als eines der schönsten und bestorganisierten Trachtenfeste im Inngau bezeichnet. „Dass unser Vorstand, der Schorsch Kaffl, mit der Aufnahme des Gaufestes die meiste Arbeit und die meisten Sorgen in Kaufnehmen musste, war ihm wohl bewusst und wird niemand bezweifeln. Jedoch die Liebe zu seinem Trachtenverein half ihm alle Schwierigkeiten leichter zu bewältigen. Seine verehrte Gattin Ulla stand ihm fest zur Seite. Wie die beste Mutter sorgte sie dafür, dass unsere Vereinsdirndl und Jugend ja kleidsam und sauber daherkommen und opferte viel Zeit dafür“, so der damalige Schriftführer.

Mit einem viertägigen Gründungsfest unter Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker und Festleitung von Stadtrat Georg Gilg feierten die Panger im August 1982 ihr 50. Jubiläum. Zusammen mit dem Veteranen- und Kriegerverein wurde ein Zelt aufgestellt. Die vereinseigenen Gruppen präsentierten sich hervorragend. Die Jugendgruppe von Anton Weinfurtner, die Kindergruppe von Paul Deutschenbaur, die Aktivengruppe von Franz Rutz und die ehemaligen Aktiven zeigten sich stolz.

Der Auslöser für die Gründung einer Goaßlschnoizer-Gruppe war die Einladung der Aktiven nach Dibbersen bei Hamburg. Als zusätzlichen Programmpunkt wollten die „Kaltentaler“ den bayerischen Abend der Familie Frommann, die den Pangern seit jeher stark verbunden sind, bereichern. Den Anfang machte Andreas Gartner, der im Oktober 1987 nach Siegsdorf fuhr und fünf Goaßln kaufte. Zwei Wochen später trafen sich Andreas Gartner, Martin Rutz, Paul Deutschenbaur, Anton Weinfurtner, Thomas Gumberger, Robert Gsinn, Franz Kaffl, Georg Gasteiger und Andreas Neumeier zur ersten Schnoizerprob beim Hirmer in Aising.

Anlässlich des 60. Gründungsfests, verbunden mit „40 Jahre Vorstandschaft Georg Kaffl“ und der Einweihung des renovierten Jugendraums im örtlichen Sportheim, um den sich Andreas Gartner gekümmert hatte, wurde 1991 nach der Segnung durch Pfarrer Korbinian Kreuz ein Heimatabend veranstaltet.

Einen Ehrenabend für Ulla und Schorsch Kaffl veranstaltete der Verein am 29. April 1995 für die beiden neu ernannten Ehrenmitglieder. Der neue Vorstand Andreas Gartner hielt eine Rückschau auf das über 43-jährige Wirken von Kaffl und überreichte eine Ehrenurkunde und die Anstecknadel „Ehrenvorstand“. Ulla Kaffl bekam ebenfalls eine Ehrenurkunde. Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker überreichte die silberne Bürgermedaille und zweiter Gauvorstand Thomas Fischbacher übergab eine Ehrenurkunde vom Inngau.

Das zweite Gaufest der Vereinsgeschichte richteten die „Kaltentaler“ im Jahr 2001 unter Vorstand Andreas Gartner aus. Seit November 2015 steht nun Georg Kaffl aus Westerndorf am Wasen an der Spitze der „Kaltentaler“. „Ich möchte zum 88. Gründungsfest allen Trachtlerinnen und Trachtler herzlich danken“, so der Vereinschef und Festleiter. Seine besondere Anerkennung gilt seinen beiden Amtsvorgängern, Andreas Gartner und Paul Deutschenbaur, jeweils mit Ehefrau. „Sie haben die Trachtensache in Pang gelebt und mit großer Überzeugung und Leidenschaft dem Panger Trachtenverein gedient“, so Kaffl.

Weitere Informationen:

- Internetseite

- Facebook

Mit rund 460 Mitgliedern gehören die „Kaltentaler“ heute zu den sechs größten Trachtenvereinen im Inngau. Dessen Gebiet erstreckt sich vor allem über Stadt und Landkreis Rosenheim sowie über den Nachbarkreis Ebersberg. Aber auch Abordnungen aus Nürnberg und Neuötting sind vertreten. Daneben bilden die „Kaltentaler“ auch den größten Trachtenverein im Rosenheimer Stadtgebiet. Trotz eines vielfältigen Freizeit- und Sportangebots in der Region gelingt es den Verantwortlichen bis heute, eine beachtliche Anzahl an Kinder und Jugendliche für die Trachtensache zu begeistern und damit ein Stück Tradition in Rosenheim zu bewahren. Die Vorbereitungen für das 99. Inngau-Trachtenfest laufen auf vollen Touren. Vorstandschaft samt Ausschuss legen sich mächtig ins Zeug, um unvergessliche Tage im Rosenheimer Süden zu veranstalten. Malerisch präsentiert sich der Festplatz „Am Wasen“ mit Blick auf das Mangfallgebirge, die Chiemgauer Alpen und die barocke Rundkirche von Westerndorf am Wasen. Beste Voraussetzungen, um im Zelt von Gastronom Manfred Kirner schöne Stunden zu verbringen. Höhepunkt ist der Festsonntag am 14. Juli, an dem Weihbischof Wolfgang Bischof und Domkapitular Dekan Pfarrer Daniel Reichel um 10 Uhr einen Gottesdienst zelebrieren. Später ziehen die über 5000 Trachtler samt Blasmusik durch die Straßen von Pang und Aising.

Zudem stehen ein Kabarettabend mit Moderator Chris Boettcher am Samstag, 20. Juli, sowie ein Auftritt von Sašo Avsenik, dem Enkel von Oberkrainer-Gründervater Slavko Avsenik, am Donnerstag, 18. Juli, an. Tickets gibt es in Pang (Bäckerei Maier/VR-Bank) und Aising (Bäckerei Mooslechner/Sparkasse) sowie im Kroiss-Ticketzentrum in der Stadtmitte. Auch Karten für das Kindermusical „Die Kuh, die wollte ins Kino gehen“ am Mittwoch, 17. Juli, sind dort zu erwerben. Ein Weinfest, ein Heimatabend sowie das Gaudirndldrahn samt Flohmarkt und Rosstag runden das Programm ab. Ruhetage sind Samstag, 13. Juli, und Dienstag, 16. Juli.

aez

Zurück zur Übersicht: Rosenheim

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT