Landratskandidaten Hofer und Burgmaier diskutieren

"Gute Arbeit muss mir die Möglichkeit geben, gut in meiner Heimat zu leben"

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Die Landtagskandidaten Sepp Hofer (Freie Wähler) und Alexandra Burgmaier (SPD) diskutierten auf der Podiumsdiskussion des DGB über das Thema Arbeit

Rosenheim - Der DGB Kreis- und Stadtverband stellte die Landratskandidaten in einer Podiumsdiskussion vor. In zweier-Gruppen diskutierten die Kandidaten über verschiedene Themen. Die erste Paarung waren Alexandra Burgmaier (SPD) ud Sepp Hofer (Freie Wähler) zum Thema Arbeit.

Die direkteste Möglichkeit der Mitbestimmung ist die Kommunalwahl. Wer sollen die Menschen sein, die sich für mich und meine unmittelbare Umgebung stark machen und welche Positionen sind mir wichtig? Der DGB Kreis- und Stadtverband Rosenheim will die Positionen der Rosenheimer Landratskandidaten darstellen und zur Diskussion anregen. Dazu lud er in den Gasthof Höhensteiger ein. Es war aber keine klassische Podiumsdiskussion. Die Kandidaten selbst und das Losglück entschieden, wer mit wem welche Themen diskutierte. Auch das Publikum wurde mit eingebunden.


Der Diskussion stellten sich die Landratskandidaten Otto Lederer (CSU), Alexandra Burgmaier (SPD), Rainer Auser (Parteifreie/ÜWG), Sepp Hofer (Freie Wähler), Ulla Zeitlmann (Bündnis90/Die Grünen), Florian Weber (Bayernpartei) und Josef Fortner (ÖDP). 

Wir stellen Ihnen in jeweils einem extra Artikel die Diskussionen der ausgelosten Paarungen vor. Los geht es mit Alexandra Burgmaier und Sepp Hofer.


Pärchen Nummer 1: Alexandra Burgmaier und Sepp Hofer zum Thema Arbeit

Der DGB fordert, dass mit öffentlichen Geldern nur gute Arbeit gefördert werden darf. Auf die Frage was sich Alexandra Burgmaier unter guter Arbeit vorstellt sagt sie: "Gute Arbeit ist für mich eine Arbeit, die in der Regelarbeitszeit vollbracht wird und mir trotzdem die Möglichkeit gibt, davon gut in meiner Heimat zu leben, ohne zweiten Job oder meine Heimat verlassen zu müssen und wohin gehen zu müssen, wo die Mietpreise billiger sind." Sepp Hofer versteht unter guter Arbeit: "Wenn man zu dem Mindestlohn noch eine Aufstockung braucht, damit man sich die Wohnung, Essen, Familie etc. leisten kann, dann muss man den Mindestlohn ein bisschen aufstocken. Natürlich haben sich unsere Lebensverhältnisse verändert. Man muss daher auch schauen: Reicht das Geld oder sind die Ansprüche zu hoch? Uns geht's nicht schlecht. Wir sind in unserer Region auf einem Niveau das es noch nie gegeben hat." Burgmaier widerspricht: "Ich glaube man kann gute Arbeit nicht mit Mindestlohn in Verbindung bringen. Mindestlohn ist ganz ganz unten. In unserer Region kannst du vom Mindestlohn überhaupt nicht leben. Es gibt viele, denen geht es gut, aber es gibt auch viele, denen geht es nicht gut." Dem stimmt Hofer bei, entgegnete jedoch: "Ich kann mich nicht immer an den Reichsten orientieren. Das Maß macht's. 

Tarivgebundene Unternehmen im Auftrag des Landkreises

Die nächste Frage zum Thema Arbeit war: "Was würde ein Landrat tun, dass auch wirklich tarivgebundene Unternehmen die Aufträge bekommen, die der Landkreis vergibt. Laut Hofer werde da schon darauf geschaut. Burgmaier könne nicht sagen, ob das wirklich eingehalten werde, aber dadurch, dass es im Kreistag keinen Bauausschuss gebe, könne sie das nicht beantworten. 

Die Nähe zum Betriebsrat sei für Burgmaier, sollte sie Landrätin werden, eine Selbstverständlichkeit. "Alles hängt von guten Mitarbeitern ab. Und dazu muss ich einfach hören was ist los? Ist irgendwas nicht in Ordnung? Was kann man als Arbeitgeber besser machen, damit ich zufriedene und leistungsstarke Mitarbeiter habe?" Für Sepp Hofer gehe das viel weiter unten los, bereits auf Kommunalebene. Auch als Landrat sei es ganz logisch, einen runden Tisch einzuberufen, wenn etwas nicht in Ordnung ist, oder auch schon vorher.

Fragen aus dem Publikum

Aus dem Publikum wurde die Frage gestellt, wie die Kandidaten zu der Thematik stehen, dass in Finnland eine 30 bzw. sogar 24 Stunden Woche bei gleichem Lohnausgleich eingeführt wird und ob sie sich das auch vorstellen können hier in der Region. Sepp Hofer hat dazu eine klare Meinung: "Ich persönlich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Ich habe schon die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, wie man das Rentenalter nach oben gesetzt hat. Arbeitszeit werden wir in den nächsten Jahren immer mehr brauchen." Alexandra Burgmaier hingegen könne sich das sehr gut vorstellen. "Ich  würde selber gerne so arbeiten. Mir sind diese Modelle bekannt, aber es gibt dafür auch Auflagen. Dass z.B. das Smartphone wegkommt oder Raucherpausen wegfallen. Das ist ein sehr konzentriertes Arbeiten in dieser Zeit und der Lohn dafür ist dann größere Freizeit. Unter diesen Voraussetzungen, größte Leistung in den sechs Stunden zu bringen, ist das glaube ich ein zukunftsfähiges Modell."

Die nächste Frage aus dem Publikum bezieht sich darauf, was der Landrat machen kann, wenn ein Betrieb wie beispielsweise Danone schließt. "Da muss man ganz ehrlich sein, Politik kann nicht alles", sagt Burgmaier. "Es ist zwar sehr schmerzlich, aber es gibt Grenzen. Gerade wenn ein privates Unternehmen insolvent geht, erfährt es die Politik immer sehr spät. Man kann dann noch Gespräche führen wie man das sozialverträglich löst, aber einen Durchgriff in die Privatwirtschaft hast du als Kommunalpolitiker nicht." 

Sepp Hofer sieht den Verlust des Arbeitsplatzes auch als sehr bitter an, für ihn könne das aber auch eine Chance bedeuten. "Es gibt Auffangprogramme, aber das haben wir vom Landkreis nicht zu entscheiden."

Das sind die weiteren Diskussionspaare: 

In den nächsten Artikeln werden wir die Diskussion zwischen Josef Fortner (ÖDP) und Florian Weber (Bayernpartei) zum Thema Verkehr, zwischen Ulla Zeitlmann (Bündnis90/Die Grünen) und Otto Lederer (CSU) zum Thema Wohnen und zwischen Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG) und Günter Zellner, Regionsgeschäftsführer DGB Region Oberbayern zum Thema Generationengerechtigkeit vorstellen.

jb

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