Landratskandidaten diskutierten über das Thema Wohnen

"Man muss mit dem derzeitigen Immobilienwahnsinn aufhören"

Die Landratskandidaten Ulla Zeitlmann (Grüne) und Otto Lederer (CSU) diskutieren über das Thema Wohnen
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Die Landratskandidaten Ulla Zeitlmann (Grüne) und Otto Lederer (CSU) diskutieren über das Thema Wohnen

Rosenheim - Im dritten Teil der Serie "Landratskandidaten diskutieren auf der Podiumsdiskussion des DGB" stellen wir die Diskussion von Florian Weber (Bayernpartei) und Josef Fortner (ÖDP) zum Thema Verkehr vor.

Der DGB Kreis- und Stadtverband stellte die Landratskandidaten in einer Podiumsdiskussion vor. In Zweier-Gruppen diskutierten sie über verschiedene Themen. Wir stellen Ihnen in jeweils einem extra Artikel die Diskussionen der ausgelosten Paarungen vor. Diesmal: Otto Lederer (CSU) und Ulla Zeitlmann (Grüne).

Paarung Nummer 3: Otto Lederer und Ulla Zeitlmann zum Thema Wohnen

Die erste Frage an die beiden Kandidaten war, wie sie das Thema Wohnen im Landkreis Rosenheim einschätzen. Otto Lederer hat dazu eine klare Meinung: "Der Landkreis Rosenheim ist ein Zuzugslandkreis. Da ist die Metropolregion München dabei und das Thema "bezahlbarer Wohnraum" ist ein ganz drängendes Problem bei uns." Wenn man schaue, wie sich die Grundstücks- und Mietpreise in den letzten Jahren entwickelt haben, dann sei es für viele bei uns im Landkreis nicht mehr möglich, bezahlbaren Wohnraum zu finden. "Deshalb denke ich, dass man sich dem noch weiterhin annehmen muss, wahrscheinlich deutlich verstärkt. Da gibt es mittlerweile Gott sei Dank eine Reihe von Programmen auf Bundes- und Länderebene, aber wir müssen uns auch weiter mit den Kommunen direkt beschäftigen." Lederer denke, dass es ein dringendes Problem ist und ihm seien keine Kommunen bekannt, wo "dieses Thema nicht brennt."

Auch Ulla Zeitlmann sieht das Thema als sehr dringlich an: "Natürlich ist das ein sehr brennendes und ein sehr fundamentales Thema. Was sich da auch auswirkt ist, dass wir immer mehr in den Sog unserer Metropolregion München geraten. Die Leute pendeln ja mittlerweile von Bad Reichenhall und Freilassing nach München. Ich denke wir brauchen hier neue Instrumente." Zeitlmann sehe es in der Kommune recht gut. "Die Gemeinde Bernau am Chiemsee kann schwer aus eigener Kraft kommunal bauen weil das Bauamt zu klein ist." Sie fordert eine neue Wohnbaugenossenschaft für den Landkreis, die ein Wohnbauprogramm aufstellen.

Lederer hakt hier ein: "Wenn die Kommune Grundstücke hat, die sie nicht selber bebauen kann, dann einfach dem Landkreis melden. Unsere Wohnungsbaugesellschaft sucht genau solche Grundstücke. Die Kommunen können das auch an einen Bauträger vergeben." Hauptthema sei seiner Meinung nach, die Grundstücke zu finden.

Thema Betriebswohnung und Wohnbaugesellschaft

Lederer sei mit größeren Firmen bereits in Kontakt, ob Betriebswohnungen ein Thema seien. "Da gibt's natürlich Firmen, die da noch unsicher sind, aber es gibt auch durchaus Firmen, die heute schon sehr sehr viel für ihre Mitarbeiter machen und ich kann mir vorstellen, dass das für einige durchaus interessant ist." 

