Engpässe wegen Coronavirus

Stellen RoMed-Kliniken Desinfektionsmittel bald selber her?

Rosenheim - Seit 2016 war die Herstellung von Desinfektionsmitteln durch Apotheken eingeschränkt. Doch aufgrund der Corona-Epidemie ist es ihnen nun wieder erlaubt. Auch die Apotheke der RoMed-Kliniken könnte bei Engpässen selber herstellen.

Auch in unserer Region sind die Drogerien leergeräumt und in den Apotheken Desinfektionsmittel Mangelware. Deshalb profitieren die heimischen Apotheker und Kliniken mit eigener Arzneiabteilung von einer neuen Regelung.

Apotheken in Deutschland dürfen nämlich aktuell befristet bestimmte isopropanolhaltige „Biozidprodukte zur hygienischen Händedesinfektion“ herstellen. Rechtsgrundlage ist eine Allgemeinverfügung der Bundesstelle für Chemikalien. Als Biozidprodukt gelten neben Produkten die direkt auf Schadorganismen wirken, wie die derzeit so gefragten Desinfektionsmittel. 

Die aktuelle Lage in den RoMed-Kliniken

rosenheim24.de hat sich bei den RoMed-Kliniken erkundigt, wie sich dort die aktuelle Lage bezüglich Schutzmasken und Desinfektionsmitteln darstellt. Was viele wahrscheinlich nicht wissen ist, dass die RoMed-Kliniken eine eigene Apotheke haben und somit nach der neuen Verfügung Desinfektionsmittel auch selber herstellen können.

Gegenüber rosenheim24.de teilte Pressesprecherin Lauretta Kölbl-Klein, dass man aktuell in den RoMed-Kliniken Masken (FFP1, FFP2, FFP3) in ausreichender Menge im Bestand habe. Zu den Desinfektionsmitteln sagt sie: "Es gibt tatsächlich eine EU-Verordnung, was die Herstellung von Desinfektionsmitteln anbelangt, die aber bis auf weiteres offiziell ausgesetzt ist.

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Unsere Apotheke ist zertifiziert und hat eine Zulassung für die Herstellung von Zytostatika. Die Mitarbeiter können und dürfen Händedesinfektionsmittel, das auch in einer Klinik eingesetzt werden darf, selbst herstellen." Im Moment habe die Klinik von dem dafür nötigen Alkohol einen ausreichenden Bestand, die Nachfrage sei laut Kölbl-Klein jedoch bei den Lieferanten sehr hoch. "Die Händedesinfektionsmittel wurden an manchen Stellen, wie z. B. in den Toilettenbereichen, aus den vorgesehenen Ständern entfernt, weil die „normale“ Händehygiene mit Seife ausreicht. Damit sollen die Vorräte an Händedesinfektionsmittel geschont werden."

"Aktuell gibt es noch kein Problem"

Die RoMed-Kliniken haben sich schon länger auf Verknappungen eingestellt. Aktuell gebe es noch kein Problem. "Alle weiteren Aussagen sind spekulativ, da wir nicht wissen, wie sich die Infektionsfälle entwickeln und wann die Produktions- und Lieferketten wieder „normal“ laufen", so die Pressesprecherin.

Biozid-Verordnung

Bis zum 31. August 2020 ist es Apotheken erlaubt, bestimmte Biozide zur Händedesinfektion herzustellen. Das gab die bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin angesiedelte Bundesstelle für Chemikalien bekannt. Rechtsgrundlage ist Artikel 55 der Biozid-Verordnung. Danach kann eine zuständige Behörde befristet für höchstens 180 Tage die Bereitstellung oder Verwendung eines Biozidprodukts für eine beschränkte und kontrollierte Verwendung gestatten, wenn dies aufgrund einer Gefahr für die öffentliche Gesundheit notwendig ist.

jb

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