Konzertkritik: Die Prokrastination in der Vetternwirtschaft

Ein überragendes Konzert mit charmanter Ironie

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Die Prokrastination (v.l.): Gregor (Bass), Katha (Gesang/Gitarre), Michael (Gitarre/Gesang) und Raphi (Schlagzeug).

Rosenheim - Mit Newcomer-Festivals ist das immer so eine Sache. Einerseits sind sie wichtig, da sie aufstrebenden Bands eine gute Möglichkeit bieten, Erfahrungen zu sammeln und bekannt zu werden. Andererseits hört man hier oft auch noch recht Unausgegorenes. Umso erstaunlicher daher der großartige Auftritt der Münchner Band Die Prokrastination auf dem Newcomer-Festival in der Vetternwirtschaft in Rosenheim.

Die Prokrastination auf:

Vom ersten Song an überzeugen die Münchner mit Energie, Spielfreude und eben gut durchdachten, klugen Songs. Klug und ironisch auch die deutschsprachigen Texte von Frontfrau Katha, die augenzwinkernd den Alltag und das Leben reflektieren. Der Sound ist eine Melange aus Indierock, griffigen Refrains, mal melancholischen Melodien oder auch punkigeren Riffs. Irgendwo zwischen Wanda, Kreisky und den Sternen. Wer möchte kann auch noch ein wenig Neue Deutsche Welle raushören. 

Es ist immer tanzbar, aber mit genug Ecken und Kanten. Die Prokrastination haben einfach ihren ganz eigenen Charme. Als beim Hit „Tinder Date“ Katha dann noch ins Publikum springt, gibt es kein Halten mehr. Die Energiewelle durchdringt den ganzen Raum und es wird bis in die letzte Reihe getanzt. Schweißtreibend, unglaublich sympathisch ist das. 

Die Süddeutsche Zeitung hat Die Prokrastination bereits entdeckt. Deren Bandwettbewerb hätten sie fast gewonnen. Es würde mich nicht wundern wenn man sie auch bald auf FM4 hören würde. Oder auf weiteren Festivals. Dann hoffentlich auf größeren. Sie haben es definitiv verdient. Das Potenzial dazu haben sie sowieso.

Christian Eder

Band-Info:

Die Prokrastination verbindet punkige Off-Beats und rockige Gitarren mit rotzigen und ironischen deutschen Texten. In ihrer Musik schwingt laut SZ “Indie-Geist und feine Intellektualität” mit. 

Sorry Baby, wir sind nicht aus Berlin! Man würde nicht vermuten, dass Die Prokrastination ihre Homebase in München hat. Die Band klingt eher nach West-Berlin, erinnert zeitweise an “Ideal” oder and die Ungezwungenheit von “Velvet Underground”. Die vierköpfige Band gründete sich 2016 in München. Mit an Board sind die Ulmer Frontfrau Katha, ein oberbayrischer Gitarrist und Sound-Tüftler, ein niederbayrischer Drummer und Onkel-Greg als Fundament.

Der Bandname ist nicht Programm! Die Prokrastination macht Musik mit Bauch und Hirn. Die Band spielt gerne live - grob und sanft - und möchte sich und alle anderen zum Tanzen animieren. So ist das gut. Nun geht es los.

Die Prokrastination

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