Ulla Zeitlmann schließt daran an: "Ich stimme zwar zu, dass eine Kommune die Programme der Staatsregierung annehmen und bezahlbaren Wohnraum schaffen können, aber sie tun es halt nicht, sonst hätten wir das Problem nicht." Laut Zeitlmann machen die Kommunen es nicht, weil es ein riesen Hick Hack ist und die Kommunen in ihren Bauämtern und ihrer Personalausstattung einfach nicht gut genug ausgestattet sind. "Nach meiner Information geben die Kommunen ihre Grundstücke nicht an die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises weiter, weil dann die Gesellschaft darauf besteht, die selber zu belegen. Ich glaube es gibt bessere und kreativere Formen als einfach nur billig zu bauen. Als Beispiel nennt sie nachbarschaftliches Bauen.

Lederer geht direkt darauf ein und berichtet, dass er Kommunen kenne, die die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises bauen haben lassen. "Die Bürgermeister sind begeistert und sie haben das Belegungsrecht für 50 Prozent der Wohnungen ohne einen Cent investieren zu müssen."

Ulla Zeitlmann sieht das Problem als ein weitaus größeres an als die Größe der Bauabteilung im Landratsamt. "Ich denke dass man mit dem derzeitigen Immobilienwahnsinn und unserem alten Bauverhalten aufhören muss. Wir sind in eine Sackgasse geraten, das funktioniert so nicht. Ich glaube wir müssen das neu andenken, wir müssen nachhaltig bauen, wir müssen ökologisch bauen, wir müssen so bauen, dass der ÖPNV angebunden ist. Einfach ein weiter so, daran glaube ich nicht und ich glaube auch nicht, dass die aktuelle Wohnbaugesellschaft das alles löst."

Sozialer Wohnungsbau

Die nächste Frage betrifft den sozialen Wohnungsbau: "Was halten Sie von der Forderung, dass öffentlicher Baugrund nur unter Einhaltung sozialer Kriterien zur Verfügung gestellt wird? Wenn man in Zukunft zu einem privaten Bauträger sagt: Du bekommst den Grund, aber du musst einen Teil deiner Wohnungen zu einem günstigen Mietpreis hergeben."

Ulla Zeitlmann ist der Auffassung, dass es dafür heute schon die richtigen Instrumente im Baugesetzbuch gebe. "Ich denke das ist die Aufgabe der Politik für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Die Aufgabe von Politik ist generell die, sich um die zu kümmern, die es nicht aus eigener Kraft schaffen."

Otto Lederer stimmt zu, dass es aktuell schon Möglichkeiten gebe, insbesondere wenn man neues Bauland schaffe. "Und da ist meines Erachtens wichtig, dass man Gesamtwohnkonzepte entwickelt. Wenn man größere Projekte ausschreibt, möchte man eine gute Durchmischung haben." Er sei aber auch der Meinung, dass man erstmal schauen müsse, was man für ungenutzte Flächen und Liegenschaften bereits habe. "Wir müssen ansetzen, wo wir im Bestand etwas besser nutzen können, wir müssen z.B. auch überlegen, wo man Parkplätze bebauen kann. Da müssen wir noch viel kreativer werden, wie wir flächenschonend mehr Wohnraum für unsere Bevölkerung machen kann."

Die Diskussionen der anderen Kandidaten

In der Diskussionsveranstaltung des DGB beim Gasthof Höhensteiger sollen die Positionen der Rosenheimer Landratskandidaten dargestellt werden und zur Diskussion anregen. Es war keine klassische Podiumsdiskussion. Die Kandidaten selbst und das Losglück entschieden, wer mit wem welche Themen diskutierte. Auch das Publikum wurde mit eingebunden.

Der Diskussion stellten sich die Landratskandidaten Otto Lederer (CSU), Alexandra Burgmaier (SPD), Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG), Sepp Hofer (Freie Wähler), Ulla Zeitlmann (Bündnis90/Die Grünen), Florian Weber (Bayernpartei) und Josef Fortner (ÖDP). 

Die erste Paarung der DGB-Diskussion waren Alexandra Burgmaier (SPD) und Sepp Hofer (Freie Wähler) zum Thema Arbeit. Die zweite Diskussionsrunde führten Florian Weber und Josef Fortner zum Thema Verkehr.

Im nächsten Artikeln werden wir die Diskussion zwischen Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG) und Günter Zellner, Regionsgeschäftsführer DGB Region Oberbayern zum Thema Generationengerechtigkeit vorstellen.

jb

